Die Weisheit des Wählers

8. Juni 2009, 10:26
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Es war ein Tag der Abrechnung, aber nicht so, wie sich das die FPÖ vorgestellt hat

Es war ein Tag der Abrechnung. Aber nicht so, wie es sich die Rabiat-Rabauken von der FPÖ vorgestellt haben, die diesmal nicht nur alle Schamschwellen durchbrochen, sondern mit ihren antisemitischen Ausfällen auch gemäßigte Protestwähler zu Hans Peter Martin oder in die Stimmenthaltung getrieben haben. Eine Abrechnung auch für die Grünen, die - beginnend mit der Voggenhuber-Schlachtung - eine veritable Politik der Wählervertreibung betrieben haben. Vor allem aber eine Abrechnung mit der SPÖ, die seit Faymann europapolitisch abgetreten ist.

Hans Peter Martin hat sich gut geschlagen, Strache hat ihn noch gefördert und die "Krone" hat für ihn Wahlwerbung gemacht. Wobei die Politik der "Krone" offenbar zwei Beweggründe hatte: erstens die Unterstützung ihres Anti-EU-Kurses, aber zweitens eine Erinnerung an Faymann: Man kann auch anders und "Neffe Werner" soll nur nicht vergessen, von wessen Gnaden er Kanzler (geworden) ist.

Die - trotz leichter Ausrutscher - proeuropäische Haltung der ÖVP, und hier vor allem die von Othmar Karas, ist von den Wählern und Wählerinnen honoriert worden (mit einem leichten Warnschuss). Ebenso erfreulich war das deplorable Abschneiden der FPÖ.

Zu hoffen ist auf einen Umdenkprozess bei der SPÖ und bei den Grünen, bei den Blauen dürfte ohnehin Hopfen und Malz verloren sein. Und zu verlangen ist, dass gerade in Zeiten der Krise alle seriösen Kräfte ihren Einsatz auf eine konstruktive Europapolitik ohne Schielen nach rechts- und linkspopulistischen Schreihälsen konzentrieren - sei es aus (neuer oder alter) Überzeugung, sei es weil viele Wähler/-innen offenbar weiser waren als viele ihrer Vertreter/innen. (Peter A. Ulram/DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2009)

Peter A. Ulram: Leiter der Sozialforschung im VP-nahen Fessel-GfK-Institut

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