Verbund fixiert Milliardendeal in Bayern

8. Juni 2009, 17:37
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Dreizehn Laufkraftwerke der E.ON am Inn lassen die Kapazität bei der Laufwasserkraft um neun Prozent steigen - Stillschweigen über Kaufvertrag vereinbart, Finanzierung teilweise über Anleihe

Der Verbund, Österreichs größter Stromproduzent, hat die größte Einzelakquisition in der Geschichte des Unternehmens fixiert. Der zu 51 Prozent im Besitz der Republik stehende Konzern übernimmt 13 Wasserkraftwerke am bayerischen Abschnitt des Inn im Wert von gut einer Milliarde Euro. Die Kraftwerke, die der deutsche Energieriese Eon in Erfüllung einer Auflage der EU-Kommission abgeben musste, produzieren Strom für mehr als 500.000 Haushalte.

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber sprach von einer "großen Chance"; der Verbund stoße mit der Akquisition von Platz fünf auf Platz vier unter den größten Wasserkraftunternehmen Europas vor. Ziel sei nun Rang drei nach Electricité de France und der schwedischen Vattenfall. (red) Seite 15

 

 

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Wien - Mit der größten Einzelakquisition in der Unternehmensgeschichte kommt der Verbund seinem Ziel, zu den top drei Wasserkrafterzeugern in Europa aufzuschließen, einen entscheidenden Schritt näher. Am Freitagabend hat Österreichs größter Stromkonzern den Kauf von 13 Innkraftwerken fixiert, die der deutsche Energieriese Eon in Befolgung einer Auflage der EU-Kommission abgeben musste. "Das ist eine einmalige Chance für den Verbund", sagte dessen Chef, Generaldirektor Wolfgang Anzengruber, bei der Präsentation des Deals am Montag.

Nummer eins bei Wasserkraft in Europa ist derzeit mit Abstand die Electricité de France (EdF), die neben Atommeilern und durch Gas- bzw. Kohle befeuerten Blöcken in Summe auch über den leistungsstärksten Park an Lauf- und Speicherkraftwerken verfügt. Dahinter folgen die schwedische Vattenfall vor der italienischen Enel und der norwegischen Statkraft. Mit dem jüngsten Kraftwerkskauf, der formalrechtlich im Laufe des dritten Quartals über die Bühne gehen soll, rücke der Verbund von der fünften auf die vierte Stelle vor, sagte Anzengruber.

Die 13 Kraftwerke zusammen haben eine Leistung von 312 Megawatt (MW) und produzieren knapp 1,8 Mrd. Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr. "Das ist etwa zweimal das Kraftwerk Freudenau" , sagte Anzengruber. Gut 500.000 Haushalte könnten damit versorgt werden. Im Vorjahr hat der Verbund in seinen 80 Lauf- und 22 Speicherkraftwerken rund 25 Mrd. kWh Strom erzeugt. Gehandelt wurden rund 60 Mrd. kWh. Rund 40 Prozent davon hat der Verbund auf Europas größtem Strommarkt, Deutschland, abgesetzt.

Strom aus Wasserkraft sei ein wichtiges Kaufargument. "Wir sehen, dass den Stadtwerken in Deutschland, von denen einige zu unseren Kunden gehören, dieses Thema deutlich mehr wert ist als den österreichischen Kunden" , sagte Anzengruber dem Standard. In Deutschland verkauft der Verbund Strom aus Wasserkraft unter der Marke H2Ö. "Es gibt dort eine Fülle von Kunden, die sagen, dieses Prädikat ist uns etwas wert."

Kaufpreis: ein Drittel in bar

Den exakten Kaufpreis wollen Eon und Verbund nach dem Closing nennen, er dürfte aber mindestens eine Mrd. Euro betragen. Rund ein Drittel werde in bar - über eine Anleihe - bezahlt, sagte Anzengruber. Zwei Drittel der Summe sollen durch Lieferungen von Spitzenstrom aus dem Verbund-Speicherkraftwerk Zemm im Tiroler Zillertal beglichen werden, abrufbar im Zeitraum von 20 Jahren. Der Verschuldungsgrad (Gearing) wird nach dem Kauf von rund 100 auf etwa 130 Prozent steigen.

Der Verbund wird für die 13 Kraftwerke in Deutschland eine eigene Gesellschaft gründen, die an die Wasserkrafttochter Austrian Hydro Power (AHP) berichten wird. An dieser Gesellschaft will man interessierte Anrainergemeinden in Bayern mit bis zu 30 Prozent beteiligen. "Wir sind an einer kooperativen Partnerschaft interessiert" , sagte Anzengruber. Alle 217 Mitarbeiter der Innkraftwerke sollen zu unveränderten Bedingungen in den Verbund-Konzern integriert werden.

Vor acht Jahren standen Verbund und Eon knapp davor, eine Wasserkraftehe zu schließen. Am Joint Venture European Hydro Power (EHP), in das die Unternehmen ihre Wasserkraftwerke einbringen wollten, hätte der Verbund mit 60 Prozent das Sagen gehabt. Die Politik ließ die Pläne im letzten Moment platzen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.6.2009)

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    Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber freut sich über die "größte Einzelakquisition, die der Verbund in seiner Geschichte durchgeführt hat".

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