Zwölf Jahre Arbeitslager für US-Journalistinnen

9. Juni 2009, 06:27
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Höchstgericht verurteilt Euna Lee und Laura Ling zu "Läuterung durch Arbeit" wegen "feindlicher Akte"

Pjöngjang - Im Prozess gegen zwei amerikanische Journalistinnen in Nordkorea hat es am heutigen Montag einen Schuldspruch gegeben. Die beiden Frauen wurden vom Höchstgericht des Landes zu zwölf Jahren "Läuterung durch Arbeit" verurteilt, berichtete die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur. Ihnen waren in dem zweitägigen Prozess "feindliche Akte" und illegale Einreise vorgeworfen worden.

Bei dem Prozess vor dem Zentralgerichtshof in Pjöngjang, zu dem keine neutralen Beobachter zugelassen waren, seien die "schweren Verbrechen" der beiden US-Journalistinnen gegen den Staat und ihr illegaler Grenzübertritt bestätigt worden, hieß es am Montag in einem Bericht der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA.

Die Formulierung  "Läuterung durch Arbeit" dürfte auf Arbeitslager hindeuten. Nähere Einzelheiten wurden in der Meldung nicht genannt. Eine Berufung ist nicht möglich, da das Urteil vom Obersten Gericht verhängt wurde.

Recherchen am Grenzfluss Tumen

Die koreanischstämmige Journalistin Euna Lee und ihre chinesischstämmige Kollegin Laura Ling hatten am 17. März dieses Jahres für den kalifornischen Sender "Current TV", an dem der frühere US-Vizepräsident Al Gore beteiligt ist, aus der chinesischen Grenzregion zu Nordkorea berichtet. Sie wurden im März in der Nähe des damals zugefrorenen Grenzflusses Tumen festgenommen, während ein Kameramann und ein Führer entkommen konnten.

Nach nordkoreanischen Angaben drangen die beiden Frauen illegal in den Norden ein. Südkoreanischen Medien zufolge filmten sie dagegen auf der chinesischen Seite, als sie von nordkoreanischen Grenzschützern festgenommen wurden. 

Beide Journalistinnen sind verheiratet, Lee hat eine vierjährige Tochter. In Gefangenschaft droht ihnen laut einem Bericht des US-Außenministeriums über die Bedingungen in nordkoreanischen Haftanstalten eine harte und "lebensbedrohliche" Behandlung. In dem stalinistisch geführten Land wird demnach auch gefoltert.

Die Familien der Journalistinnen haben die Regierung in Pjöngjang um die Freilassung der beiden Frauen gebeten. In einem am Montag veröffentlichten Schreiben heißt es, Laura Ling habe eine ernste Krankheit, die sich durch eine Haft in einem Arbeitslager noch verschlimmern werde. Euna Lee habe eine vier Jahre alte Tochter, die sich um ihre Mutter zu sorgen beginne, hießt es weiter.

Urteile "härter als erwartet"

Der Nordkorea-Fachmann von der Korea-Universität in Seoul, Yoo Ho Yeol sagte, die Urteile gegen die US-Bürgerinnen seien "härter als erwartet". Sie zielten darauf ab, "eine starke Botschaft an die USA" für direkte bilaterale Verhandlungen auszusenden.

Vor dem Urteil habe Nordkorea die Reporterinnen nicht freilassen können, weil dies als Kapitulation vor den USA hätte interpretiert werden können, erklärte Professor Hajime Izumi von der Universität Shizuoka in Japan. Jetzt sei eine Freilassung aus humanitären Gründen möglich. Die Reporterinnen seien dabei eine Art Verhandlungsmasse, um Hilfslieferungen der USA und anderer Staaten an Nordkorea zu erreichen.

Das hohe Strafmaß habe wenig Bedeutung, meinte unterdessen Professor Kim Yong-hyun von der Dongguk Universität in Seoul. Es sei eine Reaktion auf die Drohungen der USA mit Sanktionen. Letztlich werde der Fall auf diplomatischem Wege gelöst.

Bemühungen um Freilassung

US-Präsident Barack Obama äußerte sich "tief besorgt" über die Verurteilung. Die Regierung bemühe sich auf allen möglichen Wegen um die Freilassung der Journalistinnen, sagte ein Sprecher Obamas in Washington.

Al Gore hatte laut japanischen TV-Berichten vor dem Urteil angekündigt, nach Pjöngjang zu reisen, um die beiden Journalistinnen zurückzuholen. Wie sich das nun vorliegende Urteil auf Gores Pläne auswirken, ist vorerst nicht bekannt. (APA/AFP/AP/Reuters/red)

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    Proteste in Seoul gegen die Festnahme der Journalistinnen

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    Die koreanischstämmige Journalistin Euna Lee (links) und ihre chinesischstämmige Kollegin Laura Ling wurden zu zwölf Jahren "Läuterung durch Arbeit" verurteilt.

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