Bibbern, wenn die Sonne brennt

6. Juni 2009, 10:37
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Ungewöhnlich, aber wahr: Die Kraft aus der Sonne kann auch zu Kühlzwecken genutzt werden

Interessant ist die solare Kühlung vor allem für diejenigen, die eine bestehende Sonnenkollektor-Anlage aufrüsten wollen.

Die Schwitzsaison beginnt. Coole Penthäuser und das, was der Volksmund gerne als Glasarchitektur bezeichnet, machen dem Wohlbefinden einen fetten Strich durch die Rechnung. Trotz strenger werdender Dämmvorschriften nimmt der Kühlbedarf von Gebäuden kontinuierlich zu. Obwohl die meiste Kühlenergie in den Bürobau fließt, ist auch der Wohnbereich vor zusätzlicher Klimatisierung nicht gefeit. Einer Studie des Deutschen Kälte- und Klimatechnischen Vereins (DKV) zufolge wird der jährliche Stromverbrauch zur Kühlung von Wohnungen und Einfamilienhäusern bis zum Jahr 2020 um mehr als 50 Prozent steigen.

Stromschlucker

"Kältemaschinen beziehen gewaltige Mengen an Strom", erklärt Harald Blazek, Projektleiter bei der Solid Gesellschaft für Solarinstallation und Design GmbH, "da ist es unvermeidbar, nachhaltig zu agieren und die Energie für die Kühlung à la longue aus der Sonne zu generieren". Was sich utopisch anhört, ist bereits Realität: Sonnenkollektoren mit speziellen Kompressorpumpen und Absorptionsmaschinen wandeln die Kraft aus der Sonne in eisige Kälte um – und zwar ganz ohne Strom.

"Solare Kühlung gehört derzeit noch zu den unbekannteren Technologien", sagt Blazek, "viele Kunden sind sich dessen nicht bewusst, dass man mit solarer Energie auch kühlen kann." Die Grundidee sei einfach: "Wenn die Sonne am kräftigsten scheint und höchster Kühlbedarf herrscht, hat man gleichzeitig den größten Output."

Kaltwasser oder Kaltluft

In der Praxis gestaltet sich die Installation einer solaren Kühlung jedoch etwas schwieriger. "Die Sonnenkollektorfläche muss mindestens an die 30 Quadratmeter betragen", sagt Robert Sonnleitner, Marketingleiter bei der Solution Solartechnik GmbH, "alles, was darunter ist, reicht nicht aus, um eine Einheit in der Größe eines Einfamilienhauses mit der nötigen Kälte zu versorgen."

Auch die nachgeschaltete Technik hat's in sich. Je nachdem, ob die niedrige Temperatur mittels Kaltwasser oder Kaltluft generiert wird, bedarf es einer mehr oder weniger großvolumigen Haustechnik. Die benötigten Geräte weisen Abmessungen jenseits von einem Kubikmeter auf. Schließlich muss die bei der Kälteerzeugung angefallene Abluft – ganz so wie bei einem Kühlschrank – wieder irgendwo entweichen. Dies geschieht entweder über einen eigenen Kühlturm, der im Freien aufgestellt wird, oder über eine Tiefenbohrung, in der sich die warme Abluft wieder abkühlt. Im Einzelfall ist zu überprüfen, welches Verfahren sinnvoller und günstiger ist.

Solare Kühlung noch zu teuer

Das ist der wunde Punkt. "Was die Technologie betrifft, ist die solare Kühlung schon ausgereift", erklärt Sonnleitner, "aber solange die Stückzahlen nicht steigen und der Preis nicht sinkt, kann man kaum von Marktreife sprechen. Vor allem für Private ist das System bisher noch zu teuer." In Zahlen: Wer sein Einfamilienhaus mit der Kraft aus der Sonne runterkühlen will, muss rund 30.000 bis 40.000 Euro berappen. Damit kostet die solare Kühlung das Doppelte einer herkömmlichen Klimaanlage vergleichbarer Größe – bestenfalls also eine Lösung für Öko-Freaks und Pioniere.

Auch Werner Pink, Junior-Chef der Pink GmbH, bestätigt: "Sinnvoll ist das System in erster Linie für diejenigen, die bereits eine solare Anlage zur Beheizung und zur Warmwasseraufbereitung installiert haben. Da die primäre Technik die gleiche ist, können die meisten Sonnenkollektor-Anlagen relativ problemlos um ein Kälte-Kit erweitert werden."

Je nach Anbieter dauert die Nachrüstung bestehender Systeme vom ersten Besuch vor Ort bis zur Inbetriebnahme zwischen ein und drei Monaten. Mit rund 15.000 Euro Investitionsvolumen – ab diesem Preis ist eine Absorptions-Kältemaschine zu haben – können Besitzer von solar beheizten Häusern auf eine völlig stromfreie und ökologische Alternative zur Klimaanlage zurückgreifen. Der Haken am nachhaltigen Chillen: "Kalt wird's nur, wenn die Sonne scheint", so Pink, "bei drückender Wolkenschwüle und in den Abendstunden ist weiterhin Schwitzen angesagt." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.6.2009)

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    Warm anziehen: Solarenergie kann mittlerweile auch für Kühlung verwendet werden. Kalt wird's dann aber nur, wenn die Sonne scheint.

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