Big Sign: Werbung in X-Large

8. Juni 2009, 17:22
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Ein österreichisches Unternehmen will mit überdimensionalen 3D-Objekten den Werbemarkt aufmischen - Nach dem Vorbild von Las Vegas

"Alles ist möglich, alles ist machbar", sagt Michael Fried. Der 44-Jährige ist Geschäftsführer von Big Sign, einem österreichischen Unternehmen, das sich auf die Herstellung von 3D-Objekten spezialisiert hat. Der Firmenname ist Programm. Die Objekte sind überdimensioniert. Zum Beispiel drei Meter große Kopfhörer oder Autos, die an Hauswänden hängen. Mit dem Ziel, "größtmögliche Aufmerksamkeit zu erregen", schildert Fried. "In erster Linie machen wir alle Arten von Sonderwerbeformen", skizziert er das Portfolio, "aber auch Key Visuals für Museen oder Sachen für Themenparks".

Neue Werbekanäle

Ist Werbung nicht ohnehin omnipräsent und macht sich Big Sign diese Entwicklung zunutze? "Nein", meint Fried im Gespräch mit derStandard.at. Der Trend gehe nicht in Richtung mehr Reklame. Die Werbekanäle würden sich nur verschieben. Die "Alten" wie TV, Radio oder Print verlieren an Bedeutung, neue Medien kommen dazu, prognostiziert er. "Die Budgetmittel werden praktisch stündlich gekürzt." Seine 3D-Elemente wären billigere Formen der Werbung, behauptet er. "Eyecatcher", die vom Überraschungseffekt leben. Die Kosten? Das sei komplett "projektbezogen", so Fried: "Die Bandbreite geht von 500 Euro bis 50.000 Euro pro Stück."

Modell maschinell gefertigt

Die Objekte bestehen aus Styropor. "Absolut detailgetreu und täuschend echt", schwärmt der Gründer. Der Fertigungsprozess läuft so ab: Das Originalobjekt wird eingescannt, die 3D-Daten werden generiert. Mit Hilfe einer speziellen Software werden diese auf die Fräsen übertragen, die den Rohling herstellen. "Dann kommt der Kunde oder die Agentur und sagt, welche Beschichtung sie haben möchten", erklärt er. Die Oberflächen würden von "leicht rau über Lack bis zu Felslandschaften oder Edelmetall" reichen. "Zum Schluss kommen noch die Airbrusher oder die Folienexperten und machen das Objekt fertig", erläutert er.

Wind und Wetter

Limitierungen gebe es keine. "Außer in Richtung Statik und Windlast", räumt er ein. Einer Windgeschwindigkeit bis zu 140 km/h muss das Ding standhalten. Fried: "Durch die spezielle Beschichtung könnten die Exponate jahrelang im Außeneinsatz sein." Die Werbemittel dürfen natürlich nicht überall hingepflanzt werden: "Es gibt einen Genehmigungsprozess, gerade an öffentlichen Standorten." Indoor-Objekte oder "Key Visuals" für Firmenstandorte ließen sich leichter realisieren, so Fried.

"Von Professionisten bis zu Künstlern ist alles dabei", sagt er über seinen Mitarbeiterstab, der momentan rund zehn Leute umfasst. Bildhauer arbeiten neben Lackierern. Der Firmensitz von Big Sign ist in Gerasdorf. Die Produkte entstehen in einer 2.000 Quadratmeter großen Halle. "Wir können auch in der Menge produzieren", meint Fried und erzählt von hunderten überdimensionalen Weihnachtsmännern, die schon jetzt bestellt wurden.

Vorbild USA

Jede Menge Kitsch; und das noch in Übergröße? Nicht von ungefähr hat sich Fried die Inspiration für sein Unternehmen in Übersee geholt: "Ob in Las Vegas oder am Broadway in New York. Da stehen überall überdimensionale Sachen." Das habe man sich zum Vorbild genommen, um das Modell auf dem europäischen Markt zu übertragen. Es scheint zu funktionieren: "Das Geschäft läuft gut, obwohl wir zu einer nicht gerade leichten Zeit gestartet sind", so Fried, der Big Sign gemeinsam mit zwei Partnern gegründet hat.

Gründung Mitte 2008

Das Geschäft existiert seit Mitte 2008, produziert wird seit Oktober. "Wir haben eine Vorlaufzeit von einem Jahr gebraucht", schildert er die Genese. "Wir mussten die richtigen Maschinen suchen und haben uns in Sachen Lackiertechniken schlau gemacht." Mit "wir" meint er Helmut Strasser und Werner Süss, die als Miteigentümer an Bord sind. Später ist noch Martin Wieser dazugekommen.

Branchenkenner

Fried selbst hat seine Wurzeln in der "Internet-, Werbe- und Telekommunikationsbranche". Der 44-jährige Betriebswirt hat sich im Laufe seiner Berufstätigkeit jede Menge Kontakte aufgebaut. Zuletzt war er beim Mobilfunker Orange, damals noch One, als Leiter des Bereichs "Marketing and Sales" tätig. Zuvor werkte er u.a. als CEO von Czech On Line, einem Tochterunternehmen der Telekom Austria. Der gebürtige Oberösterreicher hat außerdem das Online-Aktionshaus OneTwoSold mitgegründet.

Maschinen aus Kanada

"Das Neue" an seinem Geschäftsmodell, meint er, sind nicht die 3D-Objekte per se. "So etwas hat es schon gegeben." Revolutionär sei die dahinter stehende Technologie, das Setting: "Mit dieser Maschinentechnologie, dieser Software und der Größe gibt es das weder in Österreich noch in Zentraleuropa." Die Geräte stammen aus Kanada. "Wir haben für Österreich und für 13 andere Länder einen Exklusivvertrag mit dem Maschinenanbieter", erläutert Fried. Die Internationalisierung soll weiter forciert werden.

Expansionspläne

Von Gerasdorf aus will Big Sign Resteuropa erobern: "Wir machen jetzt schon viel in der Schweiz, Deutschland und Rumänien." Gute Chancen sieht er vor allem in Osteuropa. Die Fertigung bleibt fürs Erste in Österreich, garantiert er. "Es ist nicht auszuschließen, dass wir irgendwann einmal ein weiteres Werk in einem anderen Land errichten", wälzt Fried schon Expansionspläne. Zuerst gelte es aber, sich hier zu etablieren. Und das ist schwer genug. "Vor allem bei der Wirtschaftslage", so Fried. (om, derStandard.at, 8.6.2009)

  • Big Sign-Vorstand Michael Fried.
    foto: big sign

    Big Sign-Vorstand Michael Fried.

  • Meterhohe Handys.
    foto: big sign

    Meterhohe Handys.

  • Autos prangen auf Häusern.
    foto: big sign

    Autos prangen auf Häusern.

  • Big Sign produziert in Gerasdorf.
    foto: big sign

    Big Sign produziert in Gerasdorf.

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