Berufungspraxis soll optimiert werden

9. Juni 2009, 13:42
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"Unzureichende Professionalität in der Durchführung wirkt zulasten weiblicher Bewerber" - Enquete "Frauen und Professur"

Wien - Die Berufungspraxis an Hochschulen erweist sich "vielfach als optimierungsbedürftig" - aber nicht nur in Österreich, meinte Anke Hanft, Leiterin der wissenschaftlichen Steuerungsgruppe der Qualitätssicherungsagentur AQA, gegenüber der APA. Auch wenn bei der Berufung von Professoren wohl "formal die Gleichstellung der Geschlechter" gegeben sei, können sich doch auch immer wieder Nachteile für Frauen ergeben, so anlässlich der vom Wissenschaftsministerium veranstalteten Enquete "Frauen und Professur" am Dienstag in Wien. Eine Projektgruppe unter Beteiligung von zehn heimischen Unis will bis Mitte 2010 Vorschläge für bessere Berufungsverfahren erarbeiten.

Qualitätsverfahren geplant

Die Universitäten in Wien, Innsbruck, Salzburg, Graz, Klagenfurt sowie die Medizin-Uni Graz, die Technische Universität (TU) Wien, die Universität für Angewandte Kunst, die Akademie der bildenden Künste und die Kunst-Uni Linz wollen gemeinsam und unter Koordination durch die AQA Qualitätskriterien zur Gestaltung von Berufungsverfahren erarbeiten. Im Mittelpunkt stehen laut Hanft die Förderung der Gleichstellung, die Verbesserung der Verfahrenstransparenz, die Kürzung der Verfahrensdauer und die Weiterentwicklung des Regelwerks.

Im Zuge des wachsenden Wettbewerbs der Hochschulen um die besten Köpfe komme der professionellen Durchführung von Berufungsverfahren entscheidende Bedeutung zu, so Hanft, die Professorin am Institut für Pädagogik der Universität Oldenburg (Deutschland) ist. Auch wenn formal die Gleichstellung der Geschlechter gewährleistet erscheint: "In der Praxis gibt es aber zahlreiche Hinweise darauf, dass die unzureichende Professionalität in der Durchführung der Berufungsverfahren zulasten weiblicher Bewerber wirkt", so Hanft.

Handbuch für verbessertes Berufungsverfahren

Dabei gebe es vielfach schon mangelnde Sensibilität im Vorfeld, etwa bei der Art der Stellenausschreibung, "die mal mehr oder mal weniger Frauen ansprechen kann", so die Professorin. Zudem zeige die Erfahrung, dass Frauen im Zuge des Berufungsverfahrens tendenziell besser abschneiden, wenn neben dem wissenschaftlichen Vortrag auch eine Lehrprobe vor Studierenden Teil des Verfahrens ist. Ein Berufungsverfahren solle daher "alle Arbeitsfelder der Professur abdecken", so Hanft. Die Empfehlungen der Projektgruppe für verbesserte Berufungsverfahren sollen Mitte 2010 als Handbuch erscheinen.

Im Rahmen des heimischen Frauenförderungsprogramms "fFORTE excellentia" wurden seit 2004 insgesamt 79 Berufungen von Frauen an österreichischen Unis gefördert. Insgesamt erhielten laut Angaben des Wissenschaftsministeriums in diesem Zeitraum 106 Frauen eine Professur. Mit dem Förderprogramm soll eine Anhebung des Professorinnenanteils von 2005 bis 2010 auf rund 26 Prozent erreicht werden. Dafür wäre eine Berufung weiterer 200 Professorinnen notwendig, hieß es. 2007 waren von den insgesamt 2.210 Professoren an den Unis 349 Frauen, das entspricht einem Anteil von 15.8 Prozent. (APA)

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