Ex-Ultranationalist Nikolic behauptet sich

8. Juni 2009, 12:58
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Beobachter: Serbische Fortschrittliche Partei neue tonangebende Oppositionskraft

Belgrad - Der einstige geschäftsführende Chef der Serbischen Radikalen Partei (SRS), Tomislav Nikolic, hat sich nach seiner Trennung von den Ultranationalisten des Haager Angeklagten Vojislav Seselj im Herbst behauptet. Bei der vorgezogenen Kommunalwahl in zwei Belgrader Bezirken und der zentralserbischen Kleinstadt Kosjeric am Sonntag konnte seine neu gegründete Serbische Fortschrittliche Partei (SNS) die Ultranationalisten abhängen und sich als führende Oppositionskraft im Land behaupten. Im Stadtteil Zemun wurde die SNS sogar stärkste Partei, die SRS brachte es auf nur gut elf Prozent.

Die Wahlen in Kosjeric sowie den Belgrader Bezirken Vozdovac und Zemun galten als wichtiger Stimmungstest für das ganze Land. Beobachter sehen nun auch auf nationaler Ebene die Demokraten (DS) von Präsident Boris Tadic und die Fortschrittlichen von Nikolic als die beiden tonangebenden Parteien Serbiens.

Nikolic für vorgezogene Parlamentswahl

Zwar steht die DS laut den ersten Wahlergebnissen etwas schlechter da als im Vorjahr, sie bleibt aber weiterhin die stärkste Partei. SNS-Chef Nikolic nutzte seinerseits die Wahlergebnisse, um schon am Sonntagabend seinen Einsatz für die vorgezogene Parlamentswahl zu bekräftigen: Er will künftig eine konservative Koalition rechts vom Zentrum anführen.

Dass Seselj nicht mehr der richtige Ansprechpartner für etwaige neue Bündnisse ist, hat unterdessen auch der Chef der nationalkonservativen Demokratischen Partei Serbiens (DSS), Vojislav Kostunica, erkannt. Der Ex-Premier war vorige Woche zu einem ersten Gespräch mit Nikolic über mögliche künftige Bündnisse zusammengekommen. Zuvor hatte Kostunica monatelang jeden Kontakt mit Nikolic vermieden.

Nach der Wahlschlappe bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Mai 2008 war Kostunica wochenlang vergeblich bemüht, mit Hilfe der Ultranationalisten an der Macht zu bleiben. Deren Chef Seselj steht wegen Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina, Kroatien und der Vojvodina vor dem UNO-Tribunal in Den Haag. (APA)

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