Der Zeitpunkt wäre falsch

8. Juni 2009, 19:08
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Zurzeit hätte Österreich mit seiner Nähe zu den neuen EU-Staaten einen starken Druck auf die Arbeitsplätze auszuhalten - Von Johanna Ruzicka

Jedem, der sich mit Arbeitsmarktpolitik ein bisschen beschäftigt hat, muss ein Stein vom Herzen fallen: An der Haltung Österreichs, ausländischen Beschäftigten aus den neuen EU-Ländern keinen automatischen freien Zugang zum Arbeitsmarkt zu gewähren, wird nicht gerüttelt.

Ja, diese Haltung ist unsozial und uneuropäisch. Ja, die Wirtschaftskrise hat die ärmeren Nachbarn ungleich stärker in Mitleidenschaft gezogen als das reiche Österreich. Angesichts der regelmäßigen Horrormeldungen zur Arbeitsmarktsituation in Österreich führt jedoch kein Weg daran vorbei, dass mit der sogenannten Arbeitnehmerfreizügigkeit so lange zugewartet wird wie irgend möglich. Für eine Arbeitsmarktöffnung ist derzeit der denkbar schlechteste Zeitpunkt.

Der Verdrängungsmechanismus, der automatisch eintritt, wenn Jobgrenzen geöffnet werden, war in den alten Mitgliedstaaten genau zu beobachten. Und das, obwohl diese Öffnungen in Zeiten passierten, als das Wirtschaftsklima gut bis sehr gut war und der Arbeitsmarkt sich entsprechend aufnahmefähig zeigte. Zurzeit hätte Österreich, mit seiner Nähe zu den neuen EU-Staaten und mit seinen langen Grenzen zum Osten, jedoch einen starken Druck auf die Arbeitsplätze auszuhalten. Arbeitsplätze, die ohnehin wacklig sind. Der Druck auf die Löhne würde sich weiter erhöhen.

Die EU-feindliche oder EU-skeptische Haltung in weiten Kreisen der heimischen Bevölkerung würde mit einer Arbeitsmarktöffnung zum derzeitigen Zeitpunkt weiter Nahrung erhalten. Die Kommission dürfte dies erkannt haben.(Johanna Ruzicka, <!-- /* Style Definitions */ p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal {mso-style-parent:""; margin:0cm; margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:widow-orphan; font-size:12.0pt; font-family:"Times New Roman"; mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 {size:612.0pt 792.0pt; margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; mso-header-margin:36.0pt; mso-footer-margin:36.0pt; mso-paper-source:0;} div.Section1 {page:Section1;} --> DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.6.2009)

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