Die Macht des Königs

8. Juni 2009, 10:29
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Österreich versinkt doch nicht im Zwetschkenpopulismus

Dem "Tag der Abrechnung" folgt der Tag der Endabrechnung, und da stellt sich heraus, dass Österreich doch nicht im Zwetschkenpopulismus (außen blau und innen braun) versinkt. Vier Millionen Euro soll Strache in seinen Anti-EU-Wahlkampf investiert haben. Woher das Knödel stammt, um ganz Österreich mit markigen Kreuzritter-Sprüchen zu verkleben und die Jugend mit einem blauen Super-Suppenhelden zu beglücken, weiß ich nicht. Von turkophoben Oligarchen? Jedenfalls ist dafür das Ergebnis sehr bescheiden, immerhin glauben bloß 13 Prozent der Wähler, dass "uns die EU nur so kapiert".

Keinen Comics benötigte die ÖVP, die hatte nämlich einen Listenzweiten, Otmar Karas, der zumindest auf den Plakaten an Mister Burns von den Simpsons erinnerte. Und so wie dieser Atomkraftwerksbesitzer im Zeichentrick das Establishment vertritt, fusioniert die ÖVP EU-Befürworter, Subventionierte und Wirtschaftstreibende, die gar nicht anders können, als im europäischen Gedanken einen wirtschaftlichen Erfolg zu sehen. Sie sind weniger geworden? Marginal.

Die SPÖ dagegen weiß nicht, was sie von der EU halten soll - und so geht es auch dem Wähler mit der SPÖ. Man steht hinter einem katastrophalen Absturz (ohne dahinter zu stehen) und wird wohl einige Zeit brauchen, bis man die Black Box mit den Erklärungen findet. Wahrscheinlich sind die letzten, bis in die Wolle rot gefärbten Kernwähler, die im Grunde ihres Herzens (also im Kern) an der EU gar nicht interessiert sind, einfach abgetaucht. Und das A-Team ist jetzt dort und nämlich mittendrin im Genius Loci, wofür A halt auch nicht selten steht.

Dort ist auch das BZÖ. Mit viel Schmiss wollte man nach Brüssel ziehen, jetzt bleibt man doch daheim in Kärnten und kann weiter "konsequent ehrlich" an Verschwörungstheorien feilen.

Feilen sollten auch die Grünen, nämlich an einem kantigeren Profil. Diesmal haben sie es nicht geschafft, den Wählern klar zu machen, dass bei einer Fortdauer der verfehlten Klimapolitik bald die wirkliche (nicht nur die Kärntner) Sonne vom Himmel fallen könnte.

Bleibt unterm Strich als einziger Sieger dieser Endabrechnung der Mister Denkzettel, ein Vorarlberger Ernst August von Hannover, der Journalisten grundsätzlich beschimpft und Abgeordneten ans Bein pinkelt. Ein Ritter der Spesenabrechnerei, eigenbrötlerisch, sturköpfig, ein Kontroll-Freak? Sein Wahlkampf soll nur 200.000 Euro gekostet haben. Nur, wofür (außer fürs Kleinformat) steht der eigentlich? Für eines ganz gewiss, nämlich für die Macht des Königs - und der isst Guglhupf und ist erfreut wie Cervantes über seinen Don Quijote. Aber was will der Martin (wenn er doch nur Austin heißen würde) ausrichten? Zumindest eines, dass die Österreicher ein Volk von Dichands Willen sind. (Franzobel/DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2009)

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