Moskau strebt Weltbank-Kredit an

7. Juni 2009, 16:10
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Budgetprobleme durch gesunkene Gas- und Ölexporterlöse - Finanzbedarf könne 2010 bei bis zu 10 Milliarden Dollar (7 Mrd. Euro) liegen

Moskau - Russland verhandelt wegen Budgetproblemen erstmals seit gut zehn Jahren wieder über einen Milliardenkredit mit der Weltbank. Russlands Finanzbedarf könne 2010 bei bis zu 10 Milliarden Dollar (7 Mrd. Euro) liegen, sagte der Leiter der russischen Weltbank-Niederlassung, Klaus Roland, in einem Interview mit der Staatsagentur RIA Nowosti. Es sei noch zu klären, welchen Anteil die Weltbank zur Verfügung stellen könne. Vertreter des russischen Finanzministeriums und der Weltbank hätten auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum erste technische Aspekte einer Kreditaufnahme erörtert, meldete die Agentur am Sonntag.

Der russische Finanzminister Alexej Kudrin hatte im April bei einem Treffen mit Weltbank-Chef Robert Zoellick in Washington auf die Engpässe im russischen Haushalt wegen der gefallenen Rohstoff-Erlöse hingewiesen. Nach Darstellung von Roland ist es aber verfrüht, über die Form der Unterstützung durch die Weltbank zu sprechen. Es könnten direkte Darlehen oder Garantien sein, sagte er. Eine Entscheidung über eine konkrete Summe werde voraussichtlich erst Anfang 2010 gefällt, wenn es mehr Klarheit über die Wirtschaftslage und die Entwicklung der Rohstoffpreise gebe.

 

Laut Kudrin wird Russland noch mindestens drei Jahre Probleme haben, den Haushalt auszugleichen. Den letzten nennenswerten Weltbank-Kredit hatte Russland 1998 aufgenommen, als das Land von einer Finanzkrise erschüttert wurde. Zwar verfügt Russland mit derzeit noch rund 380 Milliarden Dollar über die weltweit drittgrößten Währungsreserven. Allerdings ist ein Großteil des Geldes gebunden oder wird zur Tilgung von Schulden gebraucht. Der russische Haushalt wird vor allem auf Grundlage von Erlösen etwa aus Gas- und Ölexporten berechnet, die dramatisch gesunken sind.

Die Weltbank befürchtet in diesem Jahr einen starken Rückgang des russischen Bruttoinlandsprodukts um 4,5 Prozent und einen Kapitalabfluss von insgesamt 170 Milliarden Dollar (119,9 Mrd. Euro). Russland hatte deutlich gemacht, in diesem Jahr noch nicht auf internationale Finanzhilfen angewiesen zu sein. (APA/dpa)

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