Semmering im Sommer: Lifting für die Landschaft

    12. Juni 2009, 17:50
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    Ohne jede Aufstiegshilfe auf blühenden Pisten von Maria Schutz zum schönen Sonnwendstein

    Seit der Einstellung und Demontage des Sessellifts in Maria Schutz ist der Sonnwendstein wieder zu einem sehr lohnenden Wanderziel geworden. Zwar herrscht im Gipfelbereich nicht gerade Einsamkeit, der große Trubel jedoch ist verschwunden. Und die Aussicht von der Terrasse der kleinen Kirche auf dem höchsten Punkt erweist sich nach wie vor als beeindruckend. Bei guten Verhältnissen reicht die Sicht vom Neusiedlersee bis nach Wien und zu den Eisenerzer Alpen. Eisenbahnfans schätzen am Sonnwendstein den Blick über die Semmeringbahn, die sich fast bis Neunkirchen beobachten lässt.

    Da mit dem Sessellift auch alle anderen Aufstiegshilfen für die Skifahrer verschwunden sind, ergreift die Natur wieder langsam Besitz von den Pisten. Die „Entliftung" bringt die Runzeln der Landschaft zum Verschwinden; fast so wie ein Lifting die Falten im Gesicht eines Menschen.
    Über den Semmering verläuft die Grenze zwischen Zentral- und den nördlichen Kalkalpen, also zwischen Silikatgestein und Kalk. Daraus resultiert eine besondere Vielfalt der Pflanzenwelt. Auf dem Erzkogel baute man vor zwei Jahrhunderten Eisenerz ab, was immer noch Mineraliensammler anlockt. Nahe dem Kummerbauerstadl gab es ein Schwerspat-Bergwerk.
    Abseits der stärker frequentierten Route, die vom Hirschenkogel auf den Berg führt, trifft man nur wenige Wanderer an. Das liegt nicht zuletzt an einem beachtlichen Höhenunterschied auf diesen anderen Wegen.

    Die Route: Von der ehemaligen Talstation der Sesselbahn in Maria Schutz führt die rote Markierung in Richtung Semmering. Bei Erreichen einer Forststraße, die als Loipe ausgeschildert ist, hält man sich links und zweigt gleich darauf nach rechts auf eine blaue Markierung - den Almsteig - ab, die zur Pollereshütte und zum Gipfel führt. Gehzeit 2½ Stunden.

    Nun folgt man nach Süden der roten Markierung, am Hang des Erzkogels geht es zur Bergrettungshütte in einem Sattel. Dort wechselt man auf den gelb markierten Weinweg, auf dem man zum Kummerbauerstadl gelangt. Ab Pollereshütte 1½ Stunden. Blau markiert ist der Weg am Hang des Kleinen Otter zur Schanzkapelle, man hält sich nach links auf eine rote, wenig später auf eine grüne Markierung, die zum Ausgangspunkt führt. Ab Kummerbauerstadl 2 h.
    Die Tour lässt sich beträchtlich verkürzen, wenn man vom Weinweg bei einer Gabelung mit drei Kreuzen nach links auf eine Forststraße - im Winter Loipe - abzweigt, die in Maria Schutz endet. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/13./14.6.2009)

    Gesamtgehzeit 6 bzw. 4¾ Stunden, Höhendifferenz 900 bzw. 800 m. Pollereshütte (durchgehend offen), Kummerbauerstadl (Montag Ruhetag). ÖK25V Blatt 4212-Ost (Gloggnitz); Freytag & Berndt Atlas Wiener Hausberge, Maßstab 1:50.000.

    • Der Alltar der Wallfahrtskirche Maria Schutz.
      foto: österreich werbung/panagl

      Der Alltar der Wallfahrtskirche Maria Schutz.

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