Statt des Obstlers eine Schnapssuppe

8. Juni 2009, 16:56
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Ein neues Kochbuch stellt traditionelle Gerichte und viele Infos aus dem Ausseer-Land vor

Graz - Keine geeignete Lektüre für Ausseerland-Freunde, die ein paar Kilo abnehmen wollen: Das "Ausseer-Land-Kochbuch" von Gerd Wolfgang Sievers, das im Grazer Stocker Verlag erschienen ist. Die Rezepte aus dem geografischen Mittelpunkt Österreichs schlagen den Bogen von regionaler Bodenständigkeit zur kreativen Kochkunst - und lassen figurbezogene Vorsätze schnell wieder vergessen.

Traditionelle Alltagskost, die zwar nicht ganz "light", aber leicht zuzubereiten ist, steht im Mittelpunkt des Buches: Sei es "Rührmülli Schmerzka" (kleine Nockerln aus Sauermilch, die mit Butterschmalz abgeröstet und mit Specksauerkraut serviert werden) oder die "Holzknechtnocka" - das Standardessen der Holzknechte, die als "Specknocka" auch noch mit ausgelassenen Speckwürfeln serviert werden. Einen Genuss der urigen Art verspricht auch die "Milchsuppe mit Eschbankoch" (Braterdäpfel) oder der "Ausseer Schottseiling": Hier wird aus Topfen, der aus Buttermilch gewonnen wurde, Sauerrahm und Mehl ein Teig für Krapfen gerührt, die dann mit Specksauerkraut gefüllt werden.

Die "Neunhäutelnudel", deren Teig neunmal in heißem Schweineschmalz getaucht wird, bis sie fertiggebacken sind, sind derart gehaltvoll, dass selbst starke Esser mit einem Stück genug haben sollten. Ein einmaliger Genuss sollte auch die "Schnapssuppe" bleiben, zu der 250 ml Obstler mit einem Liter Milch, etwas Butter, Zimtstange, Gewürznelke, zwei Dotter und 100 g Zucker verkocht werden.

Wer es lieber klassisch hat, wird in der Rezeptsammlung allerdings ebenfalls fündig - vor allem in jenem Kapitel, in denen Sievers den Köchen einiger Restaurants der Region in den Topf geschaut hat: "Wildschweinbraten mit Lebkuchensauce", wie er im "Gasthof zum Hirschen" in Altaussee kredenzt wird, oder die "Geschmorte Lammstelze", wie man sie im "Seehotel Grundlsee" genießen kann, kann der Leser ab sofort selber kochen.

Der Autor (Buchautor "Genussland Österreich"; Journalist und Koch) bietet neben den Rezepten auch Informationen zum Brauchtum und und den touristischen Höhepunkten des Ausseerlandes. Eigene Kapitel sind den in der Region wachsenden lukullischen Rohstoffen - vom Seesaibling bis zum sogenannten "Ausseer Bergkern", dem Steinsalz mit dem unverwechselbaren rötlich-braunen Erscheinungsbild, gewidmet. Sievers hat dafür eigene Rezepte entwickelt.

Leider wurde nicht jede Speise mit Bildern illustriert, so dass man auch einen optischen Anreiz und Vergleich mit dem hätte, was am Schluss herauskommen soll. Unverständlich bleibt, warum der Autor auf einen Rezeptindex verzichtet hat. (APA)

Gerd Wolfgang Sievers:
"Das Auseer-Land-Kochbuch"
144 Seiten
19,90 Euro
ISBN 978 3 7020 1218 2

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