Arcandor droht schon am Montag die Insolvenz

7. Juni 2009, 09:35
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Staatlicher Notkredit in Höhe von 437 Mio. Euro benötigt - Krisentreffen am Sonntag - Metro gibt eine Art Jobgarantie ab

Essen - Dem angeschlagenen deutschen Handels- und Tourismuskonzern Arcandor ("Quelle", "Karstadt", "Neckermann Reisen") droht bereits am Montag die Insolvenz. Wenn die deutsche Bundesregierung den beantragten Notkredit von 437 Millionen Euro am Montag ablehne, müsse Arcandor noch am gleichen Tag Insolvenz anmelden. "Dann bleibt uns keine andere Wahl", sagte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski am Samstag. Ohne staatliche Hilfszusage werde Arcandor am kommenden Freitag zahlungsunfähig. Dann läuft ein 650-Millionen-Euro-Kredit aus.

Die Zahlungsunfähigkeit soll bei einem Krisentreffen in letzter Minute abgewendet werden. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Gerhard Eick werde sich am Sonntag mit dem Chef des Handelskonzerns Metro ("Mediamarkt", "Kaufhof"), Eckhard Cordes, und dem Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Alexander Dibelius, treffen, sagte Koslowski. Goldman Sachs ist Haupteigentümer der Immobiliengesellschaft Highstreet, der die meisten Karstadt-Warenhäuser gehören. Karstadt zahlt Medienberichten zufolge seit Freitag keine Miete mehr.

Cordes sieht bei einer Übernahme der Karstadt-Filialen durch Kaufhof für fast alle davon betroffenen Mitarbeiter eine "sichere Zukunft". In der "Bild am Sonntag" schlug Cordes einen "Rettungspakt für Arbeitsplätze" vor. Metro bringe dabei seinen "profitablen Kaufhof" ein, doch müssten nun auch die Karstadt-Lieferanten ihre Kosten senken. Selbst die 5000 Mitarbeiter in den 30 zu schließenden Karstadt-Filialen müssten nicht sofort um ihren Job fürchten. Es solle eine "Transfer- und Sicherungsgesellschaft" gegründet werden, und Metro würde für diese Mitarbeiter einen Beitrag dazu leisten, dass sie "ein bis zwei Jahre in Lohn und Brot bleiben könnten und in weiten Teilen eine sichere Zukunft erhalten." Und weiter: "Nur dort, wo es nicht anders geht, würde komplett geschlossen und Personal abgebaut werden."

An dem Krisengespräch werde auch der Arcandor-Aufsichtsratsvorsitzende Friedrich Carl Janssen teilnehmen. Janssen vertritt den Arcandor-Großaktionär Sal. Oppenheim. Die deutsche Regierung verlangt als Voraussetzung für staatliche Hilfe einen größeren Sanierungsbeitrag der Eigentümer. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung: "Wir können nicht zulassen, dass der Steuerzahler dafür einspringen muss, dass andere eine Misswirtschaft betrieben haben und heute nicht für den Schaden eintreten wollen."

Der Arcandor-Sprecher sagte dazu, der Konzern habe in Berlin ein Konzept vorgelegt, das erhebliche Beiträge von Mitarbeitern, Eigentümern und Partnern zur Sanierung des Konzerns beinhalte. Zusammen beliefen sich diese Zugeständnisse auf fast 700 Millionen Euro. Laut Medienberichten will die Privatbank Sal. Oppenheim eine geplante Kapitalerhöhung von 100 auf 150 Millionen Euro veranlassen. Der "Spiegel" schreibt, Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, die in den vergangenen Jahren bereits massiv Vermögen verloren hatte, soll bereit sein, allenfalls noch einmal 40 Millionen Euro nachzuschießen.

Metro-Chef Cordes hält einen Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt zu einer Deutschen Warenhaus AG innerhalb von zwei Monaten für möglich. "Wir haben der Politik und Karstadt einen zügigen Vier-Stufen-Plan zur Rettung angeboten", sagte er der "Bild am Sonntag". Cordes will Berichten zufolge 60 der 91 Karstadt-Filialen mit der Kaufhof-Kette von Metro verschmelzen.

Wegen der hohen Mietzahlungen für die Karstadt-Warenhäuser ist indes der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhof ins Zwielicht geraten. Er soll nämlich gemeinsam mit seiner Frau an einem Immobilienfonds beteiligt gewesen sein, der Gebäude an Karstadt vermietet haben soll. Die deutsche Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", die Justiz solle nun prüfen, ob es "strafbares Verhalten von Herrn Middelhoff - etwa wegen Untreue" gegeben habe. Middelhof begrüßte die Initiative der Justizministerin in einem Gespräch mit der "Welt am Sonntag". Zwar sei der gesamte Sachverhalt bereits intensiv vom Unternehmen, Wirtschaftsprüfern und Anwälten geprüft worden. Eine juristische Untersuchung werde "den jetzt aus der Anonymität heraus vorgetragenen Angriffen den Boden entziehen", fügte er hinzu. (APA/dpa/AFP)

 

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