Finanzkrise reißt tiefe Löcher ins Öl-Universum

7. Juni 2009, 18:27
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Sie haben vielen Banken in der Krise unter die Arme gegriffen, und jetzt hofft sogar Porsche auf finanzielle Hilfe eines Staatsfonds

Der größte Staatsfonds der Welt, der Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), ist zugleich auch einer der mysteriösesten. Der Fonds, in den Öleinnahmen und Handelsüberschüsse des Emirates Abu Dhabi (VAE) fließen, teilt sich der Öffentlichkeit nur über eine dürre Homepage mit, und man weiß, dass in einem goldfarbenen Wolkenkratzer in Abu Dhabi rund 1100 Angestellte mit der Verwaltung eines grob geschätzten Vermögens von rund 875 Milliarden Dollar (626 Mrd. Euro) beschäftigt sind.

Über ADIA, im direkten Einfluss des Herrschers von Abu Dhabi und Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Khalifa Bin Zayed Al Nahyan, stehend, gibt es keine Bilanzen, keine Corporate Governance, Interviewtermine mit führenden ADIA-Managern sind so selten wie Regentage in den VAE.

Risikobereitschaft rächt sich

In einer Studie zu den Staatsfonds des US-Council on Foreign Relations (CFR) heißt es aber, dass die hohe Risikobereitschaft der Staatsfonds in den goldenen Jahren 2006 bis 2008 sich nun rächt. "Die Schätzungen über den gegenwärtigen und künftigen Reichtum der Golfstaaten-Fonds müssen revidiert werden" , urteilt CFR-Analyst Brad Setser. Grund: "Auch sie haben zuletzt hohe Verluste eingefahren und werden nun wesentlich vorsichtiger am internationalen Geldmarkt agieren müssen."

Setser schätzt, dass allein ADIA seit dem zweiten Quartal 2008 rund 150 Mrd. Dollar Buchverlust erlitt, unter anderem zurückzuführen auf die 4,9-prozentige Citigroup-Beteiligung vom November 2007. Der Aktienkurs der Bank ist seither von rund 50 auf 3,50 Dollar gefallen. Auch eine andere Investition, nämlich der Kauf des Chrysler Building in New York, sei rückblickend gesehen nicht der glücklichste Schritt gewesen.

Man muss aber berücksichtigen, dass der Zeithorizont im islamischen Raum und eines Mega-Investors wie ADIA ein anderer ist als im kurzlebigen Finanzgeschäft des Westens. Von Panik ist bei ADIA daher noch keine Spur.

Mit ADIA verbundene Fonds sind Mubadala (beteiligt u.a. an AMD und Ferrari), Abaar (beteiligt an Daimler) und IPIC - beteiligt an OMV, MAN Ferrostaal und an Barclays. Einen Großteil der Barclays-Beteiligung hat IPIC vor wenigen Tagen verkauft und einen Milliardengewinn erzielt.

Satte Abschläge

Insgesamt, so schätzt Analyst Setser, beläuft sich das Vermögen der arabischen Staatsfonds derzeit auf 1,2 Bio. Dollar (1200 Mrd. Dollar) gegenüber geschätzten 1,6 Bio. Dollar, als der Ölpreis im Vorjahr einen Höchststand markierte.

Der zweitgrößte Ölfonds im arabischen Raum ist die Saudi Arabian Monetary Agency (Sama) mit einem geschätzten Asset-Wert von rund 500 Mrd. Dollar. Durch eine konservativere Strategie, die mehr islamischen Prinzipien entspricht und der Tatsache, dass die Sama zugleich Zentralbank-Funktionen ausübt und den staatlichen Pensionsfonds Saudi-Arabiens verwaltet, fielen die Buchwerte seit Mitte 2008 nur um zwölf Prozent.

Porsche schielt nach Katar

Stark ist dagegen das Aktienengagement der Kuwait Investment Authority (KIA), des drittgrößten Players der Region. Anfang 2008 wurde das verwaltete Vermögen auf 260 Mrd. Dollar taxiert, seither dürfte der KIA-Fonds durch seine starke Exposition in Aktien rund 40 Prozent verloren haben. KIA gehören neben einem sechsprozentigen Anteil an der Citigroup auch 7,6 Prozent an Daimler und Beteiligungen an BP, Vodafone und der Commercial Bank of China.

Der Fonds des erdgasreichen Staates Qatar, die Qatar Investment Authority (QIA), hat einen Wert von rund 60 Mrd. Dollar - Abwertungen von Beteiligungen drückten den Buchwert um mehr als 40 Prozent. QIA ist unter anderem an Credit Suisse, Barclays und der Londoner Börse beteiligt.

Die Finanzkrise hat dazu geführt, dass die Scheichs zuletzt immer wieder Ziel von Bittstellern westlicher Manager und Politiker geworden sind. Bei Porsche dürfte das nun fruchten: Der Emir von Katar habe Porsche-Chef Wendelin Wiedeking mündlich zugesagt, dem Autobauer beizuspringen, berichtete das Magazin Focus. (Arno Maierbrugger aus Dubai, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.6.2009)

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    Das Vermögen der arabischen Staatsfonds beläuft sich derzeit Schätzungen zufolge auf rund 1,2 Billionen Dollar.

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