Sterneköche wollen Michelin retten

5. Juni 2009, 21:31
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"Einstellung des Restaurant-Guides wäre existenzbedrohend"

Wien - Simon Taxacher, im Michelin-Guides für Österreich mit zwei (von maximal drei) Sternen bewerteter Spitzenkoch aus Kirchberg in Tirol, glaubt fest daran, auch 2010 wieder mit "zumindest" derselben Bewertung im Guide aufzuscheinen. Dass es einen Michelin-Führer 2010 für Österreich wegen geschäftlichen Misserfolgs gar nicht mehr geben wird (der Standard berichtete), nimmt Taxacher zwar zur Kenntnis - hinnehmen will er es aber nicht: "Michelin ist der absolut wichtigste Führer für die Spitzengastronomie, ganz speziell für ausländische Gäste. In den fünf Jahren seit Erscheinen des Österreich-Guides hat es einen massiven Zuwachs an Gästen, aber auch an Qualität gegeben." So habe sich die Zahl der Zweisterner in dieser Zeit auf zehn verdoppelt.

Gemeinsam mit Kollegen wie Lisl Wagner-Bacher, Heinz Reitbauer, Silvio Nickol, Walter Eselböck, Didi Dorner oder Johanna Maier will er jetzt "vom Wirtschaftsminister abwärts" alles mobilisieren, um doch noch eine Umkehr zu bewirken: "Die Hauptrolle müssen aber die Gäste spielen. Wer auch in Zukunft Top-Gastronomie in Österreich erleben will, sollte an die Michelin-Vertretung in Karlsruhe (D) schreiben und seinen Unmut kundtun" , so Taxacher.

Parallel dazu hat Minister Reinhold Mitterlehner zugesichert, via Österreich Werbung bei der Michelin-Zentrale in Paris zu intervenieren. "Michelin ist nun einmal die einzig wirkliche internationale Messlatte" , sagt dazu Heinz Reitbauer vom Steirereck, der vom Fachblatt Restaurant Magazine soeben unter die 50 besten Köche der Welt (konkret auf Platz 30) gereiht wurde: "Wer sein Niveau mit international erfahrenen Mitarbeitern heben möchte, braucht Michelin-Sterne - sonst kommen die sich nicht einmal vorstellen."

Taxacher glaubt, Michelin auch eine Lösung zum Guten anbieten zu können, die verhindern soll, "dass Österreich von der gastronomischen Landkarte verschwindet" : In ersten Gesprächen hätten Brauereien und Gewürzhersteller spontan angeboten, liegengebliebene Auflagen aufzukaufen. Ein Angebot sei bereits nach Paris unterwegs. Michelin-Pressesprecher Thomas Stockmayer kann das bestätigen. Allerdings: "Das Wichtigste für Michelin ist die Unabhängigkeit des Guides. Und die ist nun einmal nur durch regulär verkaufte Exemplare sicherzustellen." (Severin Corti/ Der Standard, Printausgabe, 6.6.2009)

 

  • Köche wie Walter Eselböck (li.) und Heinz Reitbauer setzen sich für den Ess-Führer ein.
    foto: standard/ fischer

    Köche wie Walter Eselböck (li.) und Heinz Reitbauer setzen sich für den Ess-Führer ein.

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