Eine Haydn-Operette - wenig zum Lachen

8. Juni 2009, 11:38
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L'Isola disabitata konzertant mit dem Concentus Musicus unter Nikolaus Harnoncourt

Wien - Für den vom in diesem Jahr grassierenden Haydnvirus noch verschont gebliebenen Musikfreund kann das gängige Konzertleben ganz schön anstrengend werden. So mochte die am Samstagabend und gestern von der Gesellschaft der Musikfreunde veranstaltete konzertante Aufführung der "Azione teatrale in due parti" bezeichneten Oper L'Isola disabitata in jemandem, dessen Immunsystem dem kalendarisch indizierten Haydninfekt noch gesunden Widerstand leistet, über weite Strecken nur - im besten Fall - edle Langeweile zu erzeugen.

Und dies sogar dann, wenn - wie in diesem Fall - Kenner und Könner wie der Concentus Musicus unter Nikolaus Harnoncourt und stilerfahrene Solisten wie Christiane Karg (Sopran), Elisabeth von Magnus (Mezzosopran), Rainer Trost (Tenor) und Luca Pisaroni (Bariton) am Werk sind. Jedenfalls stand die Aufführung am Samstagabend unter keinem besonders guten Stern. Die Streicher klangen mitunter ziemlich scharf, der Tenor ließ seine Grenzen hören. Außerdem machte die krankheitsbedingte Absage von Christiane Oelze, die als Sopranistin vorgesehen war, einen Rollentausch von Elisabeth Magnus und Christiane Karg nötig.

Das Werk, das Haydn selbst "Operette" nennt, handelt von zwei Schwestern, die es vor 13 Jahren auf eine unbewohnte Insel verschlagen hat. Die eine will, weil sie sich von ihrem Mann verlassen glaubt, das Leben nehmen, die andere hat sich akklimatisiert. Alles endet jedoch happy. Wenn man diesen Text liest, so wie man als Mensch des 21. Jahrhunderts eben auch ein FPÖ-Inserat und des Bundeskanzlers Repliken liest und mehr oder weniger unbeteiligt zur Kenntnis nimmt, bleibt einem freilich rätselhaft, wie ein solches vom gefeierten Pietro Metastasio verfertigtes Libretto überhaupt jemals von Interesse sein konnte.

Möglicher Weise hatten die Worte zu Haydns Zeiten noch stärkeres Gewicht. Sie gingen in ihrer Wirkung tiefer und waren noch nicht zu Vehikeln der oberflächlichen Information verkommen. Und Haydns bei deren Vertonung verwendete Klangsymbolik wurde auch tatsächlich miterlebt. Um diese versunkene Welt der Oper zu erwecken, müsste man nicht nur die Musik, sondern vor allem auch die Erlebnisfähigkeit ihrer Hörer restaurieren. (Peter Vujica, DER STANDARD, 08.06.2009)

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