Deutsche Ausfuhren mit historischem Einbruch

9. Juni 2009, 08:31
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Der Wert der Exporte verminderte sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 28,7 Prozent auf 63,8 Milliarden Euro

Berlin - Herber Rückschlag für Exportweltmeister Deutschland: Statt der erwarteten Frühjahrsbelebung brachte der April den stärksten Exporteinbruch seit Bestehen der Bundesrepublik. Die Unternehmen verkauften Waren im Wert von 63,8 Mrd. Euro ins Ausland und damit 28,7 Prozent weniger als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. "Der Rekordeinbruch zeigt deutlich, dass der wirtschaftliche Abschwung sich zunächst fortsetzt", sagte der Präsident des Exportverbandes BGA, Anton Börner. Der Tiefpunkt sei damit aber wohl erreicht.

Tahlsohle erreicht

"Es mehren sich erste zarte Anzeichen, dass die Talsohle erreicht sein könnte", sagte Börner mit Blick auf die Exportaufträge der Industrie. Die Aufträge waren im März erstmals seit einem halben Jahr gestiegen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht ebenfalls bessere Zeiten aufziehen. "Die Exporte werden sich in den kommenden Wochen und Monaten fangen", sagte DIHK-Außenhandelschef Axel Nitschke.

Im Handel mit China und anderen asiatischen Ländern sei dies bereits der Fall. Auch die Nachfrage aus den Euro-Ländern - in die knapp die Hälfte der deutschen Exporte gehen - werde sich erholen. "Die historisch niedrigen Leitzinsen und die vielen Konjunkturprogramme werden wirken."

Das schlechte Ergebnis im April ist Folge der weltweit schwachen Nachfrage: In allen wichtigen Regionen - Euroländer, EU-Staaten und Übersee - sank der Export um mehr als ein Viertel. Allerdings trugen auch statistische Effekte zum Rekordminus bei. Die Osterfeiertage fielen diesmal auf den April und nicht wie 2008 auf März, so dass der Monat zwei Arbeitstage weniger zählte. Auch der starke Vergleichswert spielte eine Rolle: Im April 2008 hatte der Exportumsatz mit 89,5 Mrd. Euro den höchsten Wert seit 1950 erreicht.

Herber Rückschlag

Auch im Vergleich zum Vormonat sanken die Ausfuhren mit 4,8 Prozent unerwartet deutlich. Experten hatten lediglich mit einem kalender- und saisonbereinigten Minus von 0,1 Prozent gerechnet. Im März hatte es mit 0,3 Prozent noch den ersten Zuwachs seit September 2008 gegeben, als wegen der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers der Welthandel kollabierte. "Das ist ein herber Rückschlag", sagte DekaBank-Analyst Andreas Scheuerle. Da sich die Weltwirtschaft aber wieder gefangen habe, könne der Außenhandel schon im zweiten Halbjahr wieder zu einer Konjunkturstütze werden.

Von Jänner bis April gingen die Exporte um 23 Prozent zurück. Wegen der weltweiten Nachfrageflaute rechnet der Exportverband BGA für 2009 mit einem Minus von bis zu 15 Prozent. Es wäre der erste Rückgang seit 1993 und der größte seit Gründung der Bundesrepublik.

Die Einfuhren sanken im April um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Experten hatten ein Plus von 0,2 Prozent vorhergesagt. Insgesamt wurden Waren im Wert von 54,4 Mrd. Euro importiert. Das waren 22,9 Prozent weniger als im April 2008. (APA/Reuters)

 

 

 

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