Strasser: Wahlkämpfer in eigener Sache erfolgreich

7. Juni 2009, 19:53
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Das Comeback eines Langzeit-Politikers

Seinen letzten Wahlkampfauftritt hatte er am Samstagabend um halb zehn in Tulln. Das ist für Ernst Strasser langjährige Routine: Er war selber für mehrere Wahlkämpfe der niederösterreichischen Volkspartei verantwortlich. In den Neunzigerjahren arbeitete er konsequent daran, Erwin Pröll zur identitätsstiftenden Figur für Niederösterreich aufzubauen - was zu Beginn auf Widerstand in der eigenen Landespartei stieß und einen Dämpfer für die ÖVP bei der Landtagswahl 1993 bewirkte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Strasser schon eine beachtliche politische Erfahrung hinter sich: Mit 25 Jahren, da studierte er noch in Salzburg, wurde der Bauernsohn Strasser vom damaligen oberösterreichischen Agrarlandesrat Leopold Hofinger aufgefordert, als parteifreier Kandidat einen Vorzugsstimmenwahlkampf für den Gemeinderat seiner Heimatstadt Grieskirchen zu führen. Strasser errang den Gemeinderatssitz - und bekam einen Job in Hofingers Büro.

Von dort ging es - gemeinsam mit Willi Molterer - in den Bauernbund zu Josef Riegler, später mit diesem ins Landwirtschaftsministerium und in die ÖVP-Bundesparteizentrale. Nach der Wahlschlappe bei der Nationalratswahl 1990 hatte Strasser vorläufig genug von der Politik: Er ging als Manager zur Umdasch-Gruppe, was ihn zum Niederösterreicher machte. Die Auszeit dauerte keine zwei Jahre - da holte ihn Pröll als Landesparteisekretär. Schickte ihn ins ORF-Kuratorium. Als Klubchef in den Landtag. Als Innenminister in die Regierung Schüssel.

Da erst wurde Strasser einer breiteren Öffentlichkeit bekannt: Weil er einen Gegenpol zur FPÖ bildete (und in der Spitzelaffäre gegen Freiheitliche ermitteln ließ), wurde er als die liberale Figur in der schwarz-blauen Regierung populär.

Dass er konsequent die Interessen der Volkspartei verfolgte, fiel erst später auf. Und ebenso dauerte es eine Zeit, bis klar wurde, dass unter Strasser zwar ein schärferer Ton gegen die Zuwanderung herrschte, diese aber keineswegs gebremst wurde.

Der Machtmensch Strasser wurde nun von vielen kritischer gesehen - in der mit der Gendarmerie zusammengelegten Polizei ebenso wie im politischen und privaten Umfeld. Daher trat er auf dem Höhepunkt seiner Erfolge zurück, mied jahrelang die Öffentlichkeit und nutzte seine Kontakte für Geschäfte im Energie-, Medien- und Politikberatungsgeschäft.

Bis ihn die alten Freunde aus Niederösterreich fragten, ob er sich ein Comeback vorstellen könnte. Das hat er am Sonntag gehabt.(Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2009)

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