Nach Finanzdebakel neue Innsbrucker Regierung

8. Juni 2009, 20:50
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Platzgummer weg, Oppitz-Plörer Vizebürgermeisterin

Innsbruck - Auffällig kurz - lediglich eine Stunde - dauerte die Sondersitzung des Innsbrucker Gemeinderates Montagfrüh im Innsbrucker Rathaus. Nach dem überraschenden Rücktritt von Vizebürgermeister Christoph Platzgummer (Liste Für Innsbruck) wurde seine Nachfolgerin Christine Oppitz-Plörer angelobt. Platzgummer hatte am 22. Mai die politische Verantwortung für ein Millionenloch in der EURO-Kassa übernommen und sein Amt als Vizebürgermeister zur Verfügung gestellt. Nach Bekanntwerden des 950.000-Euro-Minus in den Innsbrucker EURO-Fanzonen hatte Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP) eine Prüfung angekündigt. Nach Durchsicht der Abrechnung sprach sie von "Unprofessionalität" und kündigte eine Aufklärung rund um die EURO-Finanzen noch vor dem Sommer an.

Kühle Verabschiedung

Die Verabschiedung Platzgummers im Gemeinderat durch Bürgermeisterin Hilde Zach (Liste Für Innsbruck) fiel kurz und knapp aus. Zach "bedauerte" den Rücktritt Platzgummers, dieser stehe der Stadt aber auch weiterhin als Jurist zur Verfügung. Applaus für Platzgummers politische Karriere gab es keinen, nicht einmal aus den eigenen Reihen.

"Das war eher ein Nachruf als eine Würdigung", meinte etwa der grüne Gemeinderat Martin Hof. Immerhin galt Platzgummer als Zachs "Kronprinz" und "Erbe" des Bürgermeistersessels bei der Gemeinderatswahl 2012. Zachs knappe Worte könnten ein Statement gewesen sein, dass sie schon seit längerem über Platzgummer als Vizebürgermeister enttäuscht sei. Die EURO-Misere allein könne es nicht gewesen sein, denn für das Fanzonen-Finanzloch hätten eigentlich Michael Bielowski, Geschäftsführer von Olympia World und Martin Schnitzer, Chef des EURO-Vereins, geradestehen müssen. Die Grünen erwarten sich einen politischen "Ruck in die Mitte". Platzgummers Law-and-Order-Politik hätte in der Stadt einiges verhindert: So sei ein geplanter Sicherheitsgipfel zur Nordafrikanerszene einfach in der "Schublade verschwunden". Eingeladen worden wären alle involvierten Stellen, also auch Sozialarbeiter und Vereine, nicht nur Polizei - das war Platzgummer "zu sozial". (Verena Langegger, DER STANDARD-Printausgabe, 9.6.2009)

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