Merkel spürt Rückenwind für die Bundestagswahl

8. Juni 2009, 19:03
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Kanzlerin strebt Koalition mit FDP an

Eine gewisse Häme kann sich Angela Merkel nicht verkneifen: "Der Abstand zur SPD ist sensationell deutlich", erklärt die deutsche Kanzlerin am Montag mit feinem Lächeln. Ganze 17 Punkte konnte die Union besser abschneiden, wenngleich auch sie verlor.

Doch dank der FDP-Gewinne ging jene Rechnung auf, die Merkel so gerne anstellt: Eine bürgerliche Mehrheit steht. Allerdings nützt das Merkel bei der EU-Wahl nichts, da ist "Schwarz-Gelb" eine rein rechnerische Komponente. Dennoch sieht die Kanzlerin einen "Trend" für die Bundestagswahl am 27. September. Danach will sie ja die ungeliebte große Koalition aufgeben und mit FDP-Chef Guido Westerwelle regieren.

SPD sieht keinen Vorentscheid

Die SPD hingegen will aus der EU-Wahl, die ihr das schlechteste Ergebnis überhaupt brachte, nichts herauslesen. "Das ist keine Vorentscheidung" , sagt SPD-Chef Franz Müntefering. Eine Änderung der Wahlkampfstrategie ist auch nicht geplant. Außenminister Frank-Walter Steinmeier soll Kanzlerkandidat bleiben - auch wenn das Murren in der SPD immer lauter wird, dass er nicht das Zeug zum Merkel-Herausforderer hat.

Und die SPD will sich weiterhin für Staatshilfen für marode Unternehmen einsetzen. Wenn der Verlust zehntausender Jobs drohe, dann könne man das nicht einfach "gefühllos" hinnehmen, sagt Müntefering. Doch genau diese Einstellung - der Staat hilft strauchelnden Firmen - hat der SPD nach einer Wähleranalyse von Infratest Dimap geschadet. Die Mehrheit der Deutschen ist wie CDU/CSU (insbesondere der junge Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg / CSU) überzeugt, dass dieser Eingriff in den Markt falsch ist. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2009)

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