Voggenhuber: "Grüne Parteispitze hat Arbeit von zehn Jahren zerstört"

7. Juni 2009, 20:04
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Vor der Wahl haben die Grünen Johannes Voggenhuber abserviert - nun kommt die Revanche: Er wirft der Parteispitze vor, aus "Neid, Eifersucht und Machtversessenheit" in ein absehbares "Desaster" gelaufen zu sein

STANDARD: Wie beurteilen Sie das Wahlergebnis?

Voggenhuber: Die Niederlage kommt nicht überraschend. Nicht nur ich habe davor gewarnt - und in der Partei bloß noch mehr Widerstand geerntet. Das ist nicht nur ein Desaster für die Grünen, sondern auch für viele Wähler, denen man die Chance genommen hat, ihren Kandidaten zu wählen und in Europa eine Stimme zu haben.

STANDARD: Wer oder was ist schuld?

Voggenhuber: Die Causa Voggenhuber hat schon eine entscheidende Rolle gespielt. Da wurde ein Baum unmittelbar vor der Ernte gefällt, nicht aus politischen Gründen, sondern aus der Machtversessenheit einer kleinen Gruppe heraus. Die Führung der Grünen gebärdet sich als Hofstaat, der Eifersucht, Neid, Missgunst über die Verantwortung gestellt hat, mit einem Mobbing gegen mich über Monate. Wir sind nun wieder so stark wie 1999. Die Parteispitze hat mit einem Schlag die Arbeit von zehn Jahren vernichtet.

STANDARD: War nur Ihre Demontage dafür verantwortlich?

Voggenhuber: Mir fallen unzählige Fehler ein. Aus den verlorenen Nationalratswahlen haben die Grünen keine echten Konsequenzen gezogen, sondern meine Europa_politik angegriffen, zu Kritikern wie Attac geschielt - um dann wieder zurückzurudern. Das hat die Glaubwürdigkeit massiv beschädigt. Die Partei wurde auch nicht dafür gegründet, alles auf oberflächliches Marketing abzustellen. Ein zentralistischer Apparat hat die Willensbildung gleichgeschaltet, die Kritiker mundtot gemacht.

STANDARD: Was wäre bei der Wahl möglich gewesen?

Voggenhuber: Die Grünen haben nicht drei Prozent verspielt, sondern acht Prozent gegenüber den Möglichkeiten. Die Ergebnisse in anderen Staaten zeigen: Grün hat eigentlich Wind in den Segeln. In Österreich aber siegen obskure politische Figuren. Die Grünen bleiben einen Gegenentwurf schuldig - und tragen somit am Aufstieg der extremen Rechten Mitschuld.

STANDARD: Soll Eva Glawischnig als Parteichefin abtreten?

Voggenhuber: Es stellt sich jedenfalls die Frage, wie es die grüne Führung mit Verantwortung hält. Ein neues Kapitel ist offen. Gibt es keine Konsequenzen, ist die Existenz der Grünen bedroht. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2009)

ZUR PERSON: Der Salzburger Johannes Voggenhuber (59) sitzt seit 1995 im Europäischen Parlament. Zu Jahresbeginn haben ihn die Grünen als Kandidat abgewählt, er muss sein Mandat nun abgeben.

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    Voggenhuber: "Die Existenz der Grünen ist bedroht."

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