Leben oder Exitus

8. Juni 2009, 16:23
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Am Dienstag entscheidet sich die Zukunft der drei Regionalligen - Die Pläne des ÖFB sorgen für Ärger, Missstimmung und teils heftigen Widerstand

Der ÖFB hat große Pläne. Schon am Dienstag soll über die Zukunft der Regionalligen entschieden werden. Geht die Reform durch, so würde es ab der Saison 2010/11 überhaupt keine Regionalligen mehr geben, dafür aber neun Landesligen und eine auf 16 Vereine aufgestockte Erste Liga, in der es einen Fixabsteiger geben würde und der Vorletzte in einer Relegation gegen die besten Drei der in Regionalturnieren ermittelten Landesligameister antreten müsste.

Widerstand

Seit einigen Wochen formt sich jedoch teils heftiger Widerstand von Seiten der Vereine aus Regionalliga Ost, West und Mitte. Es scheint, als würde der ÖFB diese heikle Reform einfach still und leise durchsetzen wollen. "Die Vereine der Bundesliga und Ersten Liga haben zu viel Mitspracherecht und die kleinen Vereine haben praktisch nichts mitzureden. Sie sind auch gar nicht gefragt worden. Wir haben mit allen Klubs der drei Regionalligen gesprochen und alle berichteten dasselbe, nämlich dass es bisher keine Gespräche mit dem ÖFB gegeben hat", berichtet Florian Cerovsek, der Initiator einer Petition zum Erhalt der Regionalligen und der für die Online-Medien von Regionalliga West und Mitte zuständige Webmaster  auf Anfrage von derStandard.at.

Ob die Reform kommen wird, oder doch noch verhindert werden kann, ist laut Cerovsek "schwer einzuschätzen, weil man kaum was gehört hat von Seiten des ÖFB. Aber eigentlich sollte es schon noch zu verhindern sein, weil es in letzter Zeit doch von verschiedenen Medien negative Berichte über die geplante Reform gegeben hat und ich bisher keinen einzigen Foren-Beitrag oder Zeitungsartikel gelesen habe, bei dem die Reform positiv bewertet wird." Stimmberechtigt sind im ÖFB-Präsidium die neun Chefs der Landesverbände sowie drei Bundesliga-Vertreter um Präsident Martin Pucher.

Kluft

Wenn es die Regionalligen nicht mehr geben würde, die sportliche Perspektive des direkten Aufstiegs wegfällt und die Chancen auf einen Aufstieg drastisch vermindert werden, so hätte dies vermutlich enorme wirtschaftliche und sportliche Auswirkungen. Das glaubt auch Cerovsek, der meint, dass die Kluft zwischen Landesliga und Erster Liga viel zu groß sei. "Kein Verein kann sich diesen Sprung leisten. In der Landesliga spielt man mit einem Budget von 100 bis 150.000 Euro, in der Ersten Liga muss man schon mit einem Minimum von einer Million kalkulieren. Eine derartige Budget-Aufstockung ist in so kurzer Zeit fast unmöglich", so Cerovsek, der ergänzt: "Das Risiko ist sehr groß, weil man bei Aufstiegsambitionen sehr viel investieren muss und ja auch nicht weiß, ob man als Meister überhaupt rauf kommt, weil man ja auch noch in der Relegation scheitern kann."

Wettbewerbsverzerrung

Auch das geringe Zuschauerinteresse an den Spielen der Amateurteams der Bundesligisten in der Ersten Liga bereitet Cerovsek Sorgen: "Da steht eine starke Lobby dahinter, da muss sich der ÖFB fügen. Meiner Meinung nach haben die Amateurteams der Bundesligisten in der Ersten Liga nichts zu suchen. Das Zuschauerinteresse ist sowohl bei Heim- als auch bei Auswärtsspielen sehr gering und außerdem ist das ganze wettbewerbsverzerrend, weil auch Bundesligaspieler eingesetzt werden können. Österreich steht mit seiner Vorgehensweise bei der Reform alleine da. Man sieht ganz gut, wie es die anderen Länder machen. Ich verstehe nicht, warum der ÖFB einen eigenen Weg gehen will."

Der größte Widerstand gegen die von ÖFB geplante Reform kommt aus der Ostliga. Etwas weniger Aufregung herrscht im Westen, wo auch eine nur im Frühjahr ausgetragene Regionalliga diskutiert wird. "Es ist schwer zu sagen, ob es so ein Szenario geben kann. Die Öffentlichkeitsarbeit des ÖFB lässt sehr zu wünschen übrig, es dringt kaum eine Information von Seiten des ÖFB nach außen. Und Leidtragende sind die Vereine, die für die nächste Saison planen müssen, aber nicht einmal wissen, wie die Auf- und Abstiegsregelung aussieht", bringt es Cerovsek auf den Punkt.

Resolution ohne Rapid und Mattersburg

In einer Resolution haben sich alle Vereine der Ostliga für den Beibehalt der Liga ausgesprochen. Einzig Rapid und Mattersburg wollten sich nicht öffentlich deklarieren, was für Cerovsek nachvollziehbar ist, weil "diese Vereine oben sind und denen kann es nur recht sein, wenn von unten kaum jemand aufsteigen kann und sie praktisch nicht absteigen können. Ich habe das Gefühl, dass die Bundesligisten unter sich sein wollen und dass es keine größere Konkurrenz mehr geben soll."

Wenn es am Dienstag keinen Beschluss geben sollte, wird die Erste Liga nicht als 16-er-Liga ausgetragen, sondern auf eine Zehnerliga geschrumpft. Cerovsek findet die derzeitige Lösung garnicht allzu schlecht, wenn man davon absieht, dass die Amateure in der Ersten Liga spielen. "Aber wenn ich sehe, dass die Vienna aufsteigt, dass der GAK aufsteigt, dann kommt da durchaus neues Potential in die Erste Liga. Darum müsste man eigentlich gar nicht groß reformieren. Ideal würde ich eine Sechzehnerliga finden, in der es drei Absteiger und mit den Meistern aus den drei Regionalligen drei Aufsteiger gibt", so Cerovsek. Bei einer Sechzehnerliga wären auch weniger Vereine von Abstiegssorgen betroffen und könnten sich daher besser auf das Wesentliche konzentrieren. (Thomas Hirner, Montag, 8. Juni 2009, derStandard.at)

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