Es mangelt an Superlativen

8. Juni 2009, 15:16
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Jenson Button fährt mit Brawn GP in einer eigenen Liga und bedankt sich artig bei seinem Team: "Ihr habt mir ein Monsterauto gebaut"

Istanbul - Die WM ist praktisch entschieden. Sechs von sieben Saisonrennen hat Jenson Button im Wunderauto von Brawn GP bereits gewonnen. Das war vor ihm in der Geschichte der Formel 1 nur vier Piloten gelungen. In der WM führt Button nach seinem Sieg am Sonntag in Istanbul bereits 26 Punkte vor seinem Teamkollegen Rubens Barrichello. Der deutsche Red-Bull-Jungstar Sebastian Vettel liegt bereits 32 Punkte zurück - und das nicht ganz unverschuldet.

Button profitierte von einem Fahrfehler des 21-Jährigen. Es war nicht Vettels erster in dieser Saison gewesen. Schon zum Auftakt in Australien und in Monaco hatte er sichere Punkte weggeschmissen. "Vettel ist noch zu grün für den Titel", meinte die italienische Zeitung "La Gazzetta dello Sport". Doch statt die Schuld bei sich selbst zu suchen, kritisierte Vettel sein Team: "Mit einer Zwei-Stopp-Strategie hätte ich Platz zwei sicher gehabt."

Stattdessen landete Vettel hinter seinem Teamkollegen Mark Webber auf Platz drei. Der Australier hat damit in den vergangenen drei Rennen jeweils besser gepunktet als der zu Saisonbeginn so gepriesene China-Sieger, liegt nur noch 1,5 Punkte hinter ihm. Vettel war im Finish angewiesen worden, Webber nicht mehr zu attackieren. Stallorder wollte Red-Bull-Teamchef Christian Horner keine ausgeben. "Dafür liegen unsere Piloten in der WM viel zu knapp beisammen."

Bei ihrem Heimrennen in zwei Wochen in Silverstone will die österreichisch-englische Equipe zurückschlagen. "Es wird langsam etwas langweilig, wenn Brawn alle Rennen gewinnt", meinte Horner. Der Kurs in England soll dem RB5 entgegenkommen. Das hatte aber schon für Istanbul gegolten. Dennoch war man gegen Button chancenlos. Während Vettel neben die Strecke rutschte, beging der Engländer nicht einen Fehler - das hat er in der ganzen Saison noch nicht gemacht.

"Die totale Dominanz geht weiter"

"Die totale Dominanz geht weiter", schrieb die englische Boulevardzeitung "The Sun". Vor Button hatten lediglich Alberto Ascari (1952), Juan Manuel Fangio (1954), Jim Clark (1965) und Michael Schumacher (2004) sechs von sieben GPs gewonnen. Schumacher war 2004 bereits nach elf Rennen als Weltmeister festgestanden, hatte 12 der ersten 13 WM-Läufe für sich entschieden. Selbst dieser Rekord wird Button zugetraut - zu überlegen läuft sein Brawn GP.

"Dieses Auto ist von einer anderen Welt. Ihr habt mir ein Monsterauto gebaut", bedankte sich der WM-Leader bei seinem Team. "Ich hätte noch 200 Runden weiter fahren können." 58 reichten ihm, um den siebenten Sieg seiner Karriere einzufahren. "Mir gehen langsam die Superlative aus, um diese Saison zu beschreiben", gestand Teamchef Ross Brawn. Auch die Presse tut sich mittlerweile schwer. "Button ist der Schöne in dem Biest", schrieb der "Daily Express". "Button siegt die Formel 1 kaputt", meinte die "Bild".

Ganz anders geht es Lewis Hamilton. Der Titelverteidiger fährt im McLaren-Mercedes weiter hinterher, entging als 13. nur knapp der Überrundung. Beim Engländer macht sich offenbar bereits Frustration breit. "Die anderen werden schneller, wir werden langsamer", sagte der 24-Jährige der BBC. "Wir hätten dieses Auto schon vor langer Zeit verschrotten sollen." Worte, die man aus dem Mund des Weltmeisters noch nicht gehört hat. Auch zu Hause in Silverstone wird Hamilton nur die zweite Geige spielen. Button überstrahlt sie derzeit alle. (APA)

 

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