Regionalwahlen als Votum für mehr Autonomie

8. Juni 2009, 15:20
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Rechtsextremer Vlaams Belang geschwächt

Brüssel - Bei den Regionalwahlen in Belgien haben sich im niederländischsprachigen Flandern die Parteien durchgesetzt, die eine größere Autonomie von der Zentralregierung fordern. Zusammen erreichten die Parteien, die eine größere Unabhängigkeit von Brüssel befürworten, rund 58,5 Prozent, wie die vorläufigen Ergebnisse des belgischen Innenministeriums vom Montag zeigen. Der rechtsextreme und von anderen Parteien gemiedene Vlaams Belang kam auf etwa 15 Prozent, musste aber gegenüber 2004 Verluste von rund neun Prozentpunkten hinnehmen.

Stärkste flämische Partei wurden mit knapp 23 Prozent die Christdemokraten, die auf föderaler Ebene mit Herman Van Rompuy den Ministerpräsidenten stellt. Die Neue Flämische Allianz errang aus dem Stand rund 13, die ebenfalls erstmals angetretenen Populisten der Liste Dedecker 7,6 Prozent. Gemeinsam sind den Parteien Forderungen nach mehr Autonomie, die bis zur Propagierung der Loslösung Flanderns von dem Königreich gehen. Viele Flamen beklagen, dass sie die wirtschaftlich schwächere Wallonie im Süden zu stützen hätten.

Grüne als große Gewinner

In der französischsprachigen Wallonie konnten sich die Sozialisten vor Liberalen und Zentristen an erster Stelle behaupten. Als großer Gewinner gelten jedoch die Grünen. Sie legten den Angaben zufolge um zehn Punktepunkte auf rund 18,5 Prozent zu. In der zweisprachigen Region Brüssel gewannen sowohl auf frankophoner wie auch auf niederländischsprachiger Seite die Liberalen. Die Sitze im Brüsseler Regionalparlament werden zwischen den Sprachgruppen und dann zwischen deren Parteien aufgeteilt. Große gesamtbelgische Parteien gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr.

In der kleinen deutschsprachigen Gemeinschaft im Osten des Königreichs gewannen wie 2004 die Christsozialen. Die rund 74.000 Deutschsprachigen gehören zwar zur Region Wallonie, genießen ansonsten aber weitgehend dieselben Rechte wie Flamen und Frankophone. Die Regionalwahlen fanden parallel zu den Europawahlen statt. (APA/AFP)

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