Sieg für Hinterbliebene des Anschlags von Omagh

8. Juni 2009, 19:21
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In Zivilprozess 1,8 Millionen Euro zugesprochen - Doch keine strafrechtliche Verurteilung der IRA-Dissidenten

London/Belfast - Fast elf Jahre nach dem Bombenanschlag im nordirischen Omagh haben Angehörige der 29 Todesopfer einen Sieg errungen. Ein Zivilgericht in Belfast machte am Montag den Anführer der IRA-Splittergruppe Real IRA (Wahre IRA), Michael McKevitt, für das schwerste Attentat in der Geschichte des Nordirland-Konflikts verantwortlich. Zudem sprach der Richter den Angehörigen eine Millionenentschädigung zu. Der Schuldspruch ist vor allem symbolisch wichtig. Strafrechtlich gibt es keine Konsequenzen für die Verantwortlichen.

Das Gericht hielt es zudem für erwiesen, dass drei andere Männer an der Bluttat beteiligt waren. Bei der Explosion einer von den IRA-Dissidenten gelegten Autobombe waren am 15. August 1998 in der Stadt Omagh 29 Menschen getötet sowie 220 Menschen verletzt worden. Zwölf Angehörigen wurden nun 1,6 Millionen Pfund (1,8 Mio. Euro) zugesprochen.

Acht Jahre Prozess

Der acht Jahre lange und zwei Millionen Pfund teure Zivilprozess gilt als einmalig in der britischen Rechtsgeschichte. Auch Ex-US- Präsident Bill Clinton und andere Prominente hatten die Familien unterstützt. Die Angehörigen wollten auf dem zivilrechtlichen Weg Entschädigung von den Tätern sowie vor allem Gerechtigkeit erlangen. "Wenn das Strafrecht nicht in der Lage ist, jemanden zur Rechenschaft zu ziehen, dann kann das zumindest das Zivilrecht", sagte der Richter.

Bei dem Anschlag wurden 29 Menschen getötet und etwa 250 verletzt. Angehörige von Opfern hatten den Zivilprozess angestrengt, weil der Terrorakt immer noch keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich gezogen hat. Bei einem Strafprozess wird die Beweislast nach britischem Recht wesentlich strenger gehandhabt, so dass es bisher noch zu keiner Anklage kam.

McKevitt wurde 2003 zu 20 Jahren Haft verurteilt, weil er die Wahre IRA anführte - nicht wegen des Omagh-Massakers. Er verbüßt derzeit in Irland seine Gefängnisstrafe. Zu dem Anschlag hatte sich die Wahre IRA bekannt, eine Splittergruppe der katholischen Terrorgruppe IRA. Sie will die Vereinigung der britischen Provinz Nordirland mit der Republik Irland gewaltsam durchsetzen, nachdem die IRA ihre Waffen niedergelegt hatte.

Erst im März hatte sich die Wahre IRA zu einem Attentat auf zwei Soldaten in Nordirland bekannt - dem ersten Terroranschlag in Nordirland seit dem Friedensabkommen 1998 in der Region. In dem Konflikt kamen seit den 60er Jahren mehr als 3500 Menschen ums Leben. Mit dem Anschlag von Omagh wollten die IRA-Dissidenten seinerzeit den Friedensprozess zu Fall bringen, der 1998 mit dem Karfreitagsabkommen über eine Allparteienregierung in der britischen Provinz eingeleitet worden war.

Die Angehörigen der Opfer begrüßten die Entscheidung von Richter Declan Morgan, weil damit zumindest der erste Schritt zur Gerechtigkeit getan worden sei. Sie bezweifelten allerdings, dass sie die ihnen zugesprochene Entschädigung jemals erhalten würden, da von den Angeklagten wohl kaum so viel Geld zu holen sei. Für den Prozess sind Kosten von rund zwei Millionen Pfund aufgelaufen. Hierfür erhielten die Kläger unter anderem Unterstützung von der Zeitung "Daily Mail" sowie dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton. (APA/dpa/AP)

 

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