Hochwürden, der himmlische Chartsstürmer

7. Juni 2009, 19:25
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Geübt hat er seine Stimme in den Buschenschänken im slowenisch-steirischen Grenzgebiet. Und plötzlich gewann er den Grand Prix der Volksmusik: Franz Brei, ein frommer Landpfarrer als internationaler Entertainer

Hochwürden schwingt sich im Pfarrhof aufs Fahrrad, tritt in die Pedale, bringt den kleinen Benzinmotor zum knattern und dreht ein paar flotte Runden. Franz Brei frohlockt: „Da schauen S', was? So bin ich immer unterwegs in der Gemeinde."

Er ist stets dort anzufinden, wo es hoch hergeht: In den Buschenschänken, bei den Dorffesten, er segnet Motorräder, Traktoren und bisweilen auch Pferde. Dann reitet er im Festgewand vorne weg. „Der Pfarrer gehört nicht nur in den Beichtstuhl oder die Kirche, er muss dort sein, wo die Menschen sind. Denn dort ist Kirche", sagt Brei. Und wenn die Musi aufspielt, umso besser. Denn auch Musik sei Seelsorge.

In seinen südoststeirischen Gemeinden, die er beseelsorgt, ist der rundliche Gottesmann so etwas wie der Hansi Hinterseer der _Diözese - von den fehlenden blonden Locken und pelzigen Moonboots abgesehen. Seine Sangeslust hat ihm kürzlich sogar den Sieg beim Grand Prix der Volksmusik eingetragen. Mit der Gruppe Signum intonierte er „Das Leben", eine melodisch wie textlich bescheidene Weise.

Aufmerksam wurde die Volksmusikbranche auf den Seelenhirten, als er mit den Raabtal-Dirndln vor Jahren eine CD aufgenommen hatte. Und jetzt ist er der Popstar auf dem Land. Mit der geziemenden Bescheidenheit seines Amtes, aber doch sehr effektiv schaut er, dass die Sache weiter ins Rollen kommt: In der Kirche liegen dezent Autogrammkarten und Infomaterial über den singenden Pfarrer auf. Professionell geht er vor dem _Standard-Fotograf mit Bibel und CD in Stellung. 

Franz Brei ist einer jener neuen Sangespriester, die ins Showbusiness drängen. Begonnen hat es vor mehr als 40 Jahren, als die Nonne Jeanine Deckers alias „Soeur Sour" mit „Dominique" einen weltweiten Hit gelandet hatte. Inzwischen ist das katholische Musik-Entertainment hochprofitabel organisiert. Deutschlands Kirche schickt immer wieder singende Geistliche in Musikbewerbe, die nordirischen katholischen Pfarrer „The Priests" reüssieren als die momentan erfolgreichste geistliche „Boygroup", und zuletzt waren es die Mönche vom Stift Heiligenkreuz, die mit ihren gregorianischen Gesänge in die Charts kamen. 

Ein kreuzbraver Popstar

„Die kenn ich persönlich, ich habe dort studiert", sagt der gebürtige Vorarlberger Brei, der eigentlich in der Diözese Vaduz zu Hause ist und an die Steiermark nur „verliehen" wurde. Seine Musikkarriere startet der 40-Jährige aus einer der ruhigsten Ecken der Steiermark, nahe der Grenze zu Slowenien. In dieser hügelig sanften Gegend lässt es sich schon aushalten. Eine der besten heimischen Schinkenmanufakturen („Vulcano") produziert hier, wie auch der Schokofabrikant Zotter, und was in den Buschenschänken ausgeschenkt wird, zählt mit zum Schmackhaftesten, was die Steiermark zu bieten hat.

In Unterlamm sind die Menschen fromm. Hier geht das Jahr seinen alten katholischen Gang. Franz Brei muss drei Gemeinde betreuen - wegen des Priestermangels. Ob es da nicht Zeit wäre, auch über die Pfarrerehe zu reden? „Wir müssen uns an die Gebote Gottes halten. Ich glaube nicht, dass es eine Lösung ist, die Priester unbedingt heiraten zu lassen." Und Frauen im Priesteramt ? Brei winkt auch hier ab: „Die Gebote Gottes ..."

Sagt's, und rauscht mit seinem Messner los zur 7-Uhr-Messe in den Nachbarort. Die dortigen Einwohner bauten eine kleine Holzkapelle. Das Priestergewand wird neben dem Auto übergestülpt, die kleine Schar wartet schon. Sie himmelt ihren nun berühmten Landpfarrer an. Danach noch schnell ein paar Foto-Posen vor der Kapelle. Das klappt wie am Schnürchen. Der Bischof kann entspannt den nächsten Grand Prix der Volksmusik, das Finale im August in München, bei dem Brei antritt, verfolgen: Sein Hirte verschafft der Kirche damit eine große Showbühne. Aber er kann gewiss sein: Der kreuzbrave Pfarrer Brei bleibt dabei fest im Fundament der Amtskirche verankert. (Walter Müller, DER STANDARD; Printausgabe, 8.6.2009)

  • Pfarrer Franz Brei beim Grand Prix der Volksmusik.
    foto:orf/ali schafler

    Pfarrer Franz Brei beim Grand Prix der Volksmusik.

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