USA fordern Begnadigung verurteilter Reporterinnen

9. Juni 2009, 08:44
70 Postings

Familien von US-Journalistinnen bitten Nordkorea um Gnade - Weißes Haus fordert Freilassung von Reporterinnen

Washington/Seoul - Die USA haben eine Begnadigung der beiden in Nordkorea zu langjähriger Lagerhaft verurteilten US-Journalistinnen Euna Lee und Laura Ling gefordert. Sie hoffe, dass Nordkorea die Reporterinnen begnadigen und ausreisen lassen werde, sagte US-Außenministerin Hillary Clinton am Montag (Ortszeit) in Washington. Auch Präsident Barack Obama versuche "auf allen möglichen Wegen" die Freilassung der Reporterinnen zu erwirken.

Die USA warnten das kommunistisch regierte Land davor, Lee und Ling als Faustpfand für politische Zugeständnisse zu missbrauchen. Der Fall der beiden Journalistinnen sei eine "humanitäre Angelegenheit", sagte die US-Chefdiplomatin. Er müsse unabhängig von der Diskussion im UN-Sicherheitsrat über eine Reaktion auf Nordkoreas jüngste Atomtests im Mai behandelt werden. "Wir betrachten dies als getrennte Angelegenheiten."

Auch Präsidentensprecher Robert Gibbs hatte zuvor die Auffassung der USA bekräftigt, dass die Frauen unschuldig seien und sofort freigelassen werden müssten. Auch er bezeichnete die Angelegenheit als "rein humanitär".

Illegaler Grenzübertritt

Lee und Ling waren am Montag wegen illegalen Grenzübertritts und "feindlicher Akte" zu zwölf Jahren "Umerziehung durch Arbeit" verurteilt worden. Die beiden US-Journalistinnen waren Mitte März am Tumen-Fluss festgenommen worden, der die Grenze zum benachbarten China bildet. Im Auftrag eines kalifornischen Fernsehsenders arbeiteten sie an einer Reportage über Nordkoreaner, die über den Tumen nach China flüchten.

Die Familien der Frauen erklärten, sie seien "schockiert und niedergeschmettert" wegen der harten Strafen. "Wir sind sehr besorgt um ihren Zustand und ihr Wohlergehen", hieß es in der ersten öffentlichen Erklärung der Angehörigen seit Verkündung des Urteils. Sie baten Pjöngjang um Gnade und darum, dass Lee und Ling "zu ihren Familien heimkehren können". "Die drei Monate, die sie bereits in Haft ohne Kommunikation mit ihren Familien verbracht haben, sind lang genug." Beide Journalistinnen sind verheiratet, Lee hat eine vierjährige Tochter. Im Arbeitslager droht ihnen laut einem Bericht des US-Außenministeriums über die Bedingungen in nordkoreanischen Haftanstalten eine harte und "lebensbedrohliche" Behandlung.

Ein Experte für nordkoreanisches Recht an der südkoreanischen Kyungnam-Universität riet den USA zu einem "schnellen Handeln" in der Angelegenheit. Nach koreanischem Gesetz müssen die Verurteilten innerhalb von zehn Tagen ins Gefängnis. "Es wäre besser, wenn die USA etwas für ihre Freilassung tun würden, bevor sie im Gefängnis sind", sagte Choi Eun-Suk der Nachrichtenagentur AFP.

Andere Experten glauben indes nicht, dass Lee und Ling in eines der harten Arbeitslager Nordkoreas gebracht würden. Nordkorea offenbare nicht gern die dort herrschenden Haftbedingungen, sagte der Nordkorea-Kritiker Park Sang-Hak.  (APA/AFP)

Share if you care.