EU-Wahl International

Jeder Zehnte gehört zum rechten Rand

8. Juni 2009, 18:42

Sie wettern gegen Roma und Muslime, hetzen gegen Migranten oder nutzen antisemitische Symbolik: Rechtsextreme Parteien haben zugelegt

Verluste erlitten die Rechten in Frankreich.

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Im neuen EU-Parlament werden extreme Rechts-Parteien weit stärker als bisher vertreten sein. In den Niederlanden wie in Ungarn, Finnland und Großbritannien erzielten sie massive Zugewinne. Rechtsextreme Parteien stellen gemeinsam mit EU-Gegnern künftig fast zehn Prozent der Abgeordneten.

Der größte Einzelgewinn im Norden gelang mit einem Sprung von 0,5 auf 9,3 Prozent den rechtspopulistischen "Wahren Finnen" des charismatischen katholischen Konvertiten - eine Rarität im lutherisch-atheistischen Finnland - Timo Soini. Der 47-Jährige war mit rund 130.000 Einzelstimmen auch der unbestrittene "Stimmenkönig" der finnischen EU-Wähler. In Dänemark gewann die notorisch einwanderungsfeindliche Dänische Volkspartei vor allem dank des bereits wegen einer rassistischen Aussage verurteilten und wegen des angeblichen öffentlichen Absingen des Deutschlandliedes aufgefallenen 28-jährigen Morten Messerschmidt stark dazu. Die DVP hat ihr Ergebnis mit 15,9 Prozent der Stimmen mehr als verdoppelt. In Schweden schrammten die rechtsextremen Sverigedemokraterna mit 3,3 Prozent relativ knapp an einer weiteren Sensation vorbei. Im einwandererreichen Südschweden - vor allem in der Region Schonen (Skane) - schafften die Extremisten allerdings mitunter bis zu zehn Prozent.

In Großbritannien gelang der rechtsextreme British National Party (BNP) erstmals der Einzug ins Europaparlament. Die BNP macht gegen Immigranten und Muslime mobil, tritt unter anderem für die "freiwillige" Repatriierung dunkelhäutiger Briten ein. Im Europaparlament sitzen künftig zwei Abgeordnete für die BNP. Die europaskeptische UKIP, die aus der EU austreten will, überholte sogar die Labour. Das gilt etwa für die Niederlande. Dort wurde die Partei des Rechtspopulisten Geert Wilders mit ihren islamfeindlichen Parolen aus dem Stand zweitstärkste Kraft und erzielte knapp 17 Prozent.

Eine Schlappe musste hingegen die rechtsextreme Front National hinnehmen, sie verliert vier ihrer Sitze und hält nunmehr bei drei Mandaten.

In Mittel- und Osteuropa ist das Bild gespalten: Weit rechts gerückt ist Ungarn. Die Jobbik, die Partei hinter der Ungarischen Garde, die mit antisemitischen Parolen Wahlkampf machte und gegen Roma wetterte, kam auf 14,8 Prozent der Stimmen, erhielt drei Mandate und liegt damit nur knapp hinter den Sozialisten. Die romafeindliche Slowakische Nationalpartei von Ján Slota errang zwar auch einen Sitz, blieb damit aber unter den Erwartungen. Aufwind brachten die Wahlen für die nationalistische Groß-Rumänienpartei (PRM). Nachdem die PRM bei den Parlamentswahlen 2008 die Fünf-Prozent-Hürde verpasst hatte, erhielt sie nun überraschend 8,6 Prozent der Stimmen. Für die PRM zieht der Inhaber des Fußballclubs Steaua Bukarest, Gigi Becali, ins EU-Parlament ein. (jk, sbo, szi, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2009)

Kommentar posten
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1 2 3 4 5 6
Unzeit-gemäß
01
Ich bin zwar nicht so der ganz große USA-Fan ...

... aber in punto Rassismus, bzw. dessen Überwindung sind die eindeutig weiter als wir. Tatsache ist: die HABEN einen Schwarzen zum Präsidenten gewählt und auch die Republicans würden niemals wagen, dümmliche Hetz-Plakate a la Lega Nord oder FPÖ verbreiten.

Dort gibt es einen gewissen Verfassungspatriotismus, das Konzept der Wahlheimat. Bei uns ist Heimat immer noch eine Frage der Stammeszugehörigkeit und des "Blutes". Was zu viele Europäer nicht begreifen: ethnische "Reinheit" gibt es historisch gesehen nur in unterentwickelten, rückständigen Regionen ...

Harry Meier
 
00
10.6.2009, 07:51
Nicht in Sachen Rassismus sind sie besser sondern

.. bei jeglicher Art von Diskriminierung. Rassistische oder sexistische Äusserungen sind z.b. ein sofortiger Entlassungsgrund.

Most Schedl
11
10 %

...fast so viele wie Moslems.

anders and
 
00
10.6.2009, 08:17

wieviele Moslems leben denn in Europa?

Harry Meier
 
01
10.6.2009, 07:53
Europaweit sinds ca. 4% Moslems und von denen

. sind natürlich noch lange nicht alle Fundamentalisten. Wird wohl im Promillebereich liegen.

Metusalem
 
31
das Erstarken der Rechten...

zeigt deutlich das jaemmerliche Versagen der selbsternannten Demokraten auf. Raffgier und geistiger Tiefflug anstelle von Verantwortung und Selbstbewusstsein. Das ist die Quittung

Harry Meier
 
00
10.6.2009, 07:57
Und sie meinen die rechtextremen Trottln werden .

. solche Probleme in irgendeiner Form lösen können? Da können sie sich auch gleich selbst ins Knie schießen.

tolkien1
79

tja, interessant das rechte Parteien genau dort im Vormarsch sind wo es sehr hohe Zuwanderungsraten gibt! Vielerorts dürfte also nicht mehr das geschürte Feindbild des "Ausländers" alleine das Problem sein, sondern leider auch direkte Kontakte und Erfahrungen!

Weiter sollte es nicht verwundern dass das aggressive Auftreten mancher Muslime(gegen Kritiker und "Karikaturen") in den Niederlanden und Dänemark auch eine Wirkung nach sich zieht!

leider geht in dem ganzen "rechts-geschrei" immer wieder unter, dass es auch durchaus reale Umstände sind auf die sich rechte parteien Stützen und die Verbesserung dieser Umstände wird in den Hintergrund gedrängt!

hurchzua
00
Ausländer raus aus der ganzen Welt???

Unzeit-gemäß
00
Blödsinn

Länder wie Großbritannien und Frankreich (ganz zu schweigen von den USA) haben zeit jeher viel größere Zahlen von Zuwanderern integriert; die Länder Ost- und Südeuropas sind meist nur Durchgangsstationen für die Migrationsströme.

Auch wenn man in die einzelnen Länder hineinguckt immer dasselbe Muster: die fremdenfeindlichen Parteien werden in Kleinstädten gewählt, da wo es WENIGE Zugewanderte gibt, wo man weniger an fremde Gesichter und Sprachen gewöhnt ist.

Das Problem ist also die geistige Verfasstheit der Bevölkerung in bestimmten provienziellen Winkeln Europas.

christoph hofbaur
00

vollkommene zustimmung

anders and
 
22
in Ungarn hohe Zuwanderung,

in Frankreich geringe.

Finnland hat mehr Migranten aufgenommen als Schweden.

Ich verstehe.

tolkien1
01

ja, sie verstehen!

einfach weiter, sowie schon die letzten 35 Jahre, keine Gedanken über Zuwanderung machen und alles löst sich von selber!

maeby
00
die zuwanderung in frankreich lässt sich mit der in anderen europäischen regionen nicht vergleichen,

nicht zuletzt wegen der langen gemeinsamen geschichte (großteils positiv wahrgenommene französische kulturbereicherung in nordafrika und westafrika) und vor allem der tatsache, dass die meisten afrikanischen zuwanderer bereits mehr oder weniger gut französisch können.

auch gibt es in frankreich stärkere bürgerliche migrantenkreise als in den anderen europäischen ländern, die letztlich auch die ungebildeten zuwanderer beeinflussen und so den hasspredigern relativ wenig spielraum lassen. das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es natürlich auch in frankreich trotz allem ein wachsendes problem mit dem radikalen islam gibt und die kopftücher immer zahlreicher werden, wenn auch nicht so aufdringlich zahlreich wie zB in wien.

Unzeit-gemäß
00
10.6.2009, 12:44
Frankreich mag ein Sonderfall sein, aber ...

... weniger was die Art der Einwanderung betrifft, sondern v. a. was die Kultur des Landes betrifft. Es ist ja sozusagen das Heimatland der Aufklärung und des Verfassungspatriotismus. (Es werden z. B. offiziell keine Statistiken nach ethnischen Kategorien aufgesplittet!)

Noch mal: Wenn Rechtspolpulismus und Zuwanderung korrelieren würden, dann müsste es ja in Deutschland mehr Rechtspopulismus geben als in Österreich. Und in Österreich müsste die Hochburg der FPÖ dann ja Wien sein und nicht Kärnten!

christoph hofbaur
24

interessant vorallem, dass der homo sapiens nicht in der lage ist, sich weiterzuentwickeln, anscheinend ein feindbild benoetigt, auf das mit dem finger gezeigt werden kann und auf das die schuld der eigenen inkapazitaeten geschoben werden kann.

Madame Haram
00
Und wie steht`s mit jenen Menschen,

die das Feindbild Westen nicht einmal dann ablegen, nachdem sie in die westliche Welt eingewandert sind?

Wenn Muslime Menschen wie Wilders, Van Gogh, Westergaard oder Hirsi Ali gleich einmal umbringen bzw. mit dem Umbringen bedrohen, weil sie so unglaublich empört darüber sind, wenn jemand Muslimen erhöhte Gewaltbereitschaft attestiert, ist das schon ein Stück weit kabarettreif, finden Sie nicht?

skip it
00
um zu bemerken, dass sich dank der bequemheit...

...der jeweiligen regierungen parallelgesellschaften etablieren, brauch ich net meine eigenen inkapazitaeten zu bemuehen.

was europa braucht, sind strikte, einheitliche einwanderungs-gesetze wie CDN oder die USA.

dann ist man halbwegs sicher, dass die, die hierher auswandern wollen das gerne tun, und nicht ausschließlich aus wirtschaftlichen gruenden.

das ist ja das erfolgsmodell dieser beiden genannten laender: die leut, die dorthin gezogen sind, sind GERNE amis oder kanadier.

DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
00

es wird zeit das es eine neue Spezies auf der erde durchsetzt.

caranx
00
"anscheinend ein feindbild benoetigt"

Andersrum: Er will sich durchaus berechtigt schützen.

Übrigens ist die Formulierung "rechter Rand" eine (typisch österreichische) "Standard"-Formulierung.
Wo anders liest sich das als Euro-Skeptizismus.

Hoinz
 
32
Traurig aber wahr.

Jene Grüne Straßenkatze
15
90%...

...gehören also nicht zum rechten Rand.

Gut. Das ist eine solide Mehrheit, die der Politik die Sicherheit geben kann, an der Behebung der Fehler der vergangenen Jahrzehnte populismusfrei zu arbeiten - also etwa die Gesellschaft wieder fort vom sozialdarwinistischen Neoliberalismus in etwas menschliches umzuwandeln.

haschtrafikant
00

Eigentlich sind es ja noch weit mehr als 90%, wenn man die Nichtwähler mitzählt.

leser_3
00

Wenn nun aber der Großteil (oder zumindest mehr als 50%) der Nichtwähler politisch rechts orientiert sein sollte, dann sind es weniger als 90%

wieso auch nicht
15

Geert Wilders: "My allies are not Le Pen or Haider... We'll never join up with the fascists and Mussolinis of Italy. I'm very afraid of being linked with the wrong rightist fascist groups."

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