Martins großer Erfolg dank des Kleinformats

8. Juni 2009, 20:08
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Mit tatkräftiger Unterstützung von Hans Dichand sicherte sich HPM den Wahlsieg - Nun hofft der Kritiker des Lissabonner Vertrages auf einen weiteren Sitz im EU-Parlament - wenn das neue Regelwerk in Kraft tritt

Die "Kronen Zeitung" erklärt sich den Wahlerfolg ihres Dauerkolumnisten und Darlings in Brüssel so: "Das Volk - das hat die Wahl gezeigt - ist Wendehälsen nicht geneigt", dichtete Wolf Martin am Montag auf Seite 4 des Kleinformats, und weiter: "will sich nicht vertreten lassen / von Apparatschiks, feigen, blassen. / Es will die Tat, es stärkt den Mut. / Drum findet's H.-P. Martin gut."

Knappe 18 Prozent, vier Prozent mehr als beim Urnengang 2004, räumte Hans-Peter Martin mit seinen altbekannten Attacken gegen Bürokratie und Privilegien in der Union am Sonntag ab - und ließ damit sogar die FPÖ alt aussehen.

Wie kommt es, dass der unbequeme Vorarlberger zwar bei EU-Wahlen reüssiert - aber ihm zu Hause kaum Chancen auf ernstzunehmende Wahlerfolge eingeräumt werden? Zur Erinnerung: Vor drei Jahren, 2006, ist HPM bei der Nationalratswahl angetreten - und fuhr ein sehr mageres Ergebnis ein. Mit 2,8 Prozent der Stimmen scheiterte er damals grandios an der Vier-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament.

Der Politologe Peter Filzmaier macht im aktuellen Wahlsieg des EU-Schrecks Parallelen zu anderen Einzelphänomen in Österreich aus: Bei der letzten Landtagswahl räumte der Tiroler Ex-ÖVPler und Arbeiterkämmerer Fritz Dinkauser etwa mehr als 18 Prozent ab, im vergangenen Herbst verpasste der selbsternannte Volkstribun dann jedoch bei der Nationalratswahl - ebenso wie einst Martin - den Einzug ins Hohe Haus. Und auch Ernest Kaltenegger führte die Kommunisten in Graz 2003 mit seiner Wohnpolitik sogar zu mehr als 20 Prozent, doch in der Bundeshauptstadt ließe sich Derartiges wohl kaum wiederholen.

Ob Martin, Dinkhauser, Kaltenegger: Allen dreien ist und war gemeinsam, dass sie "ein klares Thema sowie große Medienpräsenz hatten", analysiert Filzmaier, "und damit konnten sie auch Geld- und Strukturprobleme ihrer Kleinparteien ausgleichen". Der streitbarste aller EU-Mandatare brachte es in der "Krone" übrigens auf 121 Nennungen seit 1. Mai, dazu erfreute Martin sich über Vorabdrucke seines Buchs "Die Europafalle" als Kostenlos-Propaganda. Zum Vergleich: Kanzler Werner Faymann (SPÖ), bei Herausgeber Hans Dichand ebenfalls gut angeschrieben, kam nur auf 59 Nennungen.

Viertes Mandat möglich

Martin greift nach seinem Wahlgewinn jedenfalls schon nach den nächsten EU-Sternen: "Wenn der Vertrag von Lissabon in Kraft tritt, haben wir Chancen auf ein viertes Mandat", erklärt er dem STANDARD hocherfreut - und das, obwohl er eigentlich stets als Skeptiker des Vertragswerkes aufgetreten ist. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD-Printausgabe, 9.6.2009)

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    Foto: Oczeret, APA

    EU-Wahlgewinner Hans-Peter Martin hat gut lachen: Geld- und Strukturprobleme seiner Liste glich er mit Omnipräsenz in der "Krone" aus. 70 Prozent seiner Wähler lesen regelmäßig das Boulevardblatt.

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