Strom an der Uni tanken

8. Juni 2009, 15:00
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Aktionstag soll Mitarbeiter und Studierende zum Umsteigen bewegen - Uni schafft Elektrofahrzeuge für den Fuhrpark an, lässt Stromtankstellen errichten und baut eine Photovoltaik-Anlage

Salzburg - Erwachsene Männer in Anzug und Krawatte, die begeistert auf Fahrrädern, Motorrollern und Segways im Kreis fahren - das Bild eines Abenteuerspielplatzes bot am vergangenen Donnerstag der Innenhof der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Salzburg. Die Universität hatte zu ihrem ersten "Elektromobilitätstag" geladen. Mitarbeiter und Studierende hatten die Gelegenheit, sich über elektrisch betriebene Vehikel aller Art zu informieren und sie auch gleich selbst auszuprobieren.

Wunsch und Wirklichkeit

Hintergrund: Laut einer Umfrage der Uni fahren 23 Prozent der 2500 Mitarbeiter und 13 Prozent der 15.000 Studierenden mit Auto oder Motorrad zur Universität. Laut der gleichen Umfrage ist der motorisierte fahrbare Untersatz aber nur für elf Prozent der Mitarbeiter und für zehn Prozent der Studierenden das Verkehrsmittel erster Wahl. Der Politikwissenschaftler Franz Kok bemüht sich seit geraumer Zeit als Mobilitätsbeauftragter der Universität, mehr Uni-Angehörigen die Alternativen schmackhaft zu machen.

Tankstellen für 50 Fahrzeuge

Bis 2015 sollen drei von zehn Auto- und Motorradfahrern auf umweltfreundliche elektrische Antriebe umsteigen, hat sich Kok als Ziel gesetzt; vier von zehn sollen zum Umsteigen auf Öffis, das Fahrrad oder Schusters Rappen motiviert werden. Damit elektromobilen Uni-Angehörigen in Zukunft nicht auf halbem Weg der Saft ausgeht, errichtet die Uni an allen ihren über die Stadt verteilten Standorten Stromtankstellen. In einem ersten Schritt soll die Infrastruktur für 50 Elektrofahrzeuge aufgebaut werden.

Solarzellen liefern den Strom

Für umweltfreundliche Energie soll im Jahr 2010 die Errichtung einer 100-Kilowatt-Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Naturwissenschaftlichen Fakultät sorgen. Dieses Projekt sei zwar "nur durch Förderungen auf den Weg zu bringen", aber "als Universität haben wir schon die Aufgabe, manchmal auch voranzugehen", sagt Kok. Das Christian-Doppler-Labor für Photovoltaikforschung an der Uni Salzburg wird sich an der Errichtung beteiligen.

Auch was den eigenen Fuhrpark betrifft, geht die Universität mit gutem Beispiel voran: "Als erste symbolische Maßnahme" tun ab sofort vier elektrische Fahrräder ihren Dienst in der Uniflotte, sagt Vizerektor Rudolf Mosler. Ein Elektroauto für den internen Postdienst soll folgen.

Salzburg als "Modellregion"

Partner der Universität ist dabei der regionale Energieversorger Salzburg AG, der die Gefährte im Rahmen seines "ElectroDrive"-Pakets zur Verfügung stellt. Bei diesem Modell können Geschäftskunden wie die Uni eine frei wählbare Anzahl von Elektrofahrzeugen, wahlweise mit eigenen Ladestationen, für eine fixe monatliche Rate von mehreren hundert Euro mieten. Stromverbrauch, Versicherungs- und Wartungskosten sind in dem Paket bereits inkludiert. Man wolle die Stadt Salzburg zur "Modellregion" für Elektromobilität machen, sagt Michael Strebl von der Salzburg AG. Bis Jahresende sollen 20 Stromtankstellen in der Stadt entstehen.

US-Motorroller als Star

"Star" unter den ausgestellten Fahrzeugen am Elektromobilitätstag der Uni war ein Motorroller der US-amerikanischen Marke "Vectrix". Bei diesem Modell müsse man "keine Abstriche gegenüber üblichen Rollern" in Kauf nehmen, sagt Sigi Achleitner vom Motorradzentrum Salzburg. Mit 27 PS, einem Drehmoment von 65 Newtonmetern und einer Höchstgeschwindigkeit von 102 Stundenkilometern lasse das Gefährt keine Wünsche mehr offen. Mit einem Gewicht von 210 Kilogramm ist der Elektroroller um 30 Kilo leichter als ein entsprechendes Benzinmodell.

Volltanken um 80 Cent

Die Reichweite des Vectrix liegt je nach Fahrweise zwischen 60 und 100 Kilometern. Spätestens dann muss aufgeladen werden - ein Batteriestand von 80 Prozent ist in zwei Stunden zu erreichen. Für einen voll aufgeladenen Akku muss man dagegen vier Stunden warten. Und auch der Preis schreckt im Moment noch ab: 9900 Euro kostet der Roller im Handel. Dafür zahlt man für eine komplette "Tankfüllung" höchstens 80 Cent, beteuert Achleitner. (Markus Peherstorfer, derStandard.at, 08.06.2009)

  • Roller, Segways, Fahrräder und Autos mit elektrischem Antrieb konnten 
Studierende und Mitarbeiter der Uni Salzburg vergangene Woche testen.
 
    foto: markus peherstorfer

    Roller, Segways, Fahrräder und Autos mit elektrischem Antrieb konnten Studierende und Mitarbeiter der Uni Salzburg vergangene Woche testen.

     

  • Stromtanken ist einfach, dauert aber lang – bis zu vier Stunden Ladezeit 
wollen einkalkuliert sein. Die Uni Salzburg will an allen ihren Standorten 
Stromtankstellen errichten.
 
    foto: markus peherstorfer

    Stromtanken ist einfach, dauert aber lang – bis zu vier Stunden Ladezeit wollen einkalkuliert sein. Die Uni Salzburg will an allen ihren Standorten Stromtankstellen errichten.

     

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