Ein Netzwerk mit klarem Zentrum, dem eine effiziente Übersetzung in Offensive fehlte

7. Juni 2009, 20:34
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Das Netzwerk im Spiel gegen Serbien weist ein klar erkennbares Zentrum auf. Paul Scharner erhielt nicht nur, sondern verteilte auch die meisten Pässe, wurde so zur spielbestimmenden Drehscheibe. Rund um ihn etablierte sich ein beziehungsreicher Schwerpunkt auf der linken Flanke, über die vor allem in den ersten sechzig Minuten die Mehrzahl der Vorstöße lief. Mit Manuel Ortlechner und Jakob Jantscher bildete Scharner eine robuste Dreieckskonstellation und markierte darüber hinaus den Beziehungsstifter zur rechten Flanke, worauf seine relativ starke Verbundenheit mit Franz Schiemer und Andreas Hölzl verweist. Scharner erwies sich nicht bloß als ständig alarmbereite Feuerwehr, sondern als Übersetzer zwischen den horizontalen und den vertikalen Achsen. Auffallend ist zudem die im Vergleich zum Rumänien-Spiel (2:1) überragende Reziprozität mit Yasin Pehlivan im zentralen Mittelfeld. Darin spiegelt sich der Versuch der beiden, mit kurzen, einfachen Pässen ein spielerisches Gegengewicht zu den kaum erfolgreichen langen, hohen Bällen auf Stefan Maierhofer zu entwickeln.

Andererseits lässt sich deutlich erkennen, dass dem Netzwerk eine effiziente Übersetzung in die Offensive fehlte. Neben Maierhofer enttäuschte vor allem Erwin Hoffer, der die Zuspiele kaum in gefährliche Aktionen ummünzen konnte. Sein gegen Rumänien bravourös zelebrierter Individualanarchismus wurde von der serbischen Innenverteidigung im Keim erstickt. Positive Akzente im Sturm entwickelten sich erst nach den Wechseln, die außerdem eine deutliche Verlagerung des Aktionsschwerpunkts auf den rechten Flügel nach sich zogen. Dort rackerte Stefan Lexa redlich, aber spielerisch meist überfordert. Marc Janko und Rubin Okotie konnten in Ansätzen eine Dynamik entfalten, die die unsicherer werdende serbische Defensive unter Druck setzte. (Helmut Neundlinger, DER STANDARD, Montag, 8. Juni 2009)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Scharner-Pehlivan 14

2. Ortlechner-Jantscher 13

3. Stranzl-Jantscher 12

4. Schiemer-Maierhofer 11

5. Ortlechner-Scharner 10

6. Pehlivan-Jantscher 9

6. Pehlivan-Scharner 9

8. Ortlechner-Pehlivan 8

8. Ortlechner-Stranzl 8

8. Stranzl-Ortlechner 8

AM ÖFTESTEN ANGESPIELT

1. Scharner 54

2. Jantscher 49

3. Pehlivan 45

4. Maierhofer 44

5. Stranzl 39

6. Schiemer 38

7. Hoffer 32

8. Hölzl 26

9. Dragovic 23

10. Ortlechner 22

11. Okotie 21

12. Lexa 20

13. Janko 18

14. Gspurning 9

GABEN DIE MEISTEN PÄSSE

1. Scharner 59

2. Stranzl 55

3. Schiemer 51

4. Ortlechner 47

5. Jantscher 46

6. Pehlivan 45

7. Dragovic 35

8. Gspurning 26

9. Hölzl 23

10. Maierhofer 20

11. Lexa 15

12. Hoffer 7

12. Okotie 7

14. Janko 4

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Scharner 113 (59/54)

2. Jantscher 95 (46/49)

3. Stranzl 94 (55/39)

4. Pehlivan 90 (45/45)

5. Schiemer 89 (51/38)

6. Ortlechner 69 (47/22)

7. Maierhofer 64 (20/44)

8. Dragoviæ 58 (35/23)

9. Hölzl 49 (23/26)

10. Hoffer 39 ( 7/32)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Pehlivan 93,33 (42 von 45)

2. Hölzl 86,96 (20 von 23)

3. Dragoviæ 85,71 (30 von 35)

3. Okotie 85,71 ( 6 von 7)

5. Maierhofer 85,00 (17 von 20)

6. Gspurning 84,62 (22 von 26)

7. Scharner 83,05 (49 von 59)

8. Ortlechner 78,72 (37 von 47)

9. Schiemer 78,43 (40 von 51)

10. Janko 75,00 ( 3 von 4)

11. Stranzl 72,73 (40 von 55)

12. Jantscher 71,74 (33 von 46)

13. Hoffer 71,43 ( 5 von 7)

14. Lexa 66,67 (10 von 15)

TEAMANTEIL ERFOLGREICHER PÄSSE

1. Scharner 13,84

2. Pehlivan 11,86

3. Stranzl 11,30

3. Schiemer 11,30

5. Ortlechner 10,45

6. Jantscher 9,32

7. Dragoviæ 8,47

8. Gspurning 6,21

9. Hölzl 5,65

10. Maierhofer 4,80

11. Lexa 2,82

12. Okotie 1,69

Der Ansatz

  • Die Analytiker
FAS.research, in Wien und New York
ansässig, schon bei der WM 2006 und bei der EURO 2008 im Einsatz,
beobachtet auch die WM-Qualifikationsspiele des ÖFB-Nationalteams
exklusiv für den Standard.
Team: Ruth Pfosser, Harald Katzmair, Johannes Uhlig, Helmut Neundlinger. (red)

Der Ansatz
Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.
    grafik: fas.research2009/der standard

    Die Analytiker

    FAS.research, in Wien und New York ansässig, schon bei der WM 2006 und bei der EURO 2008 im Einsatz, beobachtet auch die WM-Qualifikationsspiele des ÖFB-Nationalteams exklusiv für den Standard.

    Team: Ruth Pfosser, Harald Katzmair, Johannes Uhlig, Helmut Neundlinger. (red)

    Der Ansatz

    Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

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