Blaue verdoppeln sich

7. Juni 2009, 20:02
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Bleiben aber doch hinter Erwartungen - 13,4 Prozent Zustimmung für aggressiven EU-Wahlkampf

Einen stattlichen, jedoch keineswegs fulminanten Wahlerfolg fuhren die Freiheitlichen am EU-Wahlsonntag ein: Denn mit 13,4 Prozent der Stimmen landeten sie mit vier Prozent Abstand deutlich hinter der Liste des ebenfalls höchst EU-kritischen Hans-Peter Martin auf Platz vier.

Im Vergleich zum mageren Ergebnis bei den EU-Wahlen 2004 - damals kamen die Blauen wegen ihrer Turbulenzen als Regierungspartei nur auf 6,31 Prozent - brachten es Heinz-Christian Strache, Andreas Mölzer & Co. mit aggressiven Slogans ("Abendland in Christenhand" ), Sprüchen (die Grüne Ulrike Lunacek wurde als "Kampflesbe" desavouiert) sowie Inseraten, die vor einem Beitritt der Türkei und Israels warnten, aber immerhin auf eine Verdoppelung der Mandate im EU-Parlament. Statt eines Sitzes stehen ihnen nun zwei Sitze in Brüssel zu.

"Wir haben unser Wahlziel erreicht" , erklärte Mölzer am Wahlabend selbstbewusst. Die "Faschismuskeule" , die andere Parteien gegen die FPÖ ausgepackt hätten, habe "nicht gezogen" . Und Strache sah seine Partei gar als "großen Wahlsieger" , denn: "Wir haben mehr als 100 Prozent zugelegt." Außerdem hätten "von Rot bis Grün" alle gegen die FPÖ gehetzt, beschwerte sich der FPÖ-Chef und gelobte: "Wir werden weiterhin dafür sorgen, dass die Kreuze in den Klassenzimmern bleiben und der Nikolo in den Schulen kein Auftrittsverbot bekommt."

Neben dem Spitzenkandidaten - Mölzer ist seit fünf Jahren EU-Mandatar - zieht höchstwahrscheinlich Listen-Zweiter Franz Obermayr, Ex-Vize-Bürgermeister von Linz, nun Geschäftsführer einer Logistikfirma, ins EU-Parlament ein. Der Oberösterreicher äußerte sich im Wahlkampf übrigens auch herablassend über den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde wie der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf ("Ziehvater des antifaschistischen Linksterrorismus" ): Obermayr attestierte Muzicant "ein ganz unerhörtes Benehmen" , weil Muzicant die xenophoben Sprüche der Freiheitlichen verurteilt hatte. (red, DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2009)

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