Größte Impfstudie an 16.000 Kindern startet

7. Juni 2009, 20:18
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Pharmariese Glaxo will Plasmodien mit erster Vakzine den Garaus machen

Besonders gefährlich ist die Malaria tropica: Unbehandelt kann sie innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen. Mit den anderen Formen wird das menschliche Immunsystem meist selbst fertig. Seit nunmehr 25 Jahren laufen Versuche, gegen die tödliche Form der Malaria endlich einen Impfschutz zu finden. Der britische Pharmariese GlaxoSmithKline startet jetzt in Afrika die bisher größte Untersuchung einer Malariaimpfung - und zwar die letzte der vorgeschriebenen drei klinischen Studien, die für eine Zulassung notwendig sind.

Der Impfstoff wird nun an 16.000 Kindern in sieben afrikanischen Ländern getestet. Sollten die Studienergebnisse überzeugen, könnte die Schutzimpfung bereits 2011 auf den Markt kommen. Allein: Sie wird nie einen 100-prozentigen Impfschutz gewähren. Glaxo-Forscher hoffen, dass sie zumindest einen 50- bis 55-prozentigen Schutz bietet. Immerhin.

Der Wirkstoff in "Mosquirix", wie der Impfstoff heißt, ist ein Fusionspartikel, das aus einem Eiweiß des Erregers Plasmodium und einem unschädlich gemachten Hepatitis-B-Virus kombiniert wurde. Dieses Partikel, eigentlich ein modifiziertes und nicht mehr krankmachendes Lebervirus, soll das Immunsystem scharfmachen - insbesondere gegen jenes Erkennungsmerkmal, das dieses Virus von Plasmodium auf seiner Oberfläche zeigt.

400 Millionen Euro

Derart immunisiert, sollen Abwehrzellen des Menschen in der Leber die Vermehrung des Malariaerregers verhindern. Etwa 300 Millionen Euro hat Glaxo bisher in die Entwicklung der Impfung gepumpt, weitere 100 Mio. folgen.

Dieses bisher am weitesten fortgeschrittene Impfprojekt wird von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung mitfinanziert und von der internationalen Malaria Vaccine Initiative gefördert und koordiniert. Ziel der gemeinsamen Anstrengungen: bis zum Jahr 2015 einen Impfstoff zur Verfügung zu haben, der wenigstens einen 50-prozentigen Schutz bietet, bis zum Jahr 2025 dann eine Vakzine, die eine Wirkung von 80 Prozent bringt.

Aufgrund seines Verbreitungsgebietes wohnen heute etwa 3,3 Milliarden Menschen in Malaria-Risikogebieten - das ist beinahe die Hälfte der gesamten Menschheit.

Am meisten betroffen sind Kinder, auch die Sterblichkeit ist bei Kindern am höchsten. Evolutionstheoretisch könnte man provokant sagen, dass Erwachsene in Afrika so etwas wie selektiert wurden, tatsächlich gehen sie mit ihrem meist schon gegen Malaria trainierten Immunsystem recht gut mit der Infektionskrankheit um. Daher trifft mehr als die Hälfte aller nach Österreich eingeschleppten Fälle auch Personen, die Freunde oder Verwandte in Afrika besucht haben und von diesen die Auskunft bekommen hatten, dass Malaria bei ihnen kein Problem darstelle. Was für diese Menschen dort auch stimmt. (fei, DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2009)

 

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