Merkel will Nahost-Politik Obamas unterstützen

5. Juni 2009, 20:04
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Demonstrative Harmonie bei Obamas Dresden-Besuch: Der US-Präsident lobt Deutschland als "engen Freund"

Ob Guantánamo-Schließung, Nahost-Frage oder Klimaschutz – Kanzlerin Merkel will ihn unterstützen.

"Yes we can. 20 Prozent auf alles. It's Obama Day." Mit diesen Worten wirbt ein Juwelier in der Dresdner Innenstadt um Kunden. Nicht weit davon preist eine Bäckerei Kuchen an, dessen Zuckerguss die US-Flagge zeigt. Blau-weiß-rote Fähnchen flattern ohnehin überall im Wind. Zum ersten Mal überhaupt besucht ein US-Präsident Dresden, und die sächsische Landeshauptstadt ist wild entschlossen, dies kräftig zu feiern – auch wenn Bürgerinnen und Bürger den Stargast vor lauter Polizisten und Absperrgittern kaum zu Gesicht bekommen.

Groß ist der Stress der Organisatoren. Immer wieder, bis zum letzten Moment, stößt Obamas Tross das Programm um, und die deutsche Seite seufzt möglichst geräuschlos. Flugs kursiert ein Gerücht, das sich auch bis zu Obama himself durchspricht: Er lasse die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hängen – weil sie ihm vor einem Jahr in Berlin, als er noch Kandidat für das Amt des US-Präsidenten war, den Auftritt am Brandenburger Tor verwehrte. Überhaupt finde er sie ein wenig spröde.

"Stop it! Ich möchte Sie bitten, damit aufzuhören" , stellt Obama daher auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Merkel gleich einmal klar. Das seien "wilde Spekulationen, aber keine Tatsachen" . Deutschland sei ein "enger Freund und Partner" , die Beziehungen zwischen "unseren Ländern und Regierungen außerordentlich" . Und auch Merkel beteuert: "Es macht wirklich Spaß, mit dem amerikanischen Präsidenten zusammenzuarbeiten."

"Zwei-Staaten-Lösung"

Merkel verspricht dem Gast, mit der Aufnahme von Guantánamo-Häftlingen zu helfen, macht aber keine konkreten Zusagen. Sie lobt auch seine tags zuvor in Kairo gehaltene Grundsatzrede an die muslimische Welt als "bedeutend" und als "Türöffner in die arabische Welt" . Beide betonen, dass sich im Nahost-Friedensprozess alle zwei Seiten bewegen müssten. Wie Obama meint auch Merkel: "Wir brauchen eine Zwei-Staaten-Lösung." Obama hat schon einen Zeitrahmen im Auge: "Wenn wir dranbleiben, dann können wir noch in diesem Jahr Fortschritte erzielen."

Merkel hingegen hört gerne, dass Obama bereit ist, beim Klimaschutz eine führende Rolle zu übernehmen. "Wir brauchen harte Entscheidungen, wenn wir eine möglicherweise katastrophale Wende verhindern wollen" , sagt er und verweist darauf, dass die USA bereits Forschritte erzielt hätten.

Zum Schluss legt Obama sogar den Arm um Merkel. So vertraut, dass man nachher Wildschwein grillt (wie einst mit George W. Bush), ist man noch nicht. Obama und Merkel besuchen lieber die weltberühmte Dresdner Frauenkirche. "Wonderful" findet der Präsident das im Krieg völlig zerstörte und vor wenigen Jahren wieder errichtete Gotteshaus und zündet eine Kerze an. Die Bilder, die davon in die USA gehen, kann er gut brauchen. Man muss beim Wiederaufbau helfen, lautet die Botschaft vor allem an jene Amerikaner, die den US-Einsatz im Irak und in Afghanistan immer mehr in Zweifel ziehen.

Auch die nächste Station von Obamas Kurzbesuch hat hohe Symbolkraft. Als erster US-Präsident überhaupt besucht er ein ehemaliges deutsches KZ und will damit nach seiner Rede in Kairo an die arabische Welt zeigen, dass die USA fest zu Israel stehen. Im Lager Buchenwald (Thüringen) erlebt Obama auch ein Stück Familiengeschichte. Denn 1945 gehörte sein Großonkel Charles Payne zu den Befreiern des Lagers. Begleitet wird Obama nicht nur von Merkel, sondern auch von Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, der als junger Mann das KZ Buchenwald überlebte. Gemeinsam legen sie weiße Rosen an der Gedenktafel nieder.

Nach dem Rundgang durch das Lager ist Obama sichtlich bewegt und hat vor dem Abflug noch eine Botschaft: "Wir müssen gegen jede Form der Intoleranz vorgehen." (Birgit Baumann aus Dresden/DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2009)

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    US-Präsident Barack Obama an der Gedenkstätte beim "Kleinen Lager" des ehemaligen KZ Buchenwald.

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