Arbeiterbezirke umkämpft von Rot und Blau

8. Juni 2009, 13:08
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Die Ergebnisse der EU-Wahl in Wien als Wegweiser für die kommenden Landtagswahlen

Nach der EU-Wahl ist vor der Wien-Wahl. Und wenn das Ergebnis der gestrigen Wahl   symptomatisch für das der kommenden Landtagswahl steht, dann hat vor allem eine Partei keinen Grund zu frohlocken: die SPÖ verlor in 22 Bezirken an Stimmen, lediglich in Josefstadt erreichte sie ein Plus von 0,66 Prozent. Insgesamt fuhren die Sozialdemokraten in Wien ein Minus von 8,5 Prozent ein und landete bei 29,0 Prozent - das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg liegt sie damit unter dreißig Prozent -, die ÖVP rückt näher und hat trotz des Minus von 2,1 Prozent 17,2 Prozent. Auch wenn es sich nicht ganz übertragen lässt, ist ein Vergleich interessant: Bei den vergangenen Nationalratswahlen 2008 lag die SPÖ noch bei 34,8 Prozent und die ÖVP bei 16,7. Hält der Trend bei der SPÖ an, könnte sich ein Sieg bei der kommenden Wahl in Wien für die Sozialdemokraten nicht mehr so eindeutig ausgehen.

Am meisten verloren hat die SPÖ in den klassischen Arbeiterbezirken: minus 19 Prozent in Simmering, fast minus 15 Prozent in Favoriten. Simmering war bisher immer in Hand der SPÖ: Bei den Gemeinderatswahlen 2005 erreichte sie sechzig Prozent - die ÖVP dagegen lediglich zehn. Doch bereits ab da ging es stetig bergab. Bei der Nationalratswahl 2008 gab es ein Minus von neun Prozent, die SPÖ sank auf 43,1 Prozent.

Martin verhindert FP-Durchmarsch

Im selben Ausmaß, in dem die SPÖ in diesen Bezirken verlor, legte die FPÖ zu. Dem Chef der Freiheitlichen, Heinz-Christian Strache, der schon seit einigen Wochen den "Kampf um Wien" zwischen ihm und Bürgermeister Michael Häupl propagiert, kommt dies gelegen. Das Ergebnis sei ein "verheerendes" für Häupl, sagte er bei einer Pressekonferenz. Die FPÖ konnte in jedem Bezirk an Stimmen zulegen - das Wiener Ergebnis der vergangenen Nationalratswahlen von 20,4 Prozent konnte mit 16,1 Prozent jedoch lange nicht erreicht werden. Verhindert hat den blauen Durchmarsch vor allem Hans-Peter Martin. Der erreichte in Wien 15,9 Prozent - fast so viel wie die FPÖ.

Die Grünen verloren 5,5 Prozent im Vergleich zu der EU-Wahl 2004 - am meisten im ersten und achten Bezirk - und liegen nun bei 16,8 Prozent. Das ist allerdings ein besseres Ergebnis als das bei der Nationalratswahl 2008 - da lagen sie nämlich noch bei 15,9 Prozent. Insgesamt schnitten die Grünen in Wien gar nicht so schlecht ab: so liegen sie in den Bezirken Wieden, Mariahilf, Neubau, Josefstadt und Alsergrund an erster Stelle.

ÖVP verteidigt Hochburgen

Auch die ÖVP konnte ihre Wiener Hochburgen verteidigen: so war sie in den Bezirken Innere Stadt, Döbling, Währing und Hietzing die Nummer eins. Der Trend geht jedoch auch hier zurück: So hatte die Volkspartei bei den Nationalratswahlen 2002 noch 41 Prozent der Stimmen in Döbling, 2006 waren es nur noch 34, 2008 noch 31 Prozent. Bei der gestrigen EU-Wahl waren es dann knapp dreißig Prozent. (red, derStandard.at, 8.6.2009)

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