Presse Institut ehrte "Nowaja Gazeta"

7. Juni 2009, 18:31
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"Free Media Pioneer Award" 2009 zeichnet "gewagte Verteidigung der Presse-Freiheit" des Blattes aus

Helsinki - Das Internationale Presse Institut (IPI) hat am Sonntag im Rahmen seines bis Dienstag andauernden Weltkongresses in Helsinki der russischen kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gazeta" den jährlich vergebenen "Free Media Pioneer Award" verleihen. Die Zeitung habe wachsenden Regierungsanstrengungen, um sie zu kontrollieren, widerstanden, und "teuer für ihre unerschrockene Berichterstattung über das vergangene Jahrzehnt" bezahlt, hieß es in einer IPI-Aussendung am Sonntag. Am bekanntesten ist der Fall der "Nowaja Gazeta"-Reporterin Anna Politkowskaja, die 2006 ermordet wurde.

Die Auszeichnung wurde "Nowaja Gazeta"-Chefredakteur Dmitri Muratow im Rahmen der 58. IPI-Generalversammlung übergeben. Muratow beschrieb Moskauer Regierungs-Durchgriffe gegen die Pressefreiheit in den vergangenen Jahren und meinte "sie wollen regieren, wie Stalin es tat, und leben, wie es Abramowisch (Roman, russischer Multimilliardär, Anm.) tut".

Barrieren des Kommunismus

IPI-Direktor David Dadge begründete die Auszeichnung für das Blatt mit dessen "gewagten Verteidigung der Presse-Freiheit". Einige Barrieren des Kommunismus seien in Russland noch übrig geblieben. Seit 2000 seien nach seinen Worten 32 Journalisten in Russland getötet worden, gebe es ein "beinahe vollständiges Fehlen" von unabhängiger Berichterstattung, und die Menschen seien durch den Mangel an Redefreiheit "schlecht bedient".

Neben Politkowskaja nennt IPI vier weitere Tötungen von Redakteuren der russischen Zeitung in den vergangenen zehn Jahren: Igor Domnikow wurde im Jahr 2000 von Unbekannten mit einem Hammer niedergeschlagen und erlag seinen Verletzungen. Juri Schtschekotschichin soll 2003 vergiftet worden sein - offizielle Todesursache war ein Hirnödem -, und die Journalistin Anastasija Baburowa wurde im Jänner dieses Jahres durch Schüsse getötet. 

Die "Nowaja Gazeta" wurde laut der Aussendung 1993 von früheren Mitgliedern der Moskauer Zeitung "Komsomolskaja Prawda" gegründet. Der ehemalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow und der Oligarch Alexander Lebedew sind Teileigentümer der Zeitung. (APA)

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