Die besten Geldmarktfonds

8. Juni 2009, 11:10
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Experten erwarten eine länger anhaltende Tiefzinsphase und sehen den Risikoappetit langsam zurückkommen - Eine Analyse von e-fundresearch

Führende Geldmarktexperten gehen von einer länger anhaltenden Tiefzinsphase aus. Der Geldmarkt sowie die Sätze für kurzlaufende Anleihen würden in den nächsten 12 bis 18 Monaten in einer relativ engen Bandbreite bleiben. Als positive Entwicklung sehen sie eine langsame Rückkehr des Risikoappetits an den Kapitalmärkten. Ein steigendes Zinsniveau erwarten Experten angesichts des weltweiten Konjunkturabschwungs erst Ende 2010. Bis dahin wäre ein Wert von rund einem Prozent ein realistisches Szenario. Dass die Zentralbanken Unmengen an Liquidität ins Bankensystem pumpen, soll allmählich dazu führen, dass sich die LIBOR – OIS Spreads einengen.

Die Top-3 Geldmarktfonds

Bester Geldmarktfonds im e-fundresearch-Ranking auf Basis der risikoadjustierten Rendite (Sharpe Ratio) über fünf Jahre ist der von Ulrich Kaffernik verwaltete DJE InterCash P. Auch hinsichtlich der durchschnittlichen Performance in den letzten fünf Jahren ist er mit einem Plus von 3,51 Prozent der beste Fonds seiner Assetklasse. Über einen Betrachtungszeitraum von drei Jahren (plus 3,94 Prozent) sowie seit Jahresbeginn (plus 1,88 Prozent) wird er jedoch von dem Zweitplatzierten Monega Short-Track in die Schranken gewiesen. Zu den absoluten Spitzenfonds zählt auch der von Maud Debreuil gemanagte AXA IM Euro Liquidity mit einem durchschnittlichen Performanceplus von 3,06 Prozent über die letzten fünf Jahre. Auf Dreijahressicht brachte er Anlegern eine Wertsteigerung von plus 3,61 Prozent.

Deflationäre Kräfte überwiegen

Angesichts des massiven Konjunkturabschwungs ist der Inflationsdruck in der Eurozone derzeit stark abgeschwächt. "Die eindeutige Verschlechterung am Arbeitsmarkt verdüstert nachhaltig den zyklischen Ausblick für Konsum rund um den Globus und die freien Überkapazitäten lassen auch auf keine gesteigerte Investitionsneigung seitens der Unternehmen schließen", so Herbert Steindorfer, Manager des ESPA CASH EURO-PLUS. Mittelfristig würde es daher keine ausgeprägte Preissetzungsmacht in der Güterproduktion geben. Das derzeitige Umfeld würde auch keine steigende Einkommensquote zulassen. Alles in allem sieht der Experte derzeit ein Überwiegen der deflationären Kräfte.

Erholung der Wirtschaft von großer Bedeutung

Für Debreuil ist dagegen das Deflationsrisiko aufgrund einer Reihe von Faktoren gering. Sie glaubt, dass die Lohnverhandlungen in Europa keine starken Einschnitte beim Lohnwachstum bringen werden was auch ein Sinken der Preise verhindert. Dazu komme, dass der Anteil der kontrollierten Preise (zehn Prozent) am europäischen Inflationsindex die Auswirkungen der fallenden Nachfrage und steigender Defitzite abschwächt. Noch wichtiger sei jedoch, dass sich das wirtschaftliche Umfeld in der zweiten Jahreshälfte verbessern sollte. Dies würde zu einer positiven Inflationsentwicklung führen.

Defizit-Zahlen werden steigen

Geldmarktexperten erwarten, dass das öffentliche Defizit in der Eurozone heuer von minus 1,7 Prozent im Jahr 2007 auf rund fünf Prozent ansteigen und 2010 über minus vier Prozent bleiben wird. Insgesamt soll das Defizit zwischen 2008 und 2010 um zehn Prozent auf über 80 Prozent ansteigen. In Ländern wie Belgien, Griechenland oder Italien ist es möglich, dass die öffentliche Verschuldung die Grenze von 100 Prozent des BIP durchstoßen wird. Zu den signifikantesten Anstiegen soll es in Irland (plus 30 Punkte), Spanien und Frankreich (jeweils plus 15 Punkte) kommen.

Schlechtes Rating, hohe Steuern?

Die Gefahr weiterer Abstufungen durch die Ratingagenturen sieht Debreuil angesichts der explodierenden Defizite nicht. „Mit Ausnahme von Großbritannien, hier besteht dieses Risiko“, wie sie anmerkt. Für Steindorfer steht fest, dass der massive Anstieg der Staatsverschuldung mittelfristig zu Steuererhöhungen führen wird. "Greifen die staatlichen Konjunkturprogramme werden auch bei moderaten Wachstumsraten die Staatseinnahmen steigen", so der ESPA-Fondsmanager. Für den Fall, dass die Konjunkturprogramme nicht nachhaltig greifen würde sich die Krise verlängern.

Gewichtung in Staatsgarantien

Trotz des schwierigen Umfelds will Stuart Niman, Manager des BlackRock Institutional Euro Liquidity, an seinem bewährten Investmentprozess festhalten und für seine Kunden auf ein hohes Maß an Liquidität abzielen. "Auch setzen wir Schritte um die allgemeine Kreditqualität unseres Portfolios beizubehalten", so Niman. Das sei unter anderem durch Investments in staatlich garantierte Floating Rate Notes möglich. Debreuil ist nach eigenen Angaben derzeit bei Financials übergewichtet. Gegenüber Corporates würden Banken von der starken Unterstützung der Regierungen und Zentralbanken profitieren. Die Möglichkeit Staatsgarantien auf neue Emissionen zu bekommen würden sie dem derzeitigen Umfeld entscheidend stärken. Auch Steindorfer hat derzeit Bankanleihen – auch mit Staatsgarantien versehene – im Fonds übergewichtet – nicht zuletzt auch wegen der hohen Zinsaufschläge. Einen Zusammenbruch systemrelevanter Banken würden die Regierungen in Übereinstimmung mit den Notenbanken schließlich nicht zulassen. Kurzlaufende Staatsanleihen und Pfandbriefe ergänzen zu einem hohen Anteil das Portfolio. "Damit ist das Ziel des Fonds umschrieben: hoher laufender Ertrag, geringe Volatilität bei gleichzeitig höchster Sicherheit", so Steindorfer.

Alle Daten per 26.05.2009 in Euro / Quelle: Lipper

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Die gesamte Analyse (inkl. einer Tabelle der besten Geldmarktfonds) finden Sie hier.

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