Fiat bleibt trotz Rückschlags an Chrysler dran

9. Juni 2009, 17:51
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US-Gericht verzögert die Übernahme des Autobauers

Turin/Washington - Der Verkaufsprozess der ehemaligen Daimler-Tochter Chrysler an den italienischen Autobauer Fiat wurde abgebremst. Wenige Tage vor dem Ablauf einer Frist zum Abschluss der Transaktion setzte das Oberste Gericht der USA das Geschäft aus. Eine Richterin räumte der letzten juristischen Instanz mehr Zeit ein, Einsprüche einiger Gläubiger zu prüfen.

"Fiat wird sich aus dem Geschäft nicht zurückziehen, auch wenn bis zum 15. Juni keine Einigung erzielt wird", sagte ein Konzernsprecher am Montag. Wie bei der ehemaligen Opel-Mutter General Motors strebt die US-Regierung ein schnelles Insolvenzverfahren an, um das Vertrauen der Kunden nicht zu verlieren. Deshalb setzte sie auf eine rasche Freigabe durch die Gerichte. Andernfalls drohe ein Scheitern des Restrukturierungsplanes und die Pleite des drittgrößten Autobauers der USA.

Auch GM soll nach einem ähnlichen Muster saniert werden und unter der Insolvenz an einen neuen Eigentümer übertragen werden. In beiden Fällen entwickelte sich aber der Widerstand der Gläubiger zum größten Hindernis, die sich gegenüber anderen Anteilseignern benachteiligt fühlen.

Der Beschluss von Richterin Ruth Bader Ginsburg gilt bis auf eine weitere Anordnung des Gerichts oder von ihr selbst. Ein Regierungsvertreter erklärte, das Gericht wolle offenbar mehr Zeit gewinnen, um den Fall zu prüfen. Chrysler lehnte eine Stellungnahme zu dem Entscheid ab.

Widerstand aus Indiana

Drei Pensionsfonds aus dem Bundesstaat Indiana hatten das Oberste Gericht am Sonntag aufgefordert, den Verkauf auszusetzen. Die Fonds werfen dem Finanzministerium vor, mit der Vergabe von Hilfen aus dem Banken-Rettungspaket Kompetenzen überschritten zu haben. Außerdem seien im Insolvenzverfahren Inhaber von besicherten Anleihen im Vergleich zu den Gewerkschaften schlechter behandelt worden.

Als Vertreterin des US-Justizministeriums hatte Generalstaatsanwältin Elena Kagan zuvor erklärt, eine Blockade des Geschäfts habe "gravierende Konsequenzen". Der auf Unternehmenssanierungen spezialisierte Anwalt Steven Gross warnte: "Wenn das Gericht zu lange wartet, könnte es Chrysler schon nicht mehr geben." Es sei ihm nicht klar, warum das Gericht den Entscheid hinauszögere. "Die ganze Sache ist ziemlich ungewöhnlich." Die rentablen Teile Chryslers sollen nach der Restrukturierung Fiat, einem Gewerkschaftsfonds und den Regierungen der USA und Kanadas gehören.(Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 10.6.2009)

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