Die Mühle der Verweigerer

8. Juni 2009, 21:29
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Drei Geschwister in einem südböhmischen Dorf versagten dem Regime und der modernen Zeit die Gefolgschaft

Hoslovice - Hinter Strakonice geht's hügelauf, hügelab in den Böhmerwald. Hühner laufen über die Straße, und unterhalb des Dorfes Hoslovice liegt eine Mühle. Die Dächer mit Roggenstroh gedeckt, Böhmerwaldschafe auf der Wiese, Geranien im Fenster. Eine ländlich museale Idylle. Erstmals wird die Mühle 1352 genannt, und an der Technologie hat sich seit dem Mittelalter nichts Wesentliches geändert. Hier lebten die Geschwister František, Anna und Karel Harant.

"Die Müllerssöhne waren lustigen Leute und auf jedem Kirtag dabei" , hieß es im Hoslovice. Nach dem Krieg schien alles anderes. Die Geschwister blieben in der Mühle und verweigerten sich dem kommunistischen Regime und der Zeit. Als ihnen nahegelegt wurde, sich bei der landwirtschaftlichen Genossenschaft anzumelden und die Felder zu verkaufen, begann ein Kampf, der mit der Entmündigung der Brüder František und Karel endete. Die Brüder wurden zu zwei Jahren Wehrdienst eingezogen. Sie verkauften auch danach nicht. 1957 zog die Genossenschaft den Besitz ein, überließ den Brüdern aber im stillen Übereinkommen Felder zur Bewirtschaftung.

Elektrizität, Krankenversicherung, Telefon, Maschinen, das Jahr 1968 - alles ging an ihnen vorbei. Anna war gelernte Schneiderin. Ihre Nähmaschine steht in der Schlafkammer. Sie nahm Aufträge an, ließ aber niemanden ins Haus. Über den Gartenzaun tauschten sie Salz, Stoffe und Lampenöl. Mehr wollten sie von der Welt nicht.

Ein Foto aus den 1980ern zeigt die Harants, wie sie mit der Kuh das Getreide einbringen. Schafe, Schweine, Hühner und die Mühle ernährten sie. 1983 starb Anna. Erstmals war ein Arzt im Haus. Als Letzter starb Karel 2004. Er wurde 87. Die staatliche Rente hatte er nicht angenommen. Ein Neffe steckte ihm manchmal etwas zu.

Als der Südböhmische Kreis die Mühle erwarb, war sie heruntergekommen. Sie wurde mit alten Materialen instand gesetzt, die Möbel wurden belassen. Trotzdem erinnert nichts an das Leben der Geschwister Harant. Keine Briefe, keine Fotografien. Keine Protokolle des Nationalausschusses, der Polizei oder des Entmündigungsverfahrens. "Wir wollen aus Respekt gegenüber der Familie das Leben von František, Anna und Karel nicht zur Schau stellen" , sagt Museumsdirektor Miroslav Špecián. Trotzdem sehen die meisten tschechischen Besucher die Familie Harant als passive Widerstandkämpfer in einem politischen Kontext.

Die Dorfgemeinschaft Hoslovice ist gespalten. Einerseits gab es Sympathie für die Mühlenbewohner, andererseits basierte das Entmündigungsverfahren auf Angaben von Dorfbewohnern. (Mella Waldstein/DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2009)

 

Støedovrký vodni mlýn, Hoslovice bei Strakonice; geöffnet April bis Oktober, Tel. 00420/383 321 537.

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    foto: waldstein

     Die originalgetreu restaurierte Mühle der Geschwister Harant im südböhmischen Hoslovice

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