
Voggenhuber: "Die Existenz der Grünen ist bedroht."
STANDARD: Wie beurteilen Sie das Wahlergebnis?
Voggenhuber: Die Niederlage kommt nicht überraschend. Nicht nur ich habe davor gewarnt - und in der Partei bloß noch mehr Widerstand geerntet. Das ist nicht nur ein Desaster für die Grünen, sondern auch für viele Wähler, denen man die Chance genommen hat, ihren Kandidaten zu wählen und in Europa eine Stimme zu haben.
STANDARD: Wer oder was ist schuld?
Voggenhuber: Die Causa Voggenhuber hat schon eine entscheidende Rolle gespielt. Da wurde ein Baum unmittelbar vor der Ernte gefällt, nicht aus politischen Gründen, sondern aus der Machtversessenheit einer kleinen Gruppe heraus. Die Führung der Grünen gebärdet sich als Hofstaat, der Eifersucht, Neid, Missgunst über die Verantwortung gestellt hat, mit einem Mobbing gegen mich über Monate. Wir sind nun wieder so stark wie 1999. Die Parteispitze hat mit einem Schlag die Arbeit von zehn Jahren vernichtet.
STANDARD: War nur Ihre Demontage dafür verantwortlich?
Voggenhuber: Mir fallen unzählige Fehler ein. Aus den verlorenen Nationalratswahlen haben die Grünen keine echten Konsequenzen gezogen, sondern meine Europa_politik angegriffen, zu Kritikern wie Attac geschielt - um dann wieder zurückzurudern. Das hat die Glaubwürdigkeit massiv beschädigt. Die Partei wurde auch nicht dafür gegründet, alles auf oberflächliches Marketing abzustellen. Ein zentralistischer Apparat hat die Willensbildung gleichgeschaltet, die Kritiker mundtot gemacht.
STANDARD: Was wäre bei der Wahl möglich gewesen?
Voggenhuber: Die Grünen haben nicht drei Prozent verspielt, sondern acht Prozent gegenüber den Möglichkeiten. Die Ergebnisse in anderen Staaten zeigen: Grün hat eigentlich Wind in den Segeln. In Österreich aber siegen obskure politische Figuren. Die Grünen bleiben einen Gegenentwurf schuldig - und tragen somit am Aufstieg der extremen Rechten Mitschuld.
STANDARD: Soll Eva Glawischnig als Parteichefin abtreten?
Voggenhuber: Es stellt sich jedenfalls die Frage, wie es die grüne Führung mit Verantwortung hält. Ein neues Kapitel ist offen. Gibt es keine Konsequenzen, ist die Existenz der Grünen bedroht. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2009)
ZUR PERSON: Der Salzburger Johannes Voggenhuber (59) sitzt seit 1995 im Europäischen Parlament. Zu Jahresbeginn haben ihn die Grünen als Kandidat abgewählt, er muss sein Mandat nun abgeben.
Der Ex-Bundessprecher der Grünen, Alexander Van der Bellen, über seinen Ruf als "ewige Nachwuchshoffnung", den Kampf gegen das Habsburgergesetz und unpopuläre Forderungen
Täter stahlen einige hundert Euro
Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig wirft ÖVP-Chef Josef Pröll vor, eine Koalition mit der FPÖ vorzubereiten
Frontalattacke gegen die Rechten - Grüne wollen "moralische Standards" in der Politik
Maria Vassilakou ist die alte und neue Frontfrau der Wiener Grünen - Warum sie sich nicht zur Vizebürgermeisterin erklären will, und wie die parteiinterne Erneuerung aussehen sollte
Glawischnig kritisiert Asyl-Debatte: Das stoße viele Menschen ab
Grünen-Bundesgeschäftsführer Stefan Wallner hält die hohe Zahl von Abtreibungen für ein Problem und die Mindestsicherung für eine Mini-Sicherung
Stefan Wallner, 38-jähriger Sozialexperte der Caritas, wechselt in die Politik
Niki Kunrath über die Besetzung der Au und die Parallen zu den Studierendenprotesten heute
Vassilakou fordert "Pakt gegen die Armut" - Besser dotierte Mindestsicherung, One-Stop-Shops und Joboffensive bei Sozialberufen
Die Grünen feiern 25 Jahre Hainburg - Eine Spaziergang zu den Wurzeln einer Partei, die eigentlich schon früher existierte
"Das Ermüdende an der Politik" beseitigen wollten die Grünen auf einem Zukunftskongress
99 Prozent für Maria Vassilakou als Spitzenkandidatin für Wien-Wahl - Auch Quereinsteiger Werner-Lobo auf Liste
Wollen die Grünen wirklich in Wien mitregieren, ist noch viel Basisarbeit notwendig - Von Martina Stemmer
Das würde er wahrscheinlich erst machen, wenn sie in einer gesetzgebenden Körperschaft sind. Denn für Kleinstparteien sind sich hohe Politiker ja zu Schade.
Das war auch bei Heide Schmidt, wie man sieht.
Eigentlich traurig... Politiker sind eben auch nur immer da, wenn es was zu holen gibt.
abseits davon, ob er nun der bessere oder schlechtere kandidat ist oder wie das mit seiner absaegung nun genau war - aber fuer diese causa "voggenhuber" ist voggenhuber genauso verantwortlich wie andere.
und seine beeindruckende selbstueberschaetzung gepaart mit einen patzen sexismus, machen ihm auch nicht sympathischer.
und nein ich bin kein gruener und schon gar nicht gehoer ich zu den sympithisantInnen einer glawischnig, van der bellens oder wie sie sonst noch heissen. ich hab naemlich schon genug probleme mit der partei, der ich zugehoerig bin, mit einen voves, burgstaller, haider, ...
Bitte hier posten!
http://tinyurl.com/pilzwillswissen
"Die Partei wurde auch nicht dafür gegründet, alles auf oberflächliches Marketing abzustellen. Ein zentralistischer Apparat hat die Willensbildung gleichgeschaltet, die Kritiker mundtot gemacht."
Hier spricht Voggenhuber exakt einen der Gründe an, warum ich schon seit 2 Wahlen nicht mehr grün wähle!
Der Verlust der Glaubwürdigkeit wäre ein weiterer Grund (nach der "Causa Voggenhuber").
Das oberlehrerhafte Gehabe und übertriebene "Politische-Korrektheit" (z.B. beimThema Migration im Zusammenhang mit den Aussagen von Efgani Dönmetz) ein anderer.
Das ständige Pushen der FPÖ und der verzweifelte Versuch, grüne Identität ausschließlich durch Abgrenzung von der FPÖ zu schaffen, ist der nächste Grund.
... aus ... weil kein Platz mehr
die wiener grünen haben mich wegen ihrer autofahrer-feindlichen poiltik verloren, die bundes-grünen wegen ihrem nein zur roten minderheitsregierung, dem balluch und der anti-LiF wahlkampagne und jetzt noch die eu-(inzwischen)-grünInnen wegen ihrer stalinistischen voggenhuber-demontage.
aber ihre politik brauchen die nicht ändern, meine stimme bekommen die sicher nicht so bald wieder.
Anstatt Voggenhuber wieder eine Bühne für vage Vorwürfe und Anschuldigungen zu bieten, hätte doch auch nachgefragt werden können:
1) Ob er bereut nicht für den zweiten Listenplatz kandidiert zu haben?
2) Wie stellt sich Voggenhuber einen "grünen Gegenentwurf" vor? Warum tritt er nicht damit an die Öffentlichkeit?
Voggenhuber gibt wirklich schwerwiegend klingende Anschuldigungen von sich, doch anstatt da nachzuhaken wird gefragt: "Soll Eva Glawischnig als Parteichefin abtreten?"
come on, Standard!
Dass Voggenhuber in seinen Wortmeldungen nicht selbst mehr auf Inhalte eingeht, sagt auch einiges über seine Motive aus. Dann wünsch ich mir aber von JournalistInnen, dass sie kritisch und gezielt nachfragen, sonst ist es uninteressant.
sburny:
Die Forderung der Salzburger Grünen, Voggenhuber als Kandidaten der Landespartei auf einen hinteren Listenplatz zu setzen, weist Sburny zurück. Zwar habe sie den Auftrag, bei der Listenerstellung regionale Fragen zu berücksichtigen. Gleichzeitig gebe es aber den Auftrag des Bundesvorstandes, Voggenhuber nicht auf die Kandidatenliste zu nehmen.
gebe es aber den Auftrag des Bundesvorstandes, Voggenhuber nicht auf die Kandidatenliste zu nehmen.
gebe es aber den Auftrag des Bundesvorstandes, Voggenhuber nicht auf die Kandidatenliste zu nehmen.
Ich wundere mich wie Sie auf "haltlos" kommen, denn darum ging es in meinem Posting überhaupt nicht.
Es geht um Voggenhubers Aussagen über "Machtversessenheit", "Hofstaat", "Eifersucht, Neid, Missgunst", "Mobbing", "oberflächliches Marketing", "zentralistischer Apparat", "... tragen somit am Aufstieg der extremen Rechten Mitschuld".
Auf KEINE dieser Aussagen ist der Interviewer eingegangen und hat nachgefragt, das habe ich kritisiert.
www.videodienste.at da ist sowas zu sehen
Ich habe mir erst einen Teil der Rede angehört, bin aber absolut hingerissen, sowohl was die Rhetorik als auch die Integrität des Redners betrifft.
Umso schader ist es, dass er damals die Option, als Listenzweiter zu kandidieren, zurückgewiesen hat.
Wahrscheinlich wäre er per Vorzugssstimmen eh Listenerster geworden.
weil er keinen EU-Versorgungsposten gekriegt hat wie der Strasser. Tja, muß er halt wieder Schuhe verkaufen, der Gute. Übrigens: Dass die Grünen in der Lage wären, 10 Jahre lang Arbeit zu leisten halte ich für ein Gerücht. Die Grünen sind höchstens in der Lage, 10 Jahre lang zu allem NEIN zu sagen, was irgendwie Sinn gehabt hätte.
... wenn ein Posten kein Versorgungsposten war, dann das Mandat von Voggenhuber im Europaparlament. Undifferenzierte Aussage - sorry!
Dieses Mandat hat er sich wirklich erarbeitet und verdient ... und ich kann durchaus nachvollziehen, dass diese glorreiche Entscheidung des grünen Parteivorstandes, den profiliertesten und kompetentesten grünen Europapolitiker abzuschießen, ihn ... naja, nicht gerade erfreut ... und auch, dass er da nicht einfach nur zuschaut.
Ich persönlich glaube auch, dass diese Entscheidung unklug war und wahrscheinlich den Grünen eine Menge Stimmen gekostet hat.
Voggenhuber aber sollte sich doch fragen, womit er die berühmten "BasiswapplerInnen" offensichtlich so verärgert hat, dass sie ihn trotz seiner bekannten Rolle als "Zugpferd" abgewählt haben.
Da es sich grade bei den Grünen um überdurchschnittlich kritische und reflektierte Leute handelt, die NICHT einfach automatisch einem "Befehl von oben" gehorchen und sehr wohl auch Faktoren wie "Wahlerfolgschancen" miteinbeziehen,muss diese Verärgerung sehr massiv gewesen sein.
Verfall nicht von einem Extrem in das Andere.
Nicht jede Art von Genderpolitik ist schlecht.
Das sich hier eine Art Sekte etabliert hat und die Sache aus dem Ruder gelaufen ist, ist eine natürliche Entwicklung, die beinahe jeder an sich guten Idee passiert.
Die entscheidende Frage ist: Ist eine Selbstkorrektur und Rückkehr zur Seriösität möglich?
maskulinisiert waren die Gruenen auch vor G. nicht... Ich glaube auch, dass auch wenn die Parteifuehrung nach aussen hin den Eindruck erwecken mag, dass es in der "Causa V." haupts. um das das Y (womoeglich doch kein eigener Buchstabe, sondern nur ein verkuemmertes X??) gegangen ist, so meine ich doch, dass beim Plebs eher sein Hirn und Schaffen von Relevanz waren.
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.