"Ohne Regelungen mit Biss funktioniert es nicht"

5. Juni 2009, 18:49
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Quotenregelung in Norwegen brachte mehr Frauen und mehr Nationalitäten in die Chefetage - Sybille Raasch zeigte beim Manz-Women-Netzwerktreffen, worauf es ankommt

"Es sieht nicht gut aus, nicht in Deutschland und in Österreich auch nicht", sagt die Hamburger Wissenschafterin gleich zu Beginn ihres Vortrages und spricht damit den geringen Anteil von Frauen in der ersten Führungsebene an. "Wo es aber erkennbar gut aussieht, das ist Norwegen."

Ausgerechnet eine konservative Regierung entschloss sich 2003, das heikle Thema anzugehen: "Es wurde ein Programm zur Modernisierung norwegischer Unternehmen auf die Beine gestellt. Dazu gehörte auch, mehr Frauen in den Führungsetagen zu verankern." Politisch sei man sehr klug vorgegangen, denn nicht die Forderung nach Gleichberechtigung sei im Vordergrund gestanden, sondern ökonomische Argumente. Die Wirtschaft könne es sich in Zukunft nicht leisten auf, das Potenzial von Frauen zu verzichten.

2004 wurde das Gesetz verabschiedet, das alle Aktiengesellschaften in Staatsbesitz verpflichtete, die Frauenquote auf 40 Prozent anzuheben. Bei privaten AGs appellierte der norwegische Gesetzgeber zuerst an die Freiwilligkeit. "Ohne Biss funktionierte das aber nicht." Das Parlament reagierte und verabschiedete eine Regelung, die bestehenden Unternehmen vorschrieb, ebenfalls die Frauenquoten zu erfüllen. Neue AGs, die bei ihrer Gründung nicht genügend Frauen im Aufsichtsrat vorweisen konnten, wurden erst gar nicht ins Firmenbuch eingetragen.

Keine Gesellschaft wollte sich den Strafen (im härtesten Fall hätte sogar einer Liquidierung des Unternehmens drohen können) aussetzen. Aber auch die norwegischen Unternehmensverbände, die zuvor erklärte Gegner des Gesetzes waren, leisteten ihren Beitrag, sobald das Regelwerk verabschiedet war. "Sie boten umgehend Kurse an, bei denen potenzielle Kandidatinnen all das vermittelt wurde, was für die Ausübung eines Aufsichtsratsmandats erforderlich ist. Damit stand den Unternehmen ein Pool für ihre Akquisition zur Verfügung."

Allerdings, die Nachfrage war größer als das Angebot in Norwegen, was zu einem weiteren Effekt führte: "Unternehmen suchten bewusst im Ausland nach weiblichen Führungskräften", sagte Raasch, "das führte gleich zu noch mehr Diversität. Heute finden sich nicht nur mehr Frauen in Norwegens Chefetagen, sondern auch deutlich mehr Nationalitäten. Wenn das kein Erfolg ist!" (Judith Hecht DER STANDARD/Printausgabe 6.6./7.6.2009)

  • Für Sybille Raasch, Gastprofessorin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, ist die Quotenregelung in Norwegen eine Erfolgsgeschichte.
    foto: manz

    Für Sybille Raasch, Gastprofessorin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, ist die Quotenregelung in Norwegen eine Erfolgsgeschichte.

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