Weniger Auslands­investitionen in Osteuropa

9. Juni 2009, 18:34
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Wirtschaftsforscher Hunya: "Die Krise ist in Osteuropa noch nicht vorbei"

Wien - Die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Mittel- und Osteuropa (CEE) sind bereits im Vorjahr teilweise zurückgegangen. So fielen sie in den zehn neuen EU-Mitgliedstaaten im Jahresvergleich um 9 Prozent auf 44,86 Mrd. Euro, in Südosteuropa um mehr als ein Fünftel auf 7,4 Mrd. Euro. Für heuer rechnet das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleich (WIIW) für die Region mit mindestens einer Halbierung, erklärte WIIW-Experte Gabor Hunya am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Durch die internationale Wirtschaftskrise werden die CEE-Staaten auf das Niveau von 2001/2002 bei den Direktinvestitionen zurückgeworfen. Da heuer die Unternehmensgewinne zurückgehen werden, können die Unternehmen auch weniger in den CEE-Staaten reinvestieren. Im ersten Quartal 2009 gab es in der Region bereits Einbrüche bei den Investitionen zwischen 20 und 80 Prozent.

"Die Krise ist in Osteuropa noch nicht vorbei", erklärte Hunya, auch wenn die Einbrüche bei der Industrieproduktion derzeit im Vergleich zu den Vormonaten geringer ausfallen. Allerdings würden die Folgen erst auf andere Bereiche der Wirtschaft übergreifen, etwa auf den Arbeitsmarkt. Einen Rückzug österreichischer Unternehmen aus der Region hält Hunya für nicht plausibel, da sie in zahlreichen Staaten Marktführer seien und diese Position "auch in der Krise ungern aufgeben".

Verlagerung bei Investitionen

Bei der Struktur der Investitionen könne man eine Verlagerung beobachten. Im ersten Quartal 2008 war noch ein großer Anteil in die verarbeitenden Industrie, in die Autoindustrie oder Finanzwirtschaft geflossen. Heuer werde das Geld verstärkt in Projekte aus dem Bereich alternative Energie wie etwa Windkraftparks, aber auch in den Dienstleistungsbereich fließen. Außerdem gehe der Trend von Großprojekten zu kleineren effizienzsteigernden Investments.

Trotz des erwarteten Rückgangs werden die rund 20 Mrd. Euro an FDI einen größeren Teil des in der Krise stark schmelzenden Leistungsbilanzdefizits refinanzieren, glaubt Hunya. Das Leistungsbilanzdefizit der CEE-Staaten gehe wegen zahlreicher Faktoren zurück, so etwa wegen stark sinkender Importe als Folge eines schwächelnden Konsums. Im Rumänien fiel das Leistungsbilanzdefizit im ersten Quartal 2009 im Jahresvergleich von 17 auf 4 Prozent.

Rückgang schon im Vorjahr

"Obwohl etwa in den baltischen Staaten der Rückgang bereits im Vorjahr einsetzte, hören auch in Krisensituationen die Direktinvestitionen nicht ganz auf", so Hunya. Die einzelnen Staaten schnitten im Vorjahr unterschiedlich ab: Während Rumänien und Slowenien sogar eine deutliche Zunahme verbuchten, konnten Tschechien, Ungarn und die Slowakei das Niveau von 2007 halten. Deutliche Rückgänge gab es in Polen, Bulgarien und den baltischen Ländern.

Als einen möglichen Ausweg aus der Wirtschaftskrise sieht Hunya die Investitionen in die exportorientierte Wirtschaft, obwohl sie die Auswirkungen der jüngsten Krise in den osteuropäischen Ländern aufgrund der wegbrechenden Absatzmärkte verstärkt hatte, so Hunya. Konjunkturstützend dürften sich auch EU-Transfers und die Direktinvestitionen auswirken. (APA)

 

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