Hintergründe der Bluttat nach wie vor unklar

8. Juni 2009, 13:17
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Staatsanwaltschaft: "Äußerst unwahrscheinlich", dass Russland um Strafverfolgung des angeblichen Schützen ersucht wird

Wien  - Die Staatsanwaltschaft Wien ist am Montag einer Zeitungsmeldung vom vergangenen Wochenende entgegengetreten, wonach der Mord an Umar I. geklärt sein soll. Man kenne zwar schon länger den Namen des mutmaßlichen Schützen, der sich nach Tschetschenien abgesetzt habe, räumte Behördensprecher Gerhard Jarosch gegenüber der APA ein: "Diesbezüglich ist die Beweislage sehr dicht. Hintergründe und Motivation der Bluttat sind dagegen nach wie vor nicht klar."

Der 27-jährige Tschetschene war am 13. Jänner 2009 auf offener Straße in Wien-Floridsdorf erschossen worden. Der "Kurier" berichtete in seiner Samstag-Ausgabe, dem wäre ein Streit um 450.000 Dollar (317.416 Euro) vorangegangen. I. habe die aus Schutzgelderpressungen und anderen kriminellen Machenschaften stammende Summe beiseitegeschafft, worauf ein tschetschenisches "Rollkommando" den Auftrag erhalten haben soll, ihn entweder nach Tschetschenien zu bringen oder zu eliminieren.

"Diese Version ist nicht neu und schon geraume Zeit aktenkundig. Die Ermittlungen haben bisher aber nicht mit der für ein Strafverfahren erforderlichen Sicherheit ergeben, ob die Tat rein kriminelle oder doch politische Hintergründe hatte. Möglich, dass es auch eine Mischung aus beidem war", erklärte dazu nun Staatsanwalt Jarosch. Ein Ende der Ermittlungen sei nicht absehbar, eine mögliche Anklageerhebung gegen die der Beitragstäterschaft Verdächtigen - drei von ihnen befinden sich derzeit noch in Wien in U-Haft - steht daher noch in den Sternen.

Als "äußerst unwahrscheinlich" bezeichnete Jarosch die vom "Kurier" kolportierte Möglichkeit, die Justiz könnte Russland um Strafverfolgung des mutmaßlichen Schützen ersuchen: "Meines Wissens hat Österreich im Zusammenhang mit einem Kapitalverbrechen Russland noch nie um Übernahme eines Strafverfahrens gebeten. Wir machen das allenfalls mit Deutschland, wenn ein deutscher Tourist im Urlaub Ski gestohlen hat."

Die Justiz wird folglich das Inlandsverfahren gegen den angeblichen Todesschützen auf jeden Fall weiterführen und sich - sollte sich der gegen ihn gerichtete Verdacht weiter erhärten - um seine Auslieferung bemühen, um ihn in Wien vor Gericht stellen zu können. (APA)

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