Anwälte bedrängen Angehörige der Opfer

6. Juni 2009, 09:28
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Brasilianischer Verbandschef rügt "Aasgeier"-Verhalten mancher seiner Kollegen

Rio de Janeiro - Nach dem Absturz einer Air-France-Maschine auf dem Weg von Brasilien nach Frankreich werden die trauernden Angehörigen der Flugzeuginsassen offenbar von Anwälten auf der Suche nach lukrativen Aufträgen belästigt. Der Vorsitzende des brasilianischen Anwaltsverbands OAB für Rio de Janeiro, Wadih Damous, erklärte am Freitag (Ortszeit) auf der Website des Verbandes, die Air-France-Chefin in Brasilien, Isabelle Birem, habe ihn unterrichtet, dass Verwandte der vermissten Flugzeuginsassen in ihrem Hotel von Anwälten aufgesucht würden, die ihre Dienste anpriesen. Dies habe bei den Trauernden "große Bestürzung" ausgelöst.

Damous erklärte, er werde den Vorwürfen nachgehen und Verstöße gegen den Berufsethos ahnden. "Ein Anwalt ist kein Aasgeier, der die Witterung von menschlichem Leid aufnimmt", schrieb der Verbandspräsident. Er lehne das rücksichtslose Verhalten einiger weniger Juristen ab, sie stünden aber nicht für die Mehrheit der Anwälte. Damous wollte auch prüfen, ob außer brasilianischen Anwälten auch Vertreter von ausländischen Kanzleien die Angehörigen belästigt hätten. Ihm sei zu Ohren gekommen, dass mit einem Touristenvisum eingereiste ausländische Anwälte in Brasilien illegal ihren Beruf ausübten.

Der Airbus A330 war am Montag auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris mit 228 Insassen, darunter 28 Deutsche, abgestürzt. Marine-Schiffe sowie Hubschrauber und Flugzeuge suchten am Samstag weiter nach Überresten der Maschine, die Absturzursache war weiter unklar. (APA/AFP)

 

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