EURO für Klagenfurt dreimal teurer als geplant

8. Juni 2009, 18:23
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Die Abrechnung zeigt: Die Fußball-EM 2008 kommt Klagenfurts Bürger teurer zu stehen als erwartet. Finanzstadtrat Albert Gunzer sieht dennoch eine "unschätzbare Umwegrentabilität".

Klagenfurt - "Kärnten und Klagenfurt brauchen die Fußball-EURO 2008." So lautete das Credo der Stadt- und Landespolitiker, allen voran des verstorbenen Landeshauptmanns Jörg Haider und des früheren Bürgermeisters Harald Scheucher (ÖVP). Das Argument der hohen Kosten wurde dabei stets zur Seite gewischt. Jetzt liegt dem Standard nicht nur der Rechnungsabschluss der Stadt Klagenfurt für das Jahr 2008 vor, sondern auch eine Aufstellung der tatsächlichen EURO-2008-Kosten, die der finanziell schwer angeschlagenen Landeshauptstadt nun erhebliche Probleme verursachen dürften.

Finanzstadtrat Albert Gunzer (BZÖ) beziffert die EURO-Kosten für die Stadt gegenüber dem Standard mit 7,4 Millionen Euro. An Einnahmen habe es rund 4 bis 5 Millionen Euro gegeben, sagte Gunzer. Er spricht von einer "unschätzbaren Umwegrentabilität" für Klagenfurt.

Exorbitante Kosten

Doch dabei handelt es sich nur um das reine Euro-Veranstaltungsbudget. Die tatsächlichen Kosten, sind offenbar mehr als dreimal so hoch. Eine Aufstellung der Gesamtkosten ergibt die Summe von rund 25,2 Millionen Euro - das ist mehr als das Dreifache der ursprünglich veranschlagten Kosten von 7,4 Millionen Euro.

Darin ist der Bau des EM-Stadions samt Sportpark noch gar nicht inkludiert. Wie der Standard berichtete, kostete die Wörther- see-Arena, in der drei Vorrundenspiele absolviert wurden, exakt 72,120.000 Euro. Damit war sie letztlich gegenüber dem Voranschlag um 8,242.170 Millionen Euro teurer als geplant. Dennoch produzierte das Klagenfurter Stadion trotz EURO und einigen Bundesligaspielen schon im ersten Jahr einen Abgang von 5,1 Millionen Euro. Dazu kommen exorbitante Kosten für die Ankäufe der Grundstücke, auf denen das Stadion errichtet wurde. Die Stadt erwarb die Grundstücke, die als Sumpfgebiet eigentlich wertlos waren, von drei privaten Eigentümern um 6,2 Millionen Euro. ÖVP, SPÖ und BZÖ gaben ihre Zustimmung per Umlaufbeschluss.

Stadtgartenamt verlegt

Für das EM-Stadion musste auch das Stadtgartenamt verlegt werden. Kostenpunkt: 6,4 Millionen Euro. Straßenbaumaßnahmen für die EURO 08 schlugen mit 1,7 Millionen Euro zu Buche. 4,2 Millionen Euro ließ sich die Stadt die Förderung der Fußball-Akademie kosten. Auch dafür gab es nur einen Umlaufbeschluss.

Weil Stadt und Land nicht nur ein teures Stadion, sondern auch einen Bundesligisten brauchten, der das Stadion später bespielt, wurde Haiders Retortenklub SK Austria, vormals Pasching, nur über satte Förderungen und Darlehen am Leben erhalten. 2008 bekam der SK Austria von der Stadt Klagenfurt weitere 500.000 Euro. Dieser Kredit wurde Ende des Jahres dann endgültig in eine Schenkung umgewandelt. Zudem übernahm die Stadt Klagenfurt Haftungen für den SK Austria über 575.000 Euro. Auch die Sportpark Ges.m.b.H wurde immer wieder großzügig bedacht. Die vereinbarten Trainingsstätten gibt es bis heute noch nicht. Sie werden erst aufgeschüttet.

Die grüne Stadträtin Andrea Wulz zeigt sich entsetzt: "Das ist ein Fass ohne Boden." Die Grünen waren gegen den Neubau des EM-Stadions. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD-Printausgabe, 9.6.2009)

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    Triste Aussichten für die Klagenfurter Steuerzahler. Bis heute weiß niemand genau, wie es mit dem Klagenfurter EM-Stadion weitergehen soll und wie viel die EURO 2008 tatsächlich gekostet hat.

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