Ein erbost begrüßter Dopingprozess

6. Juni 2009, 16:44
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Empört und erfreut ist Pe­ter Schröcksnadel darüber, dass ihm und neun anderen aktuellen oder ehemaligen ÖSV-Mitgliedern we­gen des Turiner Olympia­skandals in Italien der Prozess gemacht wird

Wien/Turin - In Turin wird vermutlich im Herbst versucht, vor Gericht ein dunkles Kapitel der österreichischen Sportgeschichte aufzuarbeiten. Staatsanwalt Raffaele Guariniello hat nach mehr als dreijährigen Ermittlungen Anklage gegen zehn aktuelle bzw. ehemalige Mitglieder des österreichischen Skiverbandes (ÖSV) erhoben. Der Vorwurf: Begünstigung von Doping vor und während der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin. Prominentester Angeklagter: ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Ebenfalls angeklagt: der damalige nordische Sportdirektor Markus Gandler, heute für Biathlon verantwortlich, Extrainer Walter Mayer, der ehemalige Langlauf-Cheftrainer Emil Hoch, der Sportmediziner Peter Baumgartl, die Exbiathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann sowie die Langläufer Martin Tauber, Johannes Eder und Jürgen Pinter.

Schröcksnadel ist einerseits empört über die Anklage, die das Anmieten von Quartieren außerhalb des olympischen Dorfes zum Zwecke des Dopings unterstellt, anderseits aber auch erfreut über die "gute Gelegenheit, um erneut zu beweisen, dass dem Österreichischen Skiverband nichts vorzuwerfen ist" . Im Übrigen sei es ihm " wie auch vielen sportbegeisterten Österreichern zuwider, stets erneut mit dieser alten und längst gründlich aufgeklärten Geschichte konfrontiert zu werden" .

Gandler mutmaßt, dass "man unseren Präsidenten anpinkeln will. Und leider gibt es dafür eine Plattform, denn in Turin ist ja nicht alles astrein gewesen. Aber unser Präsident hatte daran keine Schuld." Der ÖSV wird in dieser Sache von Manfred Ainedter vertreten, der auch Bernhard Kohl und Lisa Hütthaler unter seinen Fittichen hat. Ainedter bezeichnet die Anklage als Skandal. Das Ganze sei ein "Schauprozess, der politisch motiviert sein dürfte" . ÖSV- Generalsekretär Klaus Leistner wies darauf hin, dass Schröcksnadel mit Auswahl und Anmietung der Quartiere nichts zu tun hatte, sie seien übrigens vom Österreichischen Olympischen Comité (ÖOC) genehmigt worden.

Mayer, gegen den auch nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft wegen Weitergabe von Dopingsubstanzen ermittelt wird, ließ über seinen Anwalt wissen, dass er den Sachverhalt beim Prozess so umfassend erhellen möchte, "dass es keine Zweifel gibt, dass ich weder etwas Verbotenes gemacht habe noch tun konnte." (red, DER STANDARD, Montag, 8. Juni 2009)

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    Markus Gandler stellt sich vor seinen Präsidenten: "Hatte keine Schuld."

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    2006 im Fokus: das Haus der ÖSV-Biathleten in San Sicario.

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