Seid verschlungen, Millionen!

5. Juni 2009, 19:14
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Die größten EURO-Investitionen galten den Spielstätten. Viel wurde versprochen, die Beteuerungen werden freilich selten eingelöst. In teils überdimensionierten Stadien bleiben die Spielfelder und Ränge häufig leer.

16 Mal lag der EURO-Fußball beim Anpfiff im Mittelkreis eines heimischen Stadions. Die EURO ist weg, die Mittelkreise sind immer noch da - in Spielstätten, bei denen nicht alles rund läuft.

Bestes Beispiel: Klagenfurt. Der Bau des Wörthersee-Stadions kostete, wie nun feststeht, 72,12 Millionen Euro, erheblich mehr als die prognostizierten 60 Millionen. Geschäft ist der Bau keines. Trotz der EURO produzierte das neue Stadion, auch wegen der bescheidenen Performance des Heimatvereins Austria Kärnten, im Vorjahr gleich einen satten Abgang von 5,1 Millionen Euro.

Bis heute weiß niemand, was mit dem Stadion passieren soll. Ursprünglich hatte der damalige VP-Bürgermeister Harald Scheucher mit der schwarz-orangen Bundesregierung den Rückbau von 32.000 auf 12.000 Sitzplätze vereinbart. Die Kosten (10,6 Mio. Euro) sollte der Bund übernehmen. Bis dahin muss die Stadt Klagenfurt monatlich 250.000 Euro an eine externe Firma für die Extrasitze zahlen.

Doch das Ufo, wie das EM-Stadion von den Klagenfurtern spöttisch genannt wird, gefiel den Politikern so gut, dass sie es zunächst einfach stehen lassen wollten. Die Umweltverträglichkeitsprüfung müsste freilich nachgeholt werden. Nun wird neu verhandelt. 15.000 bis 18.000 Plätze als Endkapazität stehen im Raum. Schon das wirkt großzügig, gemessen an Austria Kärntens Popularität. Selbst der Schlager gegen Rapid lockte nur 16.703 Zuseher. Bei anderen Partien verirren sich oft nicht mehr als 1500 in die Arena.

Groß blieb auch das Salzburger Stadion in Wals-Siezenheim. Entgegen den ursprünglichen Zusagen der Landespolitik an die verkehrsgeplagten Anrainer im Stadtteil Taxham ist aus der provisorischen Erweiterung auf 30.000 Sitzplätze eine Dauerlösung geworden. Die Baukosten für die vom Getränkekonzern Red Bull gemietete Arena - 46 Millionen Euro plus 20 Millionen für die Aufstockung - hatte die öffentliche Hand zu berappen.

Die eigentlich notwendige Umweltverträglichkeitsprüfung hat es nie gegeben. Hintergrund war neben geschätzten Rückbaukosten von 4,5 Millionen Euro auch die Ankündigung Red Bulls, bei einem Rückbau wieder aus dem Stadion abzusiedeln. Wie vorgesehen zurückgebaut wurde also bloß in Innsbruck (auf 18.500 Sitzplätze), wo der Klub Wacker derzeit auch nur zweitklassig spielt. Dass die Organisation der Fanzonen zumindest 900.000 Euro mehr als geplant gekostet hatte, veranlasste Ende Mai den Innsbrucker Vizebürgermeister Christoph Platzgummer zum Rücktritt.

Auch in Wien gab man viel Geld aus - ohne ein neues Stadion zu errichten. Fertig ist die Abrechnung noch nicht, sagt Sportamtsleiterin Sandra Hofmann, man liege aber "ziemlich punktgenau" bei den projektierten 37 Millionen Euro für die Renovierung des Ernst-Happel-Stadions (1931 eröffnet, 1986 überdacht). Ein Großteil der Investitionen soll langfristig wirken. So übernimmt Wiens Fußballverband die Uefa-Büros. Dass heuer mit Ausnahme des Festspiels zwischen Rapid und dem FCLiverpool (19. Juli) kein Match im Prater steigt, stört Hofmann nicht. "Das war auch ohne EURO immer wieder der Fall."

Die Idee, ein neues, modernes Fußballstadion für Wien zu errichten, hatte es durchaus gegeben. Allerdings: "Das wäre unwirtschaftlich gewesen. Dann gäbe es ein neues, nicht ausgelastetes Stadion und ein altes, das zusätzlich erhalten werden muss" , argumentiert Sportstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ). Er folgte Grete Laska, die im März "aus privaten Gründen" zurücktrat. Das Gerücht, sie sei nicht zuletzt über die ausufernden Kosten der mehrmals halbleeren Fanzone im Hanappi-Stadion politisch gestolpert, will freilich nicht verstummen. (neu, moe, stein, fri, DER STANDARD Printausgabe, 6.6.2009)

  • Zumindest 37 Millionen Euro flossen vor der EURO in die Renovierung des
Happel-Stadions. Gut möglich, dass dort heuer kein einziges Länderspiel
steigt.

    Zumindest 37 Millionen Euro flossen vor der EURO in die Renovierung des Happel-Stadions. Gut möglich, dass dort heuer kein einziges Länderspiel steigt.

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