Giscard d'Estaing: "Bongo hat Chiracs Wahlkampf finanziert"

9. Juni 2009, 12:26
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Diskussion über Frankreichs Verhältnis zu Gabun nach dem Tod des Präsidenten Omar Bongo Ondimba

Paris - Der Tod des gabunesischen Präsidenten Omar Bongo Ondimba hat in Frankreich eine Diskussion über die wirtschaftliche und politische Verflechtung der beiden Staaten ausgelöst. Der französische Altpräsident Jacques Chirac habe sich 1981 von Bongo seinen Präsidentschaftswahlkampf finanzieren lassen, warf Chiracs Vorgänger Valery Giscard d'Estaing seinem damaligen Rivalen am Dienstag im Radiosender Europe 1 vor.

Er selbst sei seinerzeit Staatschef gewesen und habe Bongo am Telefon zur Rede gestellt, sagte Giscard d'Estaing. "Sie unterstützen den Wahlkampf meines Konkurrenten", habe er dem Machthaber der ehemaligen französischen Kolonie gesagt. Nach einem kurzen Schweigen habe Bongo geantwortet: "Oh, Sie wissen es also."

Vierzigjährige Amtszeit

Chirac, der dann 1995 Präsident wurde, und seine Frau Bernadette würdigten den am Montag verstorbenen Präsidenten des zentralafrikanischen Landes unterdessen als "weisen" Mann, der sich über vierzig Jahre lang unermüdlich "für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung" seines Landes eingesetzt habe. Bongo war im Alter von 73 Jahren in einer Klinik in Barcelona gestorben, offiziellen Angaben zufolge nach einem Herzinfarkt. Laut unbestätigten Berichten litt er an Krebs.

Die frühere Ermittlungsrichterin und künftige Europa-Abgeordnete Eva Joly sagte am Montagabend dem Fernsehsender Canal+, Bongo habe Frankreich und der französischen Politik gedient; um seine Landsleute habe er sich nicht gekümmert. Gabun habe ein Bruttosozialprodukt, das mit dem von Portugal vergleichbar sei, doch würden in dem zentralafrikanischen Land zum Beispiel jährlich nur wenige Kilometer Straßen gebaut. Frankreich habe eine "große Schuld" gegenüber Gabun, das der ehemaligen Kolonialmacht mit seinem Ölreichtum gedient habe.

Joly hatte im Korruptionsskandal gegen den staatlichen französischen Mineralölkonzern Elf ermittelt, der für die Zuteilung von Ölfeldern Millionenbeträge an afrikanische Staatschefs zahlte. Elf ging im Jahr 2000 im heutigen Total-Konzern auf. (APA/AFP)

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