Petrol-Vorstand geht

9. Juni 2009, 10:01
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Fast der gesamte Vorstand des börsennotierten slowenischen Ölkonzerns ist vorzeitig zurückgetreten

Ljubljana - Der gesamte Vorstand des börsennotierten slowenischen Ölkonzerns Petrol, mit Ausnahme des Arbeitsdirektors, ist am Montag vorzeitig zurückgetreten. Vorstandschef Marko Kryzanowski und drei weitere Vorstandsmitglieder haben "mit dem Aufsichtsrat die Beendigung ihres Mandats vereinbart", wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte. Der Vorstand war im Dezember 2005 bestellt worden.

Bis zur Ernennung eines neuen Vorstandchefs, aber nicht länger als bis Ende August, wird die zurückgetretene bisherige Finanzchefin Alenka Vrhovnik Tezak die Führung des Konzerns übernehmen. Auch der für Energetik zuständige Vorstand, Bostjan Napast, bleibt vorübergehend im Vorstand, da dieser laut Statut drei Mitglieder haben muss.

Rücktrittsgründe wurden offiziell nicht genannt. Medienberichten zufolge wurde aber dem Vorstand die verfehlte Investition in den nun insolventen Mischkonzern Istrabenz zum Verhängnis, die das Geschäftsergebnis von Petrol drückte. Der Aufsichtsrat hätte deswegen auf einen Führungswechsel gedrängt und den Vorstandsmitgliedern die Wahl zwischen einem Rücktritt oder einer Abberufung gelassen.

Wert des Istrabenz-Anteils schrumpft

Petrol hatte 2007 für knapp 33 Prozent der Anteile an Istrabenz rund 186 Mio. Euro bezahlt. Heute ist der Anteil nur noch 19 Mio. Euro wert, wie die Tageszeitung "Dnevnik" berichtete. Die Abwertungen der Beteiligung an Istrabenz haben den Gewinn von Petrol schwinden lassen. So hatte das Unternehmen 2008 erstmals in seiner Geschichte einen Verlust in der Höhe von 54,8 Mio. Euro verbucht. Der Verlust im ersten Quartal 2009 betrug 5,6 Mio. Euro.

Kurz vor dem Rücktritt haben sich in der Öffentlichkeit Gerüchte verbreitet, dass der russische Energieriese Gazprom an einer Übernahme von Petrol interessiert sei. Wie die Tageszeitung "Delo" am Wochenende mit Berufung auf inoffizielle Quellen berichtete, sei Petrol für die Russen ein interessantes Übernahmeziel geworden, nachdem infolge der Abschwächung des Börsenmarktes seine Marktkapitalisierung auf 570 Mio. Euro gefallen war.

Kenner der Branche bezweifeln jedoch, dass die Gerüchte stimmen könnten. Beobachter behaupten, Kryzanowski hätte sie selbst verbreitet, um sich wegen angeblich guter Beziehungen zu den Russen den Verbleib im Vorstand zu sichern, so "Dnevnik". Bis dato hätte niemand bei der slowenischen Regierung sein Interesse an Petrol offiziell geäußert. Fraglich sei auch, ob die Regierung einem Verkauf bei so einem niedrigen Marktwert zustimmen würde, berichtete die Zeitung. Der slowenische Staat hat ein Vetorecht beim Verkauf von mehr als 25 Prozent an Petrol. (APA)

 

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