Depressionen können Folge von Fructoseintoleranz sein

9. Juni 2009, 10:58
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Immer mehr Menschen leiden an Nahrungsmittelunverträglichkeiten - Schuld ist der hohe Konsum

Salzburg - Die viel gepredigten fünf Portionen Obst und Gemüse, die man zu sich nehmen sollte, wenn man ein gesundes Leben führen möchte, können vielen Menschen schnell zum Verhängnis werden. Wenn Gesundes krank macht, dann leiden die Betroffenen oft an Lebensmittelintoleranzen und in weiterer Folge an Blähungen, Durchfall und Bauchkrämpfen. "Man kann in Mitteleuropa schätzen, dass etwa 15 Prozent aller Menschen von Lactoseintoleranz betroffen sind", bestätigt der Arzt Thomas Haas vom LKH Salzburg.

Weltweit gesehen sei die Lactoseintoleranz, auch genannt Milchzuckerunverträglichkeit, jedoch nichts Ungewöhnliches, so Haas: "In asiatischen Ländern ist es der Normalzustand, dass man den Milchzucker nicht verdauen kann." Die Betroffenen leiden unter einem Mangel an Laktase, einem Enzym, das den Milchzucker im Dünndarm in Glukose und Galaktose aufspaltet. Der Milchzucker gelangt so unverdaut in den Dickdarm und kann Beschwerden verursachen.

Konsum steigt

Laktose ist in den vergangenen Jahren vor allem zum Trickmittel der Lebensmittelindustrie geworden, da sie als Bindemittel für eine sämige Konsistenz oder eine knusprige Panier sorgt und somit viele Fertigprodukte anreichert. Der Grund dafür, dass es immer mehr Menschen mit Lebensmittelintoleranzen gäbe, sei nicht, dass wir immer mehr erkranken würden, sondern dass wir immer mehr konsumieren, meinte Haas: "In meiner Elterngeneration hat noch niemand Fertigprodukte gegessen, und jetzt glaubt man, dass sie gesund sind. Wir konsumieren von allem so viel, dass der Körper irgendwann an seine eigene Grenze stößt und nicht mehr richtig arbeiten kann".

Süsses macht doch nicht glücklich

Bei einer Fruchtzuckerunverträglichkeit wird die Fructose nicht vollständig aus dem Dünndarm in die Blutbahn aufgenommen und erreicht ebenfalls unverdaut den Dickdarm. Die Beschwerden decken sich mit jenen der Lactoseintoleranz. Zudem ist eine Fruchtzucker-Malabsorption mit einem höheren Risiko für Depressionen vergesellschaftet. "Das hat man sich so erklärt, dass die Aminosäure Tryptophan, ein Vorläufer für den Botenstoff Serotonin im Gehirn ist. Im Rahmen der Fructose-Intoleranz kann ein Tryptophanmangel entstehen, da es von außen zugeführt und nicht körpereigen produziert werden kann. Und so kann es zu depressiven Verstimmungen kommen", weiß Haas. Will man sich dann aufmuntern, kann man durchaus in einen Teufelskreis geraten: "Wenn man dann etwas Süßes isst, zum Beispiel Schokolade, dann führt man sich erneut Fruchtzucker zu und fühlt sich wieder schlechter."

Bei Lebensmittelintoleranzen handelt es sich im Übrigen um keine Nahrungsmittelallergien. Diese sind reine Leistungen des Immunsystems. "Wohingegen es hier um die Aufnahme aus dem Darm ins Blut geht. Daher auch die Bezeichnung Malabsorption", erklärte Haas. (APA)

 

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