EU-Weit

Wahlbeteiligung auf historischem Tiefstand

7. Juni 2009, 14:50

Von 61,99 im Jahr 1979 auf 43,01 - Etwas höher als 2004 in Frankreich, Skandinavien, Polen

Paris/Stockholm/Kopenhagen/Riga/Budapest/Warschau - Die Europa-Wahlen haben am Sonntag in weiten Teilen Europas einen eher schleppenden Verlauf genommen.
 
Die Beteiligung bei den Europawahlen hat 2009 einen historischen Tiefstand erreicht. Bei den ersten freien EU-Wahlen 1979 (der EU gehörten neun Staaten an, Anm.) betrug die Wahlbeteiligung noch 61,99 Prozent. Fünf Jahre später (zehn EU-Staaten) gaben 58,98 Prozent der wahlberechtigten EU-Bürger ihre Stimme ab, 1989 (EU 12) gingen 58,14 Prozent und fünf Jahre später (EU 12) 56,67 Prozent der Bürger wählen.

Im Jahr 1999 (EU 15) sank die Wahlbeteiligung mit 49,51 Prozent erstmals unter 50 Prozent, 2004 (EU 25) schritten 45,47 Prozent zur Urne. Heuer (EU 27) wurde mit etwa 43 Prozent der historische Tiefstand erreicht. Etwas höher als 2004 war die Beteiligung in Frankreich, Skandinavien und Polen.

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E.B.
00
10.6.2009, 02:28
was ist eigentlich mit den frauen los? 90 jahre wahlrecht und die meisten gehen noch immer nicht wählen.


in ö kommen 71 % der stimmen von männern, nur 29 % von frauen. malta ist ganz arg - 100 % m.
nur in wenigen ländern - dänemark, estland, schweden - ist es annähernd 50:50.

liegt es daran, daß überwiegend männer nur politik für männer machen und die frauen gemäß machotradition mit familienpolitik abgefertigt werden?
ist das ergebnis deshalb so weit rechts
und rücken die parteien deshalb immer mehr nach rechts,
weil die frauen ihre soziale verantwortung nicht einbringen
aber die männer immer weniger soziale verantwortung übernehmen, weil die frauen ihr eigenes geld verdienen und nicht mehr so abhängig sind?
wieso werden weibliche spitzenkandidaten von vielen frauen nicht einmal in erwägung gezogen, egal ob EP, NR oder BP wahl?


Zuckerlilly Zuckerlilly
01
Eigentlich wäre die Wahlbeteiligung noch viel niedriger gäbe es nicht die Wahlpflicht in einigen Ländern (Belgien, Griechenland)

und wären nicht gleichzeitig in einigen Regionen Landes-bzw. Kommunalwahlen abgehalten worden, was im Schnitt eine 10%ige Erhöhung auch für die EU-Wahlbeteiligung ergibt.

Christoph ************
00

Das bezweifle ich. Es handelt sich hierbei fast durchwegs um kleine Länder und es ist ja nicht so dass die Wahlbeteiligung ohne diese Faktoren auf 0% abstürzen würde.

Zuckerlilly Zuckerlilly
00
Griechenland und Belgien fallen mit ca. 22 Mill. Einwohnern ins Gewicht, also 2,5 Mal Österreich.

Sie müssen hier kein Strohmann-Argument aufbauen ("auf Null fallen"), denn selbstverständlich würde sich eine Wahlbeteiligung in diesen Ländern von rund 40% (falls sie denn so hoch wäre) statt 90+% in der Statistik bemerkbar machen. Ebenso würde sich eine um 10% geringe Wahlbeteiligung in jenen deutschen Bundesländern bemerkbar machen, die gleichzeitig noch Kommunalwahlen laufen hatten.

Hans Soanders1
00
Wahlbeteiligung

Diese schrumpft offenbar, je mehr Mitglieder die Union hat. Es scheint hier also einen kausalen Zusammenhang zu geben. Die Konsequenz: Die EU sollte sich wieder auf das Level der 12 zurückschrumpfen. Das hätte für die 12 den Vorteil, dass sie wesentlich effizienter Entscheidungen treffen könnten, die Zusammenarbeit könnte intensiviert werden und man wäre schlagkräftiger. Auch wären die 12 auf gleicher Augenhöhe. Für die EU-Gegner (auch in Österreich) wäre damit ebenfalls ein Traum erfüllt. Sie hätten endlich ihr "anderes", nationalstaatliches Europa, wieder ihre eigene Währungen etc. Sie könnten sich dann wieder zur EFTA zusammentun - und genauso erfolglos wie damals sein. Das hätte doch was...

EU-Austretter
12
Die EU hat ein Legitimationsproblem.

Sie ist der Sache, der Fülle und Bedeutung nach ein Staat, juristisch aber nicht, weil man sich das den Wählern gegenüber nicht traut - zurecht, für einen EU-Staat gibt es keine Mehrheiten. Auch diese Verlogenheit, einen De-facto EU-Staat zu installieren und so zu tun, als wäre das nicht so, ist mit der niedrigen Wahlbeteiligung abgestraft worden. Und natürlich, dass das EU-"Parlament" nur dem Namen nach ein solches ist, die Gründe habe ich schon ein paar mal aufgelistet.

Christoph ************
00

Die EU ist kein Staat dazu fehlen ihr wichtige Kompetenzen. Das ist auch kaum umstritten in den Politikwissenschaften soviel ich weiß. Sollte ich mich da täuschen, können Sie mich ja gerne aufklären.

Sie haben anscheinend auch nicht ganz verstanden was hier gewählt wurde. Kleine Hilfe: Es war das europäische Parlament wo man sowohl Integrationisten als auch EU Skeptiker wählen konnte. Es war kein Referendum über einen ominösen "EU-Staat".

Ihre Gründe die sie bisher aufgelistet haben sind meiner Meinung nach nicht stichhaltig um dem EP den Status eines Paralments abzuerkennen.

Die Wahlbeteiligung war wirklich sehr niedrig. Sie war aber kaum niedriger als letztes mal und beim letzten mal war zB noch gar keine Rede von Lissabon.

Zuckerlilly Zuckerlilly
01
Wenn die EU kein Staat ist (wie Sie richtig anmerken) wozu dann ein (Schein)Parlament?

Und wozu dann diese teuren Wahlen?

Christoph ************
00

Lesen Sie doch mal nach was Supranationalismus ist. Für die Schließung Ihrer Bildungslücken bin ich nicht zuständig.

Durch die bloße Behauptung wird ein Parlament übrigens noch zu keinem "Scheinparlament".

Zuckerlilly Zuckerlilly
00
Supranationalismus hat mit der Definition welche Entität die EU nun eigentlich sei, überhaupt nichts zu tun.

byron sully
00
es fällt auf,

daß sich in vielen ländern die beteiligung zu 2004 tendenziell kaum verändert hat. das heißt, es waren im großen und ganzen in etwa die gleichen leute wählen. was wiederum heißt, daß da in so manchen ländern zwei (etwa ähnlich große) klassen entstehen: permanente eu-wählerInnen und permanente eu-nichtwählerInnen (natürlich etwas verkürzt dargestellt). diese auseinanderentwicklung macht nachdenklich...

Christoph ************
00

Das kann sein, muss aber nicht. Dazu müsste man sich die Wählerstromanalysen anschauen, denn auch bei konstanter Wahlbeteiligung kann es zu einem großen Austausch kommen.

byron sully
00
stimmt,

auf österreich scheint es durchaus zuzutreffen, wenn die wählerstromanalyse stimmt. denn da dürfte es anscheinend kaum eine direkte wählerwanderung von der spö zur fpö gegeben haben, sondern a) eine von der spö zu nichtwählerInnen und b) eine von nichtwählerInnen zur fpö.

Werner FROELICH
01
und in Schweden hats die Piratenpartei geschafft 1- 2 Sitze

Aufruf an den österreichischen Zweig:

Macht was bei den nächsten Wahlen. Ich tue mit!

Das wäre die Chance für eine erste echte europäische Partei!

Christoph ************
00

Ist die Piratenpartei nicht abseits der digitalen Themen Europa kritisch?

Christoph ************
01

"Neuer historischer Tiefstand" bei einer Wahlbeteiligung die nur 2 Prozentpunkte von der letzten entfernt liegt halte ich für eine etwas starke Bezeichnung.

Ich würde hier eher schreiben die Wahlbeteiligung verbleibt auf extrem niedrigen Niveau. Das trifft die Sache wohl besser.

Bauti11
00

was soll eigentlich der seltsame Ausdruck "erste freie EU-Wahlen 1979"?

standardised
 
00

Vor 1979 gab es keine Direktwahl.

http://de.wikipedia.org/wiki/Europawahl

Helmut.Hromadnik
 
84
extrem niedrige wahlbeteiligung und mehrheit für konservative kein wunder !

der neoliberale kapitalismus, der in der EU im verfassungsvertrag festgeschrieben ist, motiviert die konservativen, die oft profiteuere dieser wirtschaftsform sind, wählen zu gehen.

anhänger von parteien, bei denen soziale anliegen an erster stelle stehen, sehen, dass die EU in diesem sinne zu ändern aussichtslos ist, auch wenn sie wählen gehen würden.

das zentale anliegen der EU ist nämlich freie bahn für einen raubtierkapitalismus zu schaffen, egal was mit den lohnabhängigen in den mitgliedsländern geschieht.

produktionen werden dorthin verlegt, wo die menschen, oft kinder, um ein butterbrot arbeiten müssen.

verkauft wird dort, wo die profite am größten sind.

dass die arbeitslosen sich die produkte nicht mehr kaufen können ist egal.

net-diver
 
00
Hmmm...

... dann müssten:

- aber ziemlich viel profitieren!?
- die Gegner augenscheinlich demokratiepolitisch unwissend sein.
- die nationalen Parlamente eben mehr tun, Sozialpolitik ist Sache der Nationalstaaten
- alle Privatfirmen verstaatlicht werden, ob börsennotiert oder nicht, da es ja deren Entscheidung ist wo man produziert.
- siehe oben. Wo soll sonst verkauft werden?
- siehe oben. Das hat mit der EU nur sehr am Rande zu tun. Oder glauben Sie wirklich, dass die Sozialpolitik oder die in A die Sozialpartner von der EU gesteuert werden - alle?

Genau genommen klagen Sie, wie für viele EU Gegner typisch, nationale Probleme sinnloserweise bei der EU ein.

Helmut.Hromadnik
 
00
zu ihrer kritik nach punkten :

- konservative fühlen sich im kapitalistischen milieu eben wohl !
- unwissend ? sie wissen, dass sie die EU nicht ändern können.
- deshalb muss nicht verstaatlicht werden, es genügen legistische regelungen, an die sich firmen bzw. das kapital zu halten hat, wie gehabt
- das ausnützen von gewaltigen einkommensunterschieden, zb. in niedriglohnländern und bei uns, um riesengewinne zu erzielen, ist unmoralisch und gehört deshalb abgestellt.
- das hat mit der EU sehr wohl zu tun, da EU-recht nationales recht bricht !
- österreich hat nicht mehr die möglichkeit selbst zu entscheiden, was zu tun ist, um unser soziales niveau zu halten.
- man hat uns versprochen, sind wir erst in der EU wird alles besser.
das gegenteil ist der fall.

net-diver
 
00
Naja...

...
- das sind augenscheinlich sehr viele und ob das alle Konservative sind ist zu bezweifeln.
- wer informiert ist erkennt sehr wohl den Sinn dieser Wahl.
- wie wollen Sie private Firmen daran hindern im Ausland zu produzieren?
- wenn Sie die Chinesen und/oder die USA dazu bringen sich in der Geschäftswelt moralisch zu verhalten, dann wird das in der EU oder in A auch kein Problem sein. Bis dahin kann Ihre Aussage keine Gültigkeit haben.
- die EU bricht definitiv kein nationales Recht. Sagen Sie mir ein Beispiel.
- jeder Nationalstaat ist für seine Sozialausgaben selbst verantwortlich, was verstehen Sie hier nicht?
- ich sehe seit dem EU-Beitritt keine Verschlechterung, im Gegenteil, es geht uns wirtschaftlich besser und stabiler.

JA zum EU-Austritt
00
11.6.2009, 20:30

WEM in Österreich geht es "wirtschaftlich besser und stabiler"???
Ja, auf die oberen Zehntausend in Österreich trifft das sicher zu.

net-diver
 
00
12.6.2009, 11:12
Allen...

... die sich nicht aufregen. Und allen Firmen die nicht so blöd waren bei der Finanzkrise mitzuspielen etc.

Gluck
00

Die Anzahl der Nichtwähler spiegelt die Rate der demokratiepolitische Unwissende, das muss man leider so sehen.

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